Befreite Boko Haram-Opfer (Foto der Nigerianischen Armee)
Befreite Boko Haram-Opfer (Foto der Nigerianischen Armee)

04.05.2015

Menschenrechtler fordert Unterstützung für Boko Haram-Opfer "Diesen Frauen steht ein schwieriger Kampf bevor"

Nach ihrer Befreiung aus der Gewalt nigerianischer Terroristen haben erste Opfer die brutale Gefangenschaft beschrieben. Dazu Nigeria-Experte Emmanuel Franklyn Ogbunwezeh. Er hat eine Schwester bei einem Anschlag verloren.

domradio.de: Es sind erst einmal gute Nachrichten aus einem krisengeschüttelten Land. Wie kommt es denn dazu, dass die Armee auf einmal so schlagkräftig ist? Es heißt, es würden jetzt verstärkt Söldner aus Südafrika in den Reihen der Nigerianer mitkämpfen?

Emmanuel Franklyn Ogbunwezeh (Afrika-Referent bei der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, er hat eine seiner Schwestern durch einen Anschlag in Nigeria verloren): Das ist wahr, wir müssen sagen, dass die nigerianische Regierung und die nigerianische Armee an Oberhand im Kampf gegen Boko Haram gewinnt. Man kann das der Tatsache zurechnen, dass ein paar Söldner aus Südafrika mitkämpfen und jetzt ist Boko Haram fast am Ende.

domradio.de: Wie schätzen Sie das ein: Haben diese erfolgreichen Offensiven etwas mit dem jüngsten Machtwechsel zu tun? Erst Ende März war ja der Christ Goodluck Jonathan als Staatspräsident abgewählt und der Moslem Muhammadu Buhari gewählt worden.

Ogbunwezeh: Dieser Prozess war schon im Gang. Goodluck Jonathan hat versucht, vor der Wahl versteckt gegen Boko Haram vorzugehen und man kann das Ergebnis jetzt sehen.

domradio.de: Was haben die befreiten Geiseln jetzt erzählt, von dem, was sie erleiden mussten?

Ogbunwezeh: Sie mussten sehr viel erleiden. Eine von den Frauen hat erzählt, dass wenn Boko Haram einen Ort erobert hat, haben sie zuerst alle Männer umgebracht und dann die Frauen verschleppt. Viele Leute sind in Gefangenschaft von Boko Haram durch Hunger und Krankheiten gestorben. Ihre Freiheit war sehr stark eingeschränkt. Diese Frauen konnten nicht zur Toilette, ohne dass ein Soldat von Boko Haram mitgeht.

Wir haben leider die schlechte Nachricht erhalten, dass zehn der befreiten Mädchen und Frauen unterwegs zu dem Ort, an dem sie behandelt werden sollten, gestorben sind, weil sie nach Hunger und Krankheit sehr schwach waren.

Sie haben viele fürchterliche Sachen erlebt, man kann sich das kaum vorstellen. Sie sind unterernährt, es fehlt an allem, sie haben keine Medikamente, sie haben tropische Krankheit. Bei uns in Nigeria gibt es zum Beispiel Malaria und wenn man dem ausgeliefert ist in so einer Situation… Wir können uns kaum vorstellen, welches Leid diese Menschen durchleben mussten.

domradio.de: Viele Frauen wurden ja auch zwangsverheiratet und mussten wahrscheinlich sexuelle Gewalt erdulden, oder?

Ogbunwezeh: Das ist wahr. Boko Haram nutzte diese Frauen und Mädchen als Köche oder Sexsklaven oder als Menschenschutzschild. Viele sind weiterverkauft oder vergewaltigt worden. Man kann sich kaum vorstellen, welches psychologische Leid diese Menschen durchgemacht haben. Ich glaube, auch wenn wir die Chibok-Mädchen irgendwann einmal finden können - sie werden niemals die gleichen Leute wie früher wieder sein, sie haben große psychologische Schäden erlitten.

domradio.de: Sie haben gerade die Schülerinnen angesprochen, deren Schicksal vor etwa einem Jahr rund um den Globus bewegt hat. Es waren ungefähr 100 Schülerinnen entführt worden. Weiß man denn, ob sie unter den befreiten Geiseln sind?

Ogbunwezeh: Zurzeit kann man das noch nicht sagen. Die befreiten Frauen und Kinder gehen jetzt durch einen Befragungsprozess, aber bis jetzt können wir das nicht feststellen, dass einige der Chibok-Mädchen darunter sind.

domradio.de: Wie wird es jetzt für die befreiten Frauen und Mädchen weitergehen?

Ogbunwezeh: Diesen Frauen steht ein schwieriger Kampf bevor. Wir haben die Infrastruktur nicht, um so eine Situation zu bewältigen. Meine Furcht ist, dass diese Frauen und Mädchen in Vergessenheit geraten, sobald die Medien ihre Kameras gepackt haben. Nigeria ist durch Korruption und jahrelangen Mangel an Infrastruktur und Gesundheitswesen nicht in der Lage diese Mädchen und Frauen zu betreuen. Aber ich hoffe, dass die nigerianische Regierung ihre Hausaufgaben machen kann, um diesen Leuten eine neue Chance aufs Leben zu geben, denn sie haben viel gelitten.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(dr)

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