Papst Franziskus mit Überlebenden der Tragödie vor Lampedusa
Papst Franziskus mit Überlebenden der Tragödie vor Lampedusa
Gruppenbild mit Papst
Gruppenbild mit Papst

01.10.2014

Papst trifft überlebende Flüchtlinge des Bootsunglücks Das Fanal von Lampedusa

Vor einem Jahr erschütterte ein Bootsunglück vor Lampedusa die Öffentlichkeit: 366 Flüchtlinge starben. Kurz vor dem Jahrestag hat Papst Franziskus Überlebende der Flüchtlingstragödie und Angehörige der Opfer getroffen.

In seiner Ansprache ermahnte der Papst Europa zu größerer Solidarität mit Flüchtlingen. "Ich rufe alle Männer und Frauen Europas auf, die Türen ihres Herzens zu öffnen", sagte Franziskus. Bisweilen fänden die Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in europäischen Häfen "verschlossene Türen" vor und wüssten nicht, wohin sie sich wenden sollten. Es gebe jedoch auch viele Leute, die ein "offenes Herz" für Flüchtlinge hätten. 

Franziskus empfing im Vatikan rund 40 Überlebende, die sich auf dem am 3. Oktober 2013 gekenterten Boot befunden hatten, sowie Angehörige der Opfer. Die Gruppe reist an diesem Donnerstag nach Lampedusa, um an einer Gedenkfeier teilzunehmen. Die meisten Flüchtlinge stammten aus Somalia und Eritrea. Franziskus hatte im Juli 2013 die erste Reise nach seiner Papstwahl nach Lampedusa unternommen und dort eine "Globalisierung der Gleichgültigkeit" angeprangert. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) starben seit Jahresbeginn 3.072 Flüchtlinge im Mittelmeer. Dies seien so viele wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr.

Bei der Havarie starben 366 Menschen

Der Bootsfriedhof am Hafen von Lampedusa: Schiffsbuge ragen aus Bergen zersplitterter Holzplanken, dazwischen rostige Metallstreben und Fetzen von Planen. Die Wracks zerborstener Kutter erinnern die Strandurlauber auf der italienischen Insel an die vielen Flüchtlinge, die bei der Überfahrt nach Europa den Tod gefunden haben. Eine der verheerendsten Katastrophen ereignete sich vor einem Jahr: Am 3. Oktober 2013 geriet eine halbe Seemeile vor Lampedusa ein überfülltes Boot in Brand und sank. 366 Menschen starben.

Die Weltöffentlichkeit nahm erschrocken Anteil: Papst Franziskus und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erwiesen den in einem Flugzeughangar aufgebahrten Toten die letzte Ehre. Nur eine Woche später dann das nächste Unglück: Ein Boot mit mehr als 200 Menschen kentert, 34 von ihnen können nur noch tot geborgen werden. Der italienische Flüchtlingsrat CIR schätzt die Zahl der Opfer im gesamten Oktober 2013 auf insgesamt 600.

Schleuser schicken immer mehr Menschen auf die lebensgefährliche Überfahrt

Die Regierung in Rom reagierte auf die Tragödien mit verstärkten Patrouillen im südlichen Mittelmeer. Seit dem 18. Oktober vergangenen Jahres rettete die Marine im Rahmen der Operation Mare Nostrum rund 80.000 in Seenot geratene Flüchtlinge und brachte sie nach Sizilien oder aufs italienische Festland. Denn das erst vor wenigen Jahren erweiterte Aufnahmezentrum von Lampedusa ist seit einem Skandal um unhaltbare hygienische Zustände geschlossen. Die verstärkten Patrouillen bilden nach Einschätzung italienischer Sicherheitsexperten sogar einen Anreiz für die Schleuser, noch mehr Boote loszuschicken.

Für die Rettung der Migranten will Italien nicht allein verantwortlich sein und dringt deshalb auf internationale Hilfe.

"Italien darf nicht allein gelassen werden", mahnte Ministerpräsident Matteo Renzi jüngst vor den Vereinten Nationen in New York. Die internationale Gemeinschaft müsse verhindern, "dass das Mittelmeer vom Herzen Europas zu seinem Friedhof wird".

Ärger um Kosten für verstärkte Patrouillen im Mittelmeer

Vor allem die Kosten belasten die italienische Regierung: Die Überwachung des südlichen Mittelmeers schlägt derzeit mit neun Millionen Euro pro Monat zu Buche. "Mare Nostrum muss Teil der EU-Grenzschutzagentur Frontex werden", forderte Innenminister Angelino Alfano wiederholt. Mit Frontex hat sich Rom mittlerweile auf eine Ablösung von Mare Nostrum durch Frontex Plus geeinigt. Dazu sollen im Oktober Einzelheiten ausgehandelt werden. Menschenrechtler sehen darin ein Projekt, dass sich einseitig auf Grenzschutz und Zurückweisung von Flüchtlingen konzentriert und die humanitäre Hilfe vernachlässigt.

Aus anderen EU-Ländern gibt es derweil Vorwürfe, Italien registriere die Flüchtlinge nicht und lasse sie weiter nach Deutschland und Frankreich reisen, um dort Asyl zu beantragen. Nach dem Dublin-Verfahren ist das Land, über das ein Flüchtling nach Europa einreist, für die Bearbeitung des Asylantrags und die Unterbringung des Flüchtlings zuständig. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) brachte deshalb jüngst die Wiedereinführung von Grenz-Kontrollen im Schengen-Raum ins Gespräch.

Bereits seit Ausbruch des Krieges in Syrien vor rund dreieinhalb Jahren spürt Italien, dass seine Strukturen zur Aufnahme von Flüchtlingen überfordert sind. In der Bevölkerung herrscht Unmut und das Gefühl, die Hauptlast eines gesamteuropäischen Problems schultern zu müssen. Der ehemalige Innenminister Roberto Maroni spricht als Gouverneur der Lombardei mittlerweile von einer "Invasion", die ein wachsendes Gesundheitsrisiko darstelle. Er spielt mit Ängsten vor einer Verbreitung des Ebola-Virus in Europa. Trotz umfangreicher Finanzhilfen für die Aufnahme von Flüchtlingen fühlt Italien sich von der Europäischen Union im Stich gelassen.

Das Ziel der Flüchtlinge ist in den meisten Fällen jedoch nicht Italien, sondern neben Deutschland und Frankreich auch England und Schweden. Deutschland verzeichnete im vergangenen Jahr 130.000 Asylanträge, mehr als jedes andere EU-Land. Für dieses Jahr rechnet die Bundesregierung mit insgesamt 200.000 Anträgen. In Italien wurden im vergangenen Jahr knapp 30.000 Asylanträge gestellt, sechs Prozent mehr als im Vorjahr.

Bettina Gabbe
(epd, KNA)

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