27.03.2013

Papst Franziskus feiert erste Generalaudienz Schluss mit "müdem Glaubensleben"

Mit großem Jubel haben 15.000 Besucher aus aller Welt Papst Franziskus bei seiner ersten Generalaudienz begrüßt. Der Papst warnte in seiner Ansprache vor einem "müden und gewohnheitsmäßigen Glaubensleben".

In Sorge um Flüchtlinge in Zentralafrikanischer Republik

Bei seiner ersten Generalaudienz rief Franziskus zum Frieden in der Zentralafrikanischen Republik auf. Er forderte vor rund 15.000 Pilgern auf dem Petersplatz in Rom ein sofortiges Ende der Gewalt und der Plünderungen sowie Bemühungen um eine politische Lösung des Konflikts. Am Sonntag hatten Rebellen der Seleka-Koalition die Regierung des afrikanischen Landes gestürzt. Die Rebellen werfen Präsident François Bozizé vor, er habe ein Friedensabkommen und mehrere Vereinbarungen gebrochen. Der neue selbst ernannte Staatschef Michel Djotodia stellte freie und transparente Wahlen in drei Jahren in Aussicht. Der Papst äußerte den Angehörigen der Todesopfer des Umsturzes seine Anteilnahme und betonte seine Sorge um die zahlreichen Flüchtlinge.

Franziskus forderte die Gläubigen in seiner auf Italienisch gehaltenen Ansprache zugleich auf, sich stärker für andere zu öffnen: "Wir müssen aus uns herausgehen, um anderen entgegen zu gehen, uns an die Ränder der Existenz zu begeben, als erstes auf unsere Brüder und Schwestern zuzugehen, vor allem die Entfernten und Vergessenen."

In der Karwoche müssten die Gläubigen sich vor Augen halten, dass Jesus ohne Einschränkung zu allen Menschen gesprochen habe, "zu den Großen und den Niedrigen, zum jungen Reichen und zur armen Witwe, zu den Mächtigen und den Schwachen", sagte der Papst. Gott habe nicht gewartet, bis die Menschen auf ihn zugingen, sondern sei "ohne Berechnung" zu ihnen gekommen.

Schluss mit "gewohnheitsmäßigem Glaubensleben"

Der Papst warnte vor "müdem und gewohnheitsmäßigem Glaubensleben". Christen dürften nicht bei den 99 Schafen bleiben, sondern müssten das verlorene Schaf suchen, das sich entfernt habe, mahnte er unter Anspielung auf das biblische Gleichnis aus dem Lukas-Evangelium.

In seiner Ansprache unterstrich Papst Franziskus die zentrale Bedeutung der Kar- und Ostertage für das Leben der Kirche und der Christen. Die Heilige Woche in Erinnerung an das Leiden, Sterben und die Auferstehung Jesu solle für die Gläubigen ein Anstoß sein, sich den Mitmenschen zuzuwenden und bis an die Ränder der Existenz zu gehen, sagte der Papst. Die Christen sollten sich vor allem den Armen und Vergessenen zuwenden, die Verständnis zu Trost brauchten. "Wir müssen ihnen die lebendige Präsenz des barmherzigen Gottes zeigen", so Franziskus. Es sei notwendig, sich aus den starren Gewohnheiten zu lösen und "sich auf die kreative Liebe Gottes einzulassen, die uns zum Leben führt".

Lange Fahrt im Papamobil

Franziskus begann seine erste Generalaudienz nach einer langen Fahrt im Papamobil über den Petersplatz mit einer Würdigung seines Vorgängers Benedikt XVI. "Mit großer Ehrerbietung nehme ich das Zeugnis aus den Händen meines geliebten Vorgängers Benedikt XVI. entgegen", sagte er unter dem Applaus der Anwesenden. Franziskus kündigte an, bei den kommenden Generalaudienzen zum "Jahr des Glaubens" zu sprechen.

Franziskus sprach bei seiner Generalaudienz nur auf Italienisch. Nach seiner Ansprache präsentierten Mitarbeiter des Staatssekretariats dem Papst in verschiedenen Sprachen die Besuchergruppen aus den entsprechenden Ländern. Anschließend fassten sie die Ansprache des Papstes auf Französisch, Englisch, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch, Polnisch und Arabisch zusammen. Danach wandte sich Franziskus mit einem eigenen Grußwort auf Italienisch an die jeweilige Sprachgruppe. Dieser Gruß wurde dann wiederum von den Prälaten übersetzt.

Grußwort an deutschsprachige Pilger

Das Grußwort des Papstes an die deutschsprachigen Pilger lautete:"Ganz herzlich grüße ich alle Brüder und Schwestern aus den Ländern deutscher Sprache. Besonders in diesen österlichen Tagen können wir Gottes Nähe erfahren, wenn wir uns auf ihn einlassen, wenn wir sein Wort aufmerksam hören und sein Erbarmen im Sakrament der Beichte und der Eucharistie empfangen. Ich wünsche uns allen, dass wir diese Tage mit Hingabe feiern und unsere Mitmenschen mit einem Strahl der Liebe Gottes beschenken. Frohe Ostern euch allen."

Am Donnerstag nimmt der am 13. März gewählte Papst Franziskus das liturgische Programm der Kar- und Ostertage auf. In einer Messe am Morgen im Petersdom weiht er die heiligen Öle, die bei verschiedenen sakramentalen Feiern und Weihen verwendet werden. Den traditionellen Gottesdienst zur Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu will er am späten Nachmittag in der Jugendvollzugsanstalt „Casal del Marmo“ am Stadtrand Roms feiern.

Fußwaschung für Häftlinge

Dort will er zwölf Insassen unterschiedlicher nationaler und religiöser Herkunft die Füße waschen. Wie der Vatikan am Dienstag weiter mitteilte, wird das Kirchenoberhaupt den jugendlichen Straftätern Ostereier und den typisch italienischen Osterkuchen in Form einer Taube mitbringen.

Die Lesungen und die Fürbitten für die Messe bereiten den Angaben zufolge einige der 50 Insassen vor, die an dem Gottesdienst teilnehmen werden. Diese wollen dem Kirchenoberhaupt ein Kruzifix und eine Kniebank überreichen, die sie in der Werkstatt des Gefängnisses persönlich aus Holz anfertigten. Nach der Messe ist am Donnerstagnachmittag eine Begegnung mit insgesamt 150 Insassen in der Sporthalle der Strafanstalt geplant.

Traditionsbruch in Rom

Franziskus bricht mit der Messe, die an die Einsetzung des Abendmahls durch Jesus Christus mit seinen Jüngern erinnert, eine Tradition seiner Vorgänger. Bereits als Erzbischof von Buenos Aires hatte er den Gottesdienst jedes Jahr in einem Gefängnis, einem Krankenhaus oder einer Unterkunft für Obdachlose gefeiert. Die Päpste zelebrierten die Messe bisher in ihrer römischen Bischofskirche im Lateran. Franziskus will die Kathedrale nach Ostern offiziell in Besitz nehmen.

(KNA, epd, DR)

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