Gedenken an Liu Xiaobo
Gedenken an Liu Xiaobo
Schüler trauern symbolisch vor der Chinesischen Botschaft nach dem Tod von Liu Xiaobo
Schüler trauern symbolisch vor der Chinesischen Botschaft nach dem Tod von Liu Xiaobo
Freiheit für Liu Xia gefordert
Freiheit für Liu Xia gefordert

13.07.2018

Gedenkgottesdienst für Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo "In einer Reihe mit Martin Luther King"

Er hatte sich zeitlebens für die Menschenrechte in China eingesetzt. Vor einem Jahr ist der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo gestorben. Doch die Erinnerung soll nicht verblassen. In der Berliner Gethsemanekirche wird seiner gedacht.

DOMRADIO.DE: Der Liedermacher Wolf Biermann und die Schriftstellerin Herta Müller werden an diesem Freitag in der Berliner Gethsemanekirche zum Solidaritäts- und Gedenkgottesdienst für den chinesischen Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo erwartet. Dabei soll an den im Juli 2017 gestorbenen Menschenrechtler und seinen Einsatz erinnert werden. Das Interesse an dem Gottesdienst ist groß. Alle fragen sich, ob  Liu Xia, die Witwe des Verstorbenen Liu Xiaobo, auch da sein wird.

Roland Kühne (Pfarrer, Religionslehrer und Leiter des Gedenkgottesdienstes): Ich weiß seit gestern Abend, dass sie leider nicht zu dem Gottesdienst kommen kann. Es geht einfach gesundheitlich noch nicht. Aber es geht ihr eigentlich gut. Sie bedankt sich bei allen Menschen weltweit, die sich für sie eingesetzt haben und dafür, dass Sie jetzt freigekommen ist.

DOMRADIO.DE: Sie selbst kommen eigentlich aus Nordrhein-Westfalen. Da sind Sie Religionslehrer in einem Berufskolleg in Kempen. Genau dort sind auch ihre Beziehung zu China und ihr Engagement für Liu Xiaobo entstanden. Wie genau?

Kühne: Mir ist im Religionsunterricht auch die Aktualität sehr wichtig, also das, was in der Welt geschieht. Als wir im Jahr 2010 davon gehört haben, dass Liu Xiaobo den Friedensnobelpreis bekommt, haben wir überlegt, was wir machen können, um auf die Missstände in China aufmerksam zu machen und ein Zeichen zu setzen.

Dann kamen wir auf die Idee, dass wir nach Berlin fahren, dort vor der chinesischen Botschaft demonstrieren und die Stimme dahingehend erheben, dass wir das nicht richtig finden, was gegen die Menschenrechte verstößt und dass Liu Xiaobo festgehalten wird.

Es waren rund 50 Schüler und Schülerinnen dabei waren. Es ist im Laufe der Jahre immer weiter angewachsen, sodass wir zum Schluss sogar mit 350 Schüler und Schülerinnen vor der chinesischen Botschaft demonstriert haben.

DOMRADIO.DE: Sie haben sich über Jahre hinweg erst mal für die Freilassung Liu Xiaobos eingesetzt. Dann waren sie natürlich traurig über seinen Tod. Was bedeutet dieser Gottesdienst jetzt für Sie und für ihre Schüler?

Kühne: Wir hatten, als wir gehört haben, dass Liu Xiaobo gestorben ist, auch ganz spontan einen Gottesdienst in Kempen abgehalten. Dann kam vor zwei, drei Monaten die Idee, dass wir doch auch zum Jahresgedächtnis wieder einen Gedenkgottesdienst halten wollen. Wir haben gedacht, dass wir das einfach in Berlin machen müssen, weil hier auch Freunde von Liu Xia leben, die Kontakt zu ihr haben.

Wir wollen auf jeden Fall an ihn denken. Seine Ziele, dass es in China mit der Demokratie und mit der Verbesserung von Menschenrechten weitergehen muss, wollen wir einfach weiter äußern. Wir hatten gehofft damit auch ein Zeichen zu setzen, dass Liu Xia frei kommt.

DOMRADIO.DE: Die Kirche, in der der Gottesdienst stattfindet, ist die Gethsemane-Kirche in Berlin-Mitte. Es ist kein Zufall, dass Sie sich gerade diese Kirche ausgesucht haben, oder?

Kühne: Das ist richtig. Die Gethsemane-Kirche am Prenzlauer Berg hat im Jahr 1989 dort auch die sogenannten Friedensgebete abgehalten. Ganz aktuell hat sie sich auch mit Friedensgebeten für eine Gruppe von Menschen, Menschenrechtlern, die in der Türkei inhaftiert waren, eingesetzt. Da ist die Idee entstanden, dass man sich jeden Tag um 18 Uhr trifft, um ein Gebet abzuhalten.

Es war zuerst für Menschen gedacht, die in der Türkei inhaftiert sind, aber jetzt auch weltweit für Menschen, die irgendwo in Unrechtsregimen wegen ihrer politischen Einstellung oder wegen ihrer religiösen Einstellung inhaftiert sind.

DOMRADIO.DE: Warum ist es so wichtig, an einem Mann wie Liu Xiaobo zu erinnern und sein Gedenken hoch zu halten?

Kühne: Ich finde, man muss ihn wirklich in eine Reihe mit Martin Luther King oder Dietrich Bonhoeffer, den er auch gelesen hat, stellen. Liu Xiaobo war es wichtig, seine Stimme für Menschenrechte, für die Freiheit der Menschen und für Religionsfreiheit zu erheben.

Wegen eines Schriftstücks, in dem er das geäußert hat, ist er zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er setzt einfach damit ein großes Zeichen, auch für die Jugendlichen bei uns in der Schule, dem in irgendeiner Form nachzueifern.

DOMRADIO.DE: Was wünschen Sie sich jetzt für diesen Gottesdienst heute Abend in Berlin?

Kühne: Ich wünsche mir, dass wir wirklich noch mal an Liu Xiaobo denken und dass wir Liu Xia symbolisch in die Arme nehmen. Sie ist vielleicht nur zehn Kilometer entfernt von der Kirche, worüber wir sehr froh sind.

Ich wünsche mir, dass es vielleicht auch ein Zeichen für alle Menschen wird, die im Gottesdienst sind und die davon erfahren, sich weltweit für die Menschenrechte einzusetzen. Wir sind eine Familie auf dieser wunderschönen Welt. So wurde es in der Präambel der Menschenrechte auch formuliert.

Wenn wir es schaffen - auch gerade bei den jungen Leuten - das in ihnen wachzurütteln, hätten wir ein sehr schönes Zeichen gesetzt.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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