Biermann und Müller bei Gedenkgottesdienst für Liu Xiaobo

 (DR)

Die aus dem Hausarrest in Peking entlassene und in Berlin eingetroffene chinesische Künstlerin Liu Xia kann unbegrenzt in Deutschland bleiben und arbeiten. Die Witwe des vor einem Jahr gestorbenen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo habe einen Aufenthaltstitel nach Paragraf 22 Satz 2 des Aufenthaltsgesetzes bekommen, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin. Der Paragraf bezieht sich auf den Aufenthalt aus völkerrechtlichen oder dringenden humanitären Gründen.

Die Künstlerin Liu Xia hatte nach fast acht Jahren Hausarrest nach Deutschland ausreisen dürfen. Deutschland und andere Staaten hatten sich lange für die 57-jährige Dichterin und Fotografin eingesetzt.

Liu Xias Ehemann, der Bürgerrechtler Liu Xiaobo, war am 13. Juli 2017 mit 61 Jahren an Krebs gestorben. Er war 2009 zu elf Jahren Haft verurteilt worden, weil er sich für demokratische Reformen eingesetzt hatte. 2010 erhielt er den Friedensnobelpreis, den er nicht entgegennehmen konnte. Die Auszeichnung war für die chinesische Führung Anlass, seine Frau Liu Xia ohne Anklage unter Hausarrest zu stellen und permanent zu überwachen.

Der Liedermacher Wolf Biermann und die Schriftstellerin Herta Müller werden am Freitag in der Berliner Gethsemanekirche zu einem Solidaritäts- und Gedenkgottesdienst für den chinesischen Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo erwartet. Mit dem Gottesdienst soll an den im Juli 2017 gestorbenen Menschenrechtler erinnert werden.

Neben Biermann und Müller werden auch die in Deutschland lebende Vorsitzende des unabhängigen chinesischen PEN-Zentrums, Tienchi Martin-Liao, und der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu erwartet. Wolf Biermann wird der Ankündigung zufolge sein Lied "Gedenken an Jürgen Fuchs" singen, Herta Müller Gedichte von Liu Xiaobo vortragen, die sie aus dem Englischen übersetzt hat. (epd/Stand 13.07.2018)