Amnesty International kämpft für die Abschaffung der Todesstrafe
Nach Festnahme des Türkei-Landesleiters von Amnesty International

08.06.2017

Amnesty Türkei-Expertin zur Festnahme des Landesleiters "Nicht überraschend"

Der Türkei-Chef der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Taner Kilic, wurde in Izmir wegen Terrorverdachts festgenommen. Im domradio.de-Interview zeigt sich Amnesty-Türkei-Expertin Marie Lucas besorgt.

domradio.de: Damit rechnet man nicht wirklich als Menschenrechtsorganisation, dass der eigene Chef in Haft genommen wird, oder?

Marie Lucas (Türkei-Expertin bei Amnesty International in Deutschland): Es bestürzt uns natürlich. Wir sind in großer Sorge um ihn. Ganz überraschend kam es aber ehrlich gesagt nicht. Wir sind, spätestens seit dem wir kurz nach dem Putschversuch Vorwürfe publik gemacht haben, sehr stark, mit sehr aggressiver Kritik der türkischen Regierung in Berührung gekommen. Insofern ist es auch angesichts der allgemeinen Lage in der Türkei nicht überraschend. Es zeigt vielmehr, mit welcher Willkür die türkischen Behörden mittlerweile auch friedliche Kritiker der Regierung verfolgen.

domradio.de: Gemeinsam mit 22 anderen wurde Ihr Chef in der türkischen Stadt Izmir in Untersuchungshaft genommen. Wie geht es ihm? Haben Sie Kontakt?

Lucas: Wir stehen im regelmäßigen Austausch mit seinen Anwälten und versuchen auch unser Vorgehen mit ihm abzustimmen. Es scheint ihm im Moment den Umständen entsprechend gut zu gehen, trotzdem sind wir natürlich besorgt, was jetzt kommen mag. Die Behörden haben jetzt sieben bis 14 Tage Zeit um zu entscheiden, ob sie ihn in Untersuchungshaft halten und wie ein Verfahren aussehen könnte. Wir setzen uns jetzt für seine Freilassung ein und hoffen, dass das Wirkung zeigt.

domradio.de: Wir müssen auch über den Vorwurf sprechen, der im Raum steht. Herrn Kilic wird vorgeworfen, dass er gemeinsam mit den anderen Festgenommenen Kontakt zur Gülen-Bewegung haben soll. Die wird von Erdogan für den Putschversuch verantwortlich gemacht. Ist an den Vorwürfen etwas dran?

Lucas: Da ist gar nichts dran. Wir wissen, dass Taner Kilic im Rahmen seiner jahrzehntelangen Menschenrechtsarbeit immer wieder die Rolle der Gülen-Bewegung in der Türkei kritisiert hat. Es ist deswegen völlig absurd, ihn in irgendeiner Weise in die Nähe der Gülen-Bewegung zu rücken. Es zeigt einfach einmal mehr, dass dieser Vorwurf sehr gerne gebraucht wird, um auch friedliche Kritiker mundtot zu machen.

domradio.de: Welche Auswirkungen hat das auf Ihre Arbeit? Gehen Sie in Zukunft vorsichtiger vor oder lassen Sie sich davon nicht beeindrucken?

Lucas: Es wird uns sicher nicht davon abhalten, zur Menschenrechtslage in der Türkei zu arbeiten. Es bestärkt uns eher in der Ansicht, dass es umso wichtiger ist, jetzt für den Menschenrechtsschutz in der Türkei einzutreten. Wir rufen deswegen alle auf, weiter dranzubleiben. Wir selbst werden jetzt natürlich vorrangig für die Freilassung unseres Kollegen eintreten, aber auch für die Freilassung und den Menschenrechtsschutz aller anderen.

domradio.de: Ist das denn realistisch? Deniz Yücel zum Beispiel sitzt ja auch schon seit Monaten in Haft?

Lucas: Wir tun unser Bestes. Es ist immer schwierig absehbar, gerade in Einzelfällen, wie sich die türkischen Behörden entscheiden. Es ist sehr wichtig, dass internationaler Druck von allen Seiten kommt. Da ist gerade auch die Politik gefragt. Wir hoffen sehr, dass die Unterstützung nicht abbricht. Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung hat sich in einem ersten Statement geäußert und ihre Unterstützung für Taner Kilic zum Ausdruck gebracht. Das ist ein erstes gutes Zeichen. Wir hoffen, dass der Druck noch erhöht wird.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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