Selbst gebastelte Kommunionkerzen
Selbst gebastelte Kommunionkerzen
Diakon Sven Clouth ist für die Kommunionvorbereitung zuständig
Diakon Sven Clouth ist für die Kommunionvorbereitung zuständig
Viele Kinder sind davon betroffen, dass in diesem Jahr die Erstkommunion nicht am Weißen Sonntag stattfindet.
Viele Kinder sind davon betroffen, dass in diesem Jahr die Erstkommunion nicht am Weißen Sonntag stattfindet.
Feierlicher Einzug am Tag der Ersten Heiligen Kommunion.
Feierlicher Einzug am Tag der Ersten Heiligen Kommunion.
Ein halbes Jahr lang bereiten Katecheten die Kinder auf den großen Festtag vor.
Ein halbes Jahr lang bereiten Katecheten die Kinder auf den großen Festtag vor.
Am Weißen Sonntag tragen alle Kinder ein weißes Kleid.
Am Weißen Sonntag tragen alle Kinder ein weißes Kleid.
In vielen Gemeinden bringen die Kinder die Gaben selbst zum Altar.
In vielen Gemeinden bringen die Kinder die Gaben selbst zum Altar.
Auch Kerzen gehören zum Festtag dazu.
Auch Kerzen gehören zum Festtag dazu.
Kommunionkind mit Blumenkranz.
Kommunionkind mit Blumenkranz.
Jesus Christus ist bei jeder Eucharistiefeier in Brot und Wein gegenwärtig.
Jesus Christus ist bei jeder Eucharistiefeier in Brot und Wein gegenwärtig.
Der feierlichste Moment: der Empfang des Leibes Christi.
Der feierlichste Moment: der Empfang des Leibes Christi.
Oft versammeln sich die Kinder bei der Kommunionfeier um den Altar - wie hier im Kölner Dom.
Oft versammeln sich die Kinder bei der Kommunionfeier um den Altar - wie hier im Kölner Dom.

19.04.2020

Erstmals Weißer Sonntag ohne Kommunionfeiern Es bleibt die Chance, sich mit dem Virus "katholisch" zu infizieren

Der Sonntag nach Ostern ist traditionell der Tag, an dem in den meisten Gemeinden Erstkommunion gefeiert wird. Doch nicht in diesem Jahr. Was das für die Kinder, ihre Familien, die Katecheten und Seelsorger bedeutet, erklärt Sven Clouth.

DOMRADIO.DE: Herr Clouth, in einem der größten Sendungsräume des Erzbistums teilen Sie sich mit Pfarrer Markus Breuer die Erstkommunionvorbereitung für 26 Pfarreien. Wie sehr schmerzt es Sie, dass das große Fest, auf das so viele Kinder und ihre Familien seit Monaten hingefiebert haben, nun wegen der Corona-Krise nicht stattfinden kann und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden muss?

Sven Clouth (Diakon im Sendungsraum Zülpich/Veytal): In der Tat durchkreuzt Corona die Pläne vieler Menschen, die an diesem Weißen Sonntag auf einen großen Freudentag verzichten müssen. Denn bereits vor Wochen haben wir alle Erstkommunionfeiern, die in unserem großen Sendungsraum in der Regel bis einschließlich Pfingsten stattfinden, schweren Herzens abgesagt. Damit findet – neben Taufen, Firmungen und Trauungen – nun auch der Empfang dieses Sakramentes nicht statt. Besonders leid tut mir, dass das nun ausgerechnet auch die Kinder trifft, die sich auf ihren großen Tag so intensiv vorbereitet haben und deren Vorfreude mit jeder Woche größer wurde. Wie überhaupt die Tatsache bedauerlich ist, dass alle diese kirchlichen Feste, die ja gleichzeitig immer auch die Familien zusammenführen, zurzeit nicht stattfinden können. Dabei befanden wir uns bei der Erstkommunionvorbereitung seit Januar auf der Zielgeraden.

DOMRADIO.DE: Das heißt, Sie hatten Ihr Pensum bereits durch?

Clouth: Die ersten unserer insgesamt neun Gruppen hatten jedenfalls bereits das Kloster Steinfeld besucht, was für alle im Rahmen der Vorbereitungszeit immer ein absolutes Highlight ist, weil es dort eine pädagogisch tolle Führung gibt und danach ein Picknick, zu dem jede Familie etwas beiträgt. Bei der Erkundung des Klosters erfahren die Kinder, wie die Menschen damals geglaubt haben. Und das fasziniert sie ungemein. So ein Spruch wie "Halt die Klappe!" wird hier augenscheinlich. Denn wenn ein junger Novize im Chorgestühl seinen Holzsitz, der als Klappe bezeichnet wird, mit einem lauten Knall hochschnellen ließ, raunten ihm die Älteren eben zu: Halt die Klappe beim nächsten Mal besser fest!

Oder aber es gibt Schnitzereien, zu denen sich vergleichbar lustige Anekdoten erzählen lassen. Solche Geschichten finden Kinder eben hochspannend. Doch für die meisten von ihnen kam dann leider Corona dazwischen, so dass diesmal für einen Großteil diese Fahrt und damit ein wesentliches Element unseres Programms ausfallen musste. Da waren viele dann sehr enttäuscht und richtig traurig.

DOMRADIO.DE: Auch wenn nun nach und nach behutsame Schritte zurück in eine Normalität geplant sind, wird noch eine ganze Weile Unsicherheit darüber herrschen, wann Ansammlungen mit mehreren hundert Menschen, wie das bei Kommunionfeiern in der Kirche der Normalfall ist, erlaubt sein werden. Haben Sie trotz dieser Planungsunsicherheit schon Ersatztermine im Hinterkopf?

Clouth: Die Corona-Pandemie hat unsere Gesellschaft stark verunsichert. Nun möchten die Menschen natürlich möglichst bald wissen, wie es weitergeht, um wieder Planungssicherheit für das eigene Leben zu gewinnen. Wir sind eben gewohnt, die Dinge im Griff und unter Kontrolle zu haben. Alle Feiern der Seelsorgebereiche Zülpich und Veytal nun auf die Sonntage vor den Sommerferien zu verschieben, hätte vermutlich nicht berücksichtigt, dass dann immer noch die Risikogruppen wie Oma und Opa von einer Feier ausgeschlossen geblieben wären. Denn für sie werden noch lange striktere Vorsichtsmaßnahmen gelten als für alle anderen. Daher haben wir uns jetzt auf die Zeit Ende August/September verständigt – in der Hoffnung, dass sich unser Leben bis dahin normalisiert hat, was natürlich auch von unser aller Verhalten insgesamt abhängt, nämlich ob wir die bestehenden Empfehlungen weiterhin konsequent befolgen.

DOMRADIO.DE: In der Regel geht diesem wichtigen Sakrament der Eucharistie eine halbjährige Vorbereitung durch ehrenamtliche Katechetinnen und Katecheten voraus. Allerdings mussten viele Gruppenstunden und vor allem die Gemeinschaftsaktionen, die den Kindern ganz besonders viel Spaß machen – Sie erwähnten es schon – in den letzten Wochen abgesagt werden. Können solche Fahrten oder Projekttage, die ja meistens einen großen Vorlauf haben, ohne weiteres nachgeholt werden? Oder fehlt da jetzt den Kommunionkindern eine ganz wesentliche Erfahrung?

Clouth: Allen sind die Herausforderungen dieser außergewöhnlichen Lage, in der wir uns derzeit befinden, bewusst. Das heißt, wir müssen in allen Lebensbereichen Abstriche machen. Auch bei der Kommunionvorbereitung. Andererseits dürfen wir als Katholiken auf einen besonderen Trost vertrauen: auf den Heiligen Geist, der trotz Corona wirkt und das eine oder andere auffangen und gerade rücken wird. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Wo kämen wir hin, wenn wir uns gerade jetzt nicht auf den guten Geist Gottes verlassen würden! Und dann werden die Gruppenstunden mit den Kindern ab Mitte August ja auch wieder anlaufen können. Das bringt Verlorenes nicht zurück, aber – wie gesagt – da habe ich großes Gottvertrauen. In jedem Fall werden wir allen Kindern den Empfang der ersten Heiligen Kommunion ermöglichen. Und wenn es dann die eine oder andere Terminschwierigkeit für die Eltern gibt, weil es ja auch schon andere Planungen für die Zeit nach den Sommerferien gibt, werden wir den Familien bei der Wahl ihres Wunschtermins insofern entgegenkommen, als sie sich eben dann in unserem weiten Seelsorgebereich den Sonntag aussuchen können, der für sie machbar ist. Dann nimmt das Kind eben nicht in Zülpich, sondern in Wichterich oder statt in Wollersheim in Antweiler an der Erstkommunion teil.

Und was das Versäumnis von grundlegenden Erfahrungen angeht, können wir zum Glück sagen, dass jedes Kommunionkind in den vergangenen Monaten so viele Gemeinschaftserlebnisse in seiner Gruppe hatte, dass das ein Schatz ist, der ihm nicht mehr genommen werden kann.

DOMRADIO.DE: Mit welchen Reaktionen hatten Sie zu tun, als Sie die Feiern abgesagt haben? Und was könnten Eltern tun, um ihre Kinder, die sich nun zunächst einmal um ein großes Fest gebracht sehen, aufzufangen?

Clouth: Die Rückmeldungen waren ganz unterschiedlich. Die meisten konnten sofort mit den Maßnahmen gut umgehen und zeigten Verständnis. Aber in ihrer ersten Enttäuschung hatten manche auch so ihre Anlaufschwierigkeiten und haben uns Vorwürfe gemacht. Zum Glück aber nur vereinzelt. Grundsätzlich betrachte ich die momentane Situation auch als eine große Chance für die Eltern, die bei der Taufe ihres Kindes gegebene Zusage einer religiösen Erziehung nun noch einmal mit Leben zu füllen und selbst als Glaubenszeugen aktiv zu werden. Sie haben gerade Zeit und können dafür die Bibel zur Hand nehmen. Und sie können in Zeiten einer allgemein verbreiteten Glaubensflucht – gerade auch im ländlichen Raum – die Gelegenheit nutzen, um eingeschlafene Rituale wiederzubeleben. Zuhause einen Teil der Kommunionvorbereitung zu übernehmen, kann zu einer kostbaren Erfahrung miteinander werden. Denn allzu gerne blenden Eltern diese Phase des Festes ja aus, delegieren sie an die Katecheten und geben damit ihre religiöse Verantwortung ab. Ich würde mir sehr wünschen, dass sie diese ausgefallenen Gruppenstunden nun als Chance begreifen und ihrem Kind nahe bringen, was es heißt, dass sich Jesus – gewandelt in Brot – zeigt und sie selbst auch hinter diesem zentralen Inhalt unseres Glaubens stehen. Denn schließlich ist das, was Eltern vorleben, durch keine noch so gut gestaltete Gruppenstunde zu ersetzen.

DOMRADIO.DE: War in diesen Wochen Online-Kommunionunterricht eine Option für Sie, um mit den Kindern und ihren Familien in Kontakt zu bleiben?

Clouth: Da, wo es solche Konzepte gibt, ist das ganz sicher eine Möglichkeit, die Verbindung zu halten. Andererseits aber lebt gerade ja die Erstkommunionvorbereitung von der Communio, der erfahrbaren Gemeinschaft unter- und miteinander. Dazu gehören für die Kinder nicht nur die persönlichen Begegnungen mit den Katecheten und Seelsorgern, sondern auch den Küstern, Hausmeistern und Gemeindemitgliedern in unseren Kirchen. Sie alle dienen ja als Vorbild für gemeinsam Kirche sein am Ort. Und diese Erfahrbarkeit von Menschen, die für Kirche stehen und in ihr arbeiten, lässt sich nun mal nicht online darstellen.

Aber natürlich gibt es auch Vorlagen für eine Gottesdienstreihe – mit Gebeten, Lesungen, Liedvorschlägen und einer Katechese – damit sich Familien auch zuhause zu kleinen Feiern versammeln können. Vergleichbar dem, was die frühen Christen mit dem Begriff von der "Hauskirche" geprägt haben. Wir wollten damit ein Angebot schaffen, das unsere Kommunionkinder in dieser Krise, deren Unsicherheiten und Ängste sich ja auch auf sie übertragen, nicht alleine lässt. Schließlich bekommen sie von den Existenzsorgen ihrer Eltern viel mit. Sich daher offen in der Familie über diese Probleme auszutauschen und dabei Gott und seine Mut machende Zusage "Ich bin da" in die Mitte zu holen, kann eine für Kinder wichtige Trostbotschaft sein.

DOMRADIO.DE: Was bedeutet der Ausfall der Erstkommunionfeier pastoral – vor allem auch für die Kinder?

Clouth: Ich vermute, dass für uns Seelsorger nach der Corona-Krise ein kleiner Galopp ansteht und wir vieles nachholen müssen. Das wird eine große logistische Herausforderung. Aber auch da vertraue ich ganz auf Gott. Schließlich lässt sich dieser Zeit auch viel Gutes abgewinnen. Die Reduktion auf Weniges und Wesentliches lässt uns das Leben neu bewerten. Ein allgemeines Umdenken ist sicher das Gebot der Stunde. Daran können wir wachsen und reifen. Wir sollten uns nicht zu sehr auf das Fehlen vieler Selbstverständlichkeiten fokussieren, sondern auf das, was noch geht und trotz mancher Entbehrung unser Leben immer noch reich macht. Dazu gehört auch die Erstkommunion, die vielen Menschen gewissermaßen als Auftakt dienen kann, im Anschluss an das große Fest wieder neu in Kontakt zur Kirche zu kommen. Es bleibt die Chance, sich mit dem Virus "katholisch" zu infizieren. Was im Übrigen der ganzen Kirche gut täte.

DOMRADIO.DE: Und was bedeutet ein Weißer Sonntag ohne Erstkommunionfeiern emotional für alle Beteiligten?

Clouth: Da ist das geradezu ein genialer Coup. Die Erstkommunion 2020 wird so schnell niemand vergessen. Auch in 30 Jahren werden die Kommunionkinder dieses Jahrgangs dann als Erwachsene ganz sicher ihrem eigenen Nachwuchs von dieser besonderen Zeit erzählen können und dabei in ihrer Erinnerung abgespeichert haben, dass manches der Corona-Krise zum Opfer gefallen ist, nicht aber die Gewissheit, dass Christus dennoch mit ihnen unterwegs war und sich im gewandelten Brot gezeigt hat. Vielleicht werden sie – das jedenfalls würde ich mir wünschen – gerade diese nicht ganz einfachen Umstände zu besonders starken Glaubenszeugen machen.

Das Interview führte Beatrice Tomasetti.

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(DR)

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