Papst Franziskus
Papst Franziskus

17.08.2013

Franziskus kommt in der islamischen Welt gut an Dialog in Zeiten von Gewalt und Chaos

Dialog zwischen katholischer Kirche und Islam ist ein zartes Gewächs. Es blüht erst seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil - nach Jahrhunderten des Konflikts. Nun hat das Pflänzchen im Papst einen neuen Gärtner gefunden. Und der begießt es eifrig.

Auffallend häufig, herzlich und offen hat er sich in den fünf Monaten seines bisherigen Pontifikats an die Muslime gewandt. Und das in einer Zeit, in der im Nahen Osten Kirchen brennen, Priester und Bischöfe entführt und ermordet werden und die uralten christlichen Gemeinschaften der Region durch den Exodus ihrer Mitglieder langsam ausbluten. 

Als Erzbischof von Buenos Aires pflegte Franziskus ein enges Verhältnis zur dortigen islamischen Minderheit. Schon eine Woche nach dem Konklave hob er das Gespräch mit dem Islam bei einem Empfang für Religionsvertreter auf die Agenda. Beide Religionen trügen gemeinsam Verantwortung für den Frieden in der Welt, sagte er.

Franziskus versteht es, mit seinen Gesten auch die Muslime zu beeindrucken. Als er am Gründonnerstag einer muslimischen Inhaftierten in einem römischen Gefängnis die Füße wusch, brach das Eis der Kairoer Al-Azhar-Universität. Die wichtigste sunnitische Lehrstätte hatte Anfang 2011 den Dialog mit dem Vatikan ausgesetzt, weil Benedikt XVI. sich erlaubt hatte, den mörderischen Anschlag auf den koptischen Neujahrsgottesdienst in der Kathedrale von Kairo anzuprangern und mehr religiöse Toleranz in dem Land einzufordern. Im Juni boten die Scheichs neue Gespräche an, falls Franziskus den Islam als eine Religion des Friedens würdige.

Über das Wesen des Koranglaubens hat sich der Papst jedoch bislang nicht konkret geäußert, sondern nur "gewisse Gemeinsamkeiten" festgestellt. Dafür setzte er weitere Zeichen. Sein Besuch bei den Flüchtlingen auf Lampedusa - überwiegend Muslime, denen der Papst einen glücklichen Ramadan wünschte - erntete warme Reaktionen aus arabischen Ländern. Zum islamischen Fastenmonat gratulierte Franziskus den Muslimen persönlich. Religionen hätten die Pflicht, ihre Jugendlichen zu Respekt vor den Überzeugungen anderer zu erziehen, so der Kern seiner Grußbotschaft. Allenfalls zwischen den Zeilen wurde deutlich, dass der Islam dabei womöglich auch eine Bringschuld hat.

Nun ist wieder alles anders

Als nächstes sandte der Papst beim Angelus-Gebet am vergangenen Sonntag ein starkes rhetorisches Signal: "Unsere Brüder" nannte er die Muslime zum Fest des Fastenbrechens. Zwar hatten auch schon seine Vorgänger diesen Ausdruck verwendet, aber die Intonation war diesmal eine andere. Franziskus' Aufruf zur Versöhnung in Ägypten beim Angelus am Tag nach dem blutigen 14. August fand in dem leidgeprüften Land ein breites Echo. Viele arabische Medien verbreiteten seine Worte umgehend weiter; das vermerkte auch die Ägyptische Bischofskonferenz.

Johannes Paul II. zeigte wohlwollendes Interesse am Islam und knüpfte Beziehungen. Benedikt XVI. versuchte, den Dialog auf eine neue Stufe zu heben: die wissenschaftlich-theologische Auseinandersetzung mit der anderen Religion. Der Wirbel um seine "Regensburger Rede" 2006 zum Verhältnis von Vernunft und Gewalt im Islam zeigte, wie dicht das Unterholz ist.

Nun ist wieder alles anders. Weite Teile der islamischen Welt versinken in Blut und Chaos. Unter den Leidtragenden sind Tausende Christen. Für das Kirchenoberhaupt ist das trotz allem eine Chance, sich mit Gesten des Friedens zu profilieren. Den Konflikt schüren wird er nicht. Beim Angelus am Donnerstag betete Franziskus für alle Opfer der Gewalt in Ägypten - radikale Muslime eingeschlossen. Sollte das Wüten gegen die Christen andauern und sich womöglich auch auf Syrien ausdehnen, werden die orientalischen Christen von ihm aber auch Worte der Fürsprache erwarten, wie sie etwa die Deutsche Bischofskonferenz am Freitag gefunden hat.

Christoph Schmidt
(KNA)

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