Menschenrechte werden vielerorts eingeengt
Menschenrechte werden vielerorts eingeengt

10.12.2019

Appelle zum Tag der Menschenrechte Schutz für Minderheiten

Zum internationalen Tag der Menschenrechte an diesem Dienstag fordern Initiativen einen besseren Schutz von Flüchtlingen, Religionsgemeinschaften und Frauen. Ein Appell richtet sich auch direkt an die katholische Kirche.

So rief Amnesty International zum Schutz von religiösen Minderheiten auf. "Es ist wichtig, dass Regierungen ungeachtet der Mehrheit der Glaubensgemeinschaft im eigenen Land für den Schutz von religiösen Gemeinschaften eintreten", sagte der deutsche Generalsekretär Markus N. Beeko am Montag. Die Glaubensgemeinschaften selbst sollten gemeinsam auftreten. Die zunehmende Ausgrenzung auch religiöser Gruppen sei besorgniserregend.

Das katholische Hilfswerk missio München prangerte die Anti-Drogen-Politik auf den Philippinen als menschenverachtend an. "Das Morden muss aufhören", verlangte Präsident Wolfgang Huber. Unter Staatschef Rodrigo Duterte seien nach Schätzungen bis zu 27.000 Menschen bei Razzien wegen vermeintlicher Drogendelikte getötet worden.

Prekäre Lage vieler Geflüchteter

Die UNO-Flüchtlingshilfe machte auf die prekäre Lage vieler Geflüchteter aufmerksam. Ihnen bleibe der Zugang zu grundlegenden Rechten verwehrt. "Sie werden wegen ihrer Religion, ihrer ethnischen Zugehörigkeit, der politischen Gesinnung oder sexueller Neigung verfolgt, bedroht oder diskriminiert", hieß es.

"Menschenrechtsverletzungen werden tagtäglich, weltweit und millionenfach begangen. Wir dürfen uns damit nicht abfinden", so Geschäftsführer Peter Ruhenstroth-Bauer.

Das Päpstliche Missionswerk der Frauen forderte Verantwortungsträger in Politik, Kirche und Gesellschaft auf, sich deutlicher für die Rechte von Frauen einzusetzen. "Auf jedem Kontinent gibt es Frauen und Mädchen, denen das Recht auf Leben, auf körperliche Unversehrtheit, auf Freiheit, Gleichheit und Bildung vorenthalten wird, auch bei uns in Europa", sagte Präsidentin Margret Dieckmann-Nardmann.

Faire Asylverfahren

Die katholische Ordensfrau und Frauenrechtlerin Lea Ackermann verlangte faire Asylverfahren anstelle rascher Abschiebungen. "Zu den Menschenrechten gehört auch, Schutzsuchenden ein faires Asylverfahren zu garantieren", erklärte die Gründerin der Frauenrechts- und Hilfsorganisation Solwodi (Solidarity with Women in Distress): "Schnelle Abschiebungen, die dem Rechtsruck in der Politik geschuldet sind, sind keine Lösung." 

Anstelle einer Abschottung müsse vorrangig denjenigen geholfen werden, die am meisten Not leiden: Frauen, Kinder, Verletzte und Kranke. Unter anderem, so Ackermann weiter, müssten Geflüchtete in Aufnahmeeinrichtungen getrennt nach Geschlechtern untergebracht werden, "damit die Situation der Frauen nicht durch Gewalt, Vergewaltigungen und Menschenhandel ausgenutzt werden kann".

Menschen, die flüchten, hätten in der Regel zu Hause und auf der Flucht bereits massive Menschenrechtsverletzungen erlebt und schwere Traumatisierungen erlitten, ergänzte die Ordensfrau: "Wenn sie in Deutschland ankommen, muss daher sichergestellt sein, dass hier ihre Rechte gewahrt bleiben."

Umsetzung der Menschenrechte innerhalb katholischer Kirche

Die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" erneute ihre Forderung nach der Umsetzung der Menschenrechte auch innerhalb der katholischen Kirche. "Der absolute Ausschluss der Frauen von Weiheämtern, das Heiratsverbot für Priester sowie die Forderung der Enthaltsamkeit an homosexuelle Menschen widersprechen in eklatanter Weise den individuellen Menschenrechten wie auch dem biblisch geprägten Menschenbild", so die Organisation.

Das Kinderhilfswerk terre des hommes wies auf die Situation der Bevölkerung in von der Weltöffentlichkeit weitgehend vergessenen Krisen hin. "Es ist kein Zufall, dass viele Krisen und Konflikte kaum internationale Beachtung finden: Machthaber und Kriegsherren verhindern, dass Nachrichten nach außen dringen", betonte Vorstandssprecher Albert Recknagel. Die Pressefreiheit werde eingeschränkt, Menschenrechtler würden verhaftet und ermordet.

Deshalb würdigte Recknagel, dass der Weimarer Menschenrechtspreis am Montag an die Aktivistin Laila Fakhouri für ihren Einsatz um Anerkennung der Sahrauis in Marokko verliehen wurde. Damit werde "die Aufmerksamkeit auf den seit 40 Jahren ungelösten Konflikt in der Westsahara gelenkt".

(KNA)

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