Papst Franziskus an Sperrmauer zum palästinensischen Gebiet
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Kurz vor dem Abflug aus Jordanien
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Ankunft im Westjordanland
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Empfangszeremonie
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Juni 2014 Abbas und Franziskus (rechts)
Juni 2014 Abbas und Franziskus (rechts)
Im Papamobil auf dem Krippenplatz
Im Papamobil auf dem Krippenplatz
Priester auf dem Krippenplatz
Priester auf dem Krippenplatz
Auch Abbas nimmt an Gottesdienst teil
Auch Abbas nimmt an Gottesdienst teil
Papst: Schutz für Kinder
Papst: Schutz für Kinder
Heilige Drei Könige mal anders
Heilige Drei Könige mal anders
In der Geburtskirche
In der Geburtskirche
Treffen mit Flüchtlingskindern
Treffen mit Flüchtlingskindern
Israels Staatspräsident Peres am Flughafen
Israels Staatspräsident Peres am Flughafen
Ansprache am Flughafen in Tel Aviv
Ansprache am Flughafen in Tel Aviv
Israels Ministerpräsident Netanjahu mit Franziskus
Israels Ministerpräsident Netanjahu mit Franziskus
Jerusalem heißt den Papst willkommen
Jerusalem heißt den Papst willkommen

25.05.2014

Papst betet an Sperrmauer und spricht von Staat Palästina "Mut zum Frieden"

Papst Franziskus hat sich in Bethlehem für den Frieden in Nahost stark gemacht. Er lud Palästinenserpräsident Abbas und Israels Staatspräsident Peres zum Friedensgebet in den Vatikan ein. Beide sagten zu.

Papst Franziskus will im kommenden Monat im Vatikan ein Nahost-Friedenstreffen auf höchster Ebene abhalten. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nahm am Sonntag eine überraschend ausgesprochene Einladung des Papstes an, wie ein Sprecher bestätigte. Auch das Büro des israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres, dessen Amtszeit in zwei Monaten zu Ende geht, signalisierte Zustimmung. Der Papst betonte, die beiden würden gemeinsam mit ihm intensiv beten. Es gehe darum, "von Gott das Geschenk des Friedens zu erflehen." Alle wollten den Frieden, sagte der Papst.

Papst spricht von "Staat Palästina"

Am Vormittag hatte Papst Franziskus bei seinem Besuch in Bethlehem, am Geburtsort Jesu, von Israel und den Palästinensern "Mut zum Frieden" gefordert. Beide Seiten sollten ihre Anstrengungen verdoppeln, um einen stabilen Frieden zu erreichen. Die Situation werde "immer unerträglicher", sagte der Papst bei einem Treffen mit der palästinensischen Führung um Präsident Mahmud Abbas. Ausdrücklich sprach er von einem "Staat Palästina". Der für eine Friedensregelung notwendige Mut besteht nach Einschätzung des Papstes darin, "dass alle das Recht zweier Staaten bejahen, innerhalb anerkannter Grenzen zu existieren und Frieden und Sicherheit zu genießen."

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern habe dramatische Folgen, beklagte Franziskus, er führe zu "Unsicherheit, zur Verweigerung der Rechte, zu Isolierung und Auswanderung ganzer Gemeinden und zu Not und Leiden aller Art." Abbas sagte, statt Mauern zu bauen, seien Brücken nötig. Der Papst wünschte ihnen einen "glücklichen Aufbruch zum Frieden".

Spontaner Stopp am Sperrzaun

Auf der Fahrt vom Amtssitz des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas zur Geburtskirche verließ Franziskus unweit des Flüchtlingslagers Aida den offenen Geländewagen, um die rund acht Meter hohe, mit Stacheldraht und einem Wachturm bewehrte Sperranlage in Augenschein zu nehmen. Den Kontrollpunkt am sogenannten Rachelsgrab müssen Reisende zwischen Jerusalem und Bethlehem passieren.

Einige Augenblicke verweilte Franziskus vor der Mauer, die mit Graffiti besprüht ist, unter anderem mit "Free Palestine" (Freies Palästina). Nach Darstellung von Radio Vatikan betete er dort; bevor er sich umwandte, berührte er die Mauer mit der Stirn.

Die israelische Sperranlage um Bethlehem soll nach ihrer Fertigstellung eine Länge von 62 Kilometern haben. Rund ein Drittel besteht bereits; 20 Prozent sind nach UN-Angaben im Bau.

Vor Geburtskirche: Mehr Schutz für Kinder

Vor tausenden jubelnder Palästinenser zelebrierte Franziskus anschliessend auf dem Krippenplatz vor der Geburtskirche in Bethlehem eine Heilige Messe.

In seiner Predigt mahnte er eindringlich mehr Schutz für Kinder an. Immer noch würden zahllose Kinder ausgebeutet, misshandelt und versklavt. "In einer Zeit, die den Schutz von Minderjährigen prokamiert, werden Waffen gehandelt, die in den Händen von Kindersoldaten landen", beklagte er. Viele Alltagsprodukte würden "von kleinen Sklavenarbeitern verpackt".

Frühere Päpste als Heilige Drei Könige

Der katholischen Ortstradition entsprechend feierte Franziskus den Gottesdienst als Weihnachtsmesse. An der Feier nahmen rund 10.000 Christen teil, auch Katholiken aus dem Gazastreifen und aus dem israelischen Galiläa. Der Papst wurde von den Gläubigen begeistert willkommen geheißen. Vor Beginn der Messe tanzten Priester zu christlicher Popmusik. Den Hintergrund des Altars bildete ein Gemälde, das die Päpste Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. als Heilige Drei Könige an der Krippe des Jesuskindes zeigten.

Franziskus nannte Kinder die Hauptleidtragenden von Hunger und Armut. "In einer Welt, die täglich tonnenweise Nahrungsmittel und Medikamente wegwirft, gibt es Kinder, die vor Hunger oder aufgrund von Krankheiten, die leicht zu heilen wären, vergeblich weinen." Viele lebten unter "unmenschlichen Bedingungen" am Rande der Gesellschaft, an den Peripherien der großen Städte oder in ländlichen Gebieten. "Für all das schämen wir uns heute vor Gott, vor Gott, der ein Kind geworden ist", sagte Franziskus.

Papst: Kinder sind ein Zeichen der Hoffnung

Der Papst sagte, am Umgang mit Kindern zeige sich, wie es um eine Gesellschaft insgesamt bestellt sei. Kinder seien wie das Jesuskind ein Zeichen des Lebens und der Hoffnung, aber auch ein "diagnostisches Zeichen". "Wenn Kinder angenommen, geliebt, behütet und beschützt werden, ist die Familie gesund, wird die Gesellschaft besser und die Welt menschlicher", sagte der Papst. Zugleich erinnerte er an Flüchtlingskinder, die auf der Überfahrt von Afrika nach Europa ertrinken.

Das Mittagessen, das der Papst auf ausdrücklichen Wunsch mit ein paar ausgewählten palästinensischen Familien im franziskanischen Gästehaus einnahm, fand hinter verschlossenen Türen statt, ebenso der Moment des privaten Gebetes in der Geburtsgrotte unter der Geburtskirche, die als Geburtsort Jesu verehrt wird. 

Die Botschaft des "Kindes von Bethlehem" war allenthalben präsent in Bethlehem. In der letzten halben Stunde seines Palästina-Besuches verbrachte Franziskus mit palästinensischen Flüchtlingskinder. Aufmerksam lauschte er im Sozialzentrum "Phoenix" den Zeugnissen der jungen Palästinenser. Ihre Botschaften sind einfach und deutlich: "Christen und Muslime leben unter Besatzung", "Wir wollen freie Religionsausübung" oder auch: "Ich war noch nie am Meer." Ein Junge trug seine Bitte auf Arabisch und Italienisch vor: Das Heilige Land suche nach Gerechtigkeit und brauche das Gebet und die Bemühungen des Papstes. "Wir wollen Frieden, lasst uns gemeinsam für Frieden beten." Franziskus antwortete mit Nachdruck: "Ich habe die Botschaft verstanden!"

Ankunft in Israel: Papst verurteilt Antisemitismus

Nach seinem knapp siebenstündigen Besuch in Bethlehem reiste er weiter nach Israel, wo er von Staatspräsident Peres und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begrüßt wurde. Schon bei seiner Ankunft warb Franziskus für eine Zwei-Staaten-Lösung mit den Palästinensern und für religiöse Toleranz. Die Bemühungen um Frieden für die gesamte Region müssten "vervielfacht" werden. Dabei verurteilte der Papst jeglichen Antisemitismus.

Peres und Netanjahu warnten ihrerseits in ihren Grußworten vor einem wachsenden Judenhass. Mahnend verwiesen sie auf den Anschlag im Jüdischen Museum in Brüssel, bei dem am Samstag vier Menschen ums Leben kamen, darunter zwei israelische Touristen. Peres wie Netanjahu würdigten Franziskus als einen entschiedenen Verbündeten im Kampf gegen Antisemitismus.

Wie zuvor dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas bot der Papst auch Israels Präsident Peres den Vatikan als Ort für ein gemeinsames Friedensgebet an. Die Verantwortlichen der Völker stünden in der "Pflicht, sich zu Werkzeugen und Erbauern des Friedens zu machen, vor allem im Gebet".

Aufruf zu Toleranz zwischen den Religionen

Franziskus rief zu Toleranz und Dialog zwischen den Religionen auf. Er komme als Pilger ins Heilige Land, sagte er. Mit seiner Bedeutung für Juden, Christen und Muslime sei Israel ein "geistiger Bezugspunkt für einen großen Teil der Menschheit". Um Intoleranz und Gewalt zu unterbinden, dürfe es keinen Raum für "Instrumentalisierung und Überbetonung der eigenen Religionszugehörigkeit" geben.

Als "besonderen Moment" seines Besuchsprogramms bezeichnete Franziskus den Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem am Montag. Der Tod von sechs Millionen Juden in der Schoah bleibe ein Symbol dafür, "wie weit die Ruchlosigkeit des Menschen geht, wenn er, durch falsche Ideologien angestiftet, die grundlegende Würde jeder Person vergisst", so Franziskus. Auch Christen und andere Personengruppen seien Opfer von Verfolgung geworden.

Peres nannte Israel ein Land, in dem unterschiedliche Religionen und Nationalitäten in einer Demokratie zusammenlebten. Den Papst würdigte er als "Brückenbauer zwischen den Religionen". Auch wenn der Friede Opfer fordere, seien diese Opfer immer noch der Bedrohung durch einen Krieg vorzuziehen, so Peres.

Die israelische Polizei nahm vor dem Besuch des Papstes jüdische Extremisten bei einer Protestaktion in Jerusalem fest. Polizeisprecher Micky Rosenfeld bestätigte, etwa 26 radikale Demonstranten seien am Davidsgrab festgenommen worden.

In Jerusalem fand am Abend ein ökumenisches Gipfeltreffen mit dem orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I. statt, der Hauptanlass der Reise. Nach der Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung wollten beide gemeinsam in der Grabeskirche beten, dem heiligsten Ort der Christenheit.

Am Montag beginnen für Franziskus der politische und der interreligiöse Programmteil in Jerusalem.Die Reise endet am Montag nach einem Besuch der Klagemauer und der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem.

(KNA, dpa)

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