Vollversammlung des ZdK
Vollversammlung des ZdK

22.11.2019

Katholikenkomitee positioniert sich zu aktuellen Themen Grundrente, AfD und kirchlicher Reformkurs im Visier

Das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken debattiert derzeit in Bonn auf seiner Herbstvollversammlung. Das Laien-Gremium positioniert sich an diesem Freitag zu Kirchen- aber auch Gesellschaftsthemen von AfD bis "Synodaler Weg".

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), das höchste repräsentative Gremium der katholischen Laien in Deutschland, trifft sich derzeit in Bonn zu seiner Herbstvollversammlung und bespricht aktuelle Fragen, die Kirche und Gesellschaft aktuell beschäftigen.

Wie positionieren sich die katholischen Laien bei gesellschaftlichen Fragen wie etwa zur Grundrente, aber auch zu politischen Entwicklungen wie etwa bei den Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen? Bei dem Treffen geht es aber auch darum, wie die Laien zu dem aktuell geplanten Reformkurs der katholischen Kirche und der Missbrauchsaufarbeitung stehen.

Katholikenkomitee fordert Schutz von religiösem Leben

Gleich zu Beginn der Versammlung forderte das Katholikenkomitee mit Blick auf den Anschlag auf die Synagoge in Halle im Oktober den Schutz von religiösem Leben in Deutschland. Dies gelte ganz besonders für Menschen jüdischen Glaubens und sei "unverzichtbarer Teil unserer Staatsräson".

Das Ereignis habe für Erschütterung und Empörung gesorgt, so das ZdK weiter. Noch vor wenigen Jahren sei ein solches Geschehen in einer deutschen Stadt nicht vorstellbar gewesen. Es gelte, jüdische Bürger "im Reden und Handeln" zu schützen.

Als Konsequenz des Anschlags von Halle forderte das katholische Laiengremium eine Übertragung bewährter presserechtlicher Regeln auf das Internet. Es könne nicht angehen, dass im Netz Hass, Hetze und Falschmeldungen ungehemmt möglich seien. "Hier sind Gesellschaft und Politik gefordert, Hass und Menschenverachtung Einhalt zu gebieten!"

Katholikenkomitee ruft zum Widerstand gegen AfD auf

Zudem rief das Präsidium zum "Widerstand" gegen die AfD auf. Es handle sich um eine Partei, "die von Bürgerlichkeit spricht und das Gegenteil von bürgerlicher Verantwortung und Gemeinsinn praktiziert".

Die AfD sei nicht "aus Versehen" und nicht "aus einer reinen Proteststimmung heraus" gewählt worden, hieß es weiter mit Blick auf die jüngsten Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg, bei denen die Partei jeweils zweitstärkste Kraft mit über 20 Prozent der Stimmen geworden war. Ein hohes Wahlergebnis sei "kein Ausweis von Seriosität", gab das Katholikenkomitee zu bedenken.

Um den "den gesellschaftlichen Zusammenhalt zersetzenden Stimmen" nicht die Bühne in öffentlichen Debatten zu überlassen, brauche es mehr politische Bildungsangebote. Das ZdK forderte, Träger der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung finanziell sicher auszustatten, "damit sie mit ihrer kontinuierlichen Arbeit die zivilgesellschaftlichen Potenziale heben und stärken können".

Katholikenkomitee vermisst großen Wurf bei Grundrente

Ebenfalls beschäftigt das ZdK die aktuelle Neuregelung zur Grundrente. Die Laien vermissen den großen Wurf bei der Grundrente, hieß es am Freitag. Es sei zwar zu würdigen, dass sich die Bundesregierung "auf dem zentralen gesellschaftspolitischen Feld der Alterssicherung" als handlungsfähig erwiesen habe. Die Probleme einer drohenden Altersarmut würden mit dieser Grundrente jedoch nicht gelöst.

Begünstigt würden langjährig Versicherte mit unterdurchschnittlichen Rentenanwartschaften. "Aber nicht alle von einer künftigen Altersarmut bedrohten Gruppen werden zielgenau erreicht. Diejenigen, die auf Grundsicherungsleistungen angewiesen bleiben, profitieren, wenn überhaupt, nur in geringerem Ausmaß." Es bleibe die Notwendigkeit einer "armutsfesten Grundsicherung".

Katholikenkomitee verteidigt geplanten Reformdialog gegen Kritik

Aber nicht nur politische Themen stehen auf der Agenda. Denn nicht nur die katholische Kirche beschäftigt sich derzeit mit Reformen und den Umgang mit Missbrauch. Auch das Präsidium des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist in den Reformprozess des sogenannten "Synodalen Weg" mit einbezogen. Zu Begin der Vollversammlung haben die Laienkatholiken den geplanten Dialog zur Zukunft der Kirche gegen Kritik verteidigt. Laien und Bischöfe hätten "auf Augenhöhe" die Vorarbeiten zum Synodalen Weg geleistet, betonten die Vizepräsidenten des ZdK.

Der Eindruck von Intransparenz und mangelnder Teilhabe sei dem großen Zeitdruck geschuldet gewesen, unter dem der Synodale Weg stand. Die auf zwei Jahre angelegte Initiative soll am 1. Dezember starten. Die Vollversammlung kann am heutigen Nachmittag den Weg dafür frei machen. Die Zustimmung gilt trotz Vorbehalten unter den Teilnehmern des Treffens als sicher.

Dass die Synodalversammlung als wichtigstes Gremium des Synodalen Wegs zwar Beschlüsse fassen könne, deren Umsetzung aber den jeweiligen Ortsbischöfen vorbehalten sei, entwerte nicht den verbindlichen Charakter des Dialogs, so das Präsidium. Die dem Synodalen Weg zugrundeliegende Satzung bilde lediglich das ab, was das Kirchenrecht vorgebe. "Und daran haben wir uns gehalten."

Die Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, verlaufe "vertrauensvoll und gut", hielten die Vizepräsidenten des höchsten repräsentativen Gremiums der katholischen Laien in Deutschland fest.

Die Einheit mit der Weltkirche werde von keinem Beteiligten in Frage gestellt, hieß es mit Blick auf kircheninterne Debatten und den Brief von Papst Franziskus an die Christen in Deutschland. Man suche weiterhin auch mit Kritikern das Gespräch; so sei ein Treffen mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki in Planung.

Die Vizepräsidenten wandten sich gegen den Vorwurf, man verzettele sich in Strukturdebatten, anstatt die Botschaft Jesu in den Mittelpunkt zu stellen. "Lassen wir uns nicht einen vermeintlich unvereinbaren Gegensatz von strukturellen Reformen und geistlicher Vertiefung einreden!" Die Vertreter des Katholikenkomitees warben zugleich um Nachsicht, dass voraussichtlich nicht alle als wichtig erachteten Aspekte in dem Reformdialog behandelt werden könnten. "Der Synodale Weg ist für alle Beteiligten Neuland und er entwickelt sich tatsächlich erst beim Gehen."

Der Gesprächsprozess will nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen und nach "Schritten zur Stärkung des christlichen Zeugnisses" in der Gesellschaft von heute suchen. Themen sind die Sexualmoral, die priesterliche Lebensform, Gewaltenteilung und die Rolle von Frauen in der Kirche.

Laienkatholiken sehen Missbrauchsdebatte an kritischem Punkt

Die Spitzenvertreter der katholischen Laien sehen die Debatte über die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der Kirche allerdings an einem kritischen Punkt. Die Vizepräsidenten ZdK wandten sich am Freitag in Bonn gegen Entschädigungszahlungen ausschließlich aus Kirchensteuermitteln.

Zugleich beklagten die ZdK-Vertreter vor der Herbstvollversammlung des höchsten repräsentativen Gremiums der Katholiken in Deutschland eine Verengung der Debatte auf eine pauschale Entschädigung in Höhe von 300.000 Euro pro Betroffenem.

Diese Summe stehe in einem Papier, dass eine von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzte Arbeitsgruppe mit Beteiligung von Betroffenen vorgelegt wurde, so die ZdK-Vizepräsidenten. "Doch die verkürzte Wiedergabe und Fixierung auf eine Zahl schadet dem Anliegen, dass den von sexualisierter Gewalt Betroffenen endlich Gerechtigkeit widerfährt. Denn sie polarisiert die Debatte und erschwert eine konstruktive, ergebnisorientierte Verständigung auf ein tragfähiges Verfahren."

Entschieden widersprachen die Laienvertreter dem Gedanken einer Solidargemeinschaft, wonach alle Katholiken für die Verfehlungen von Geistlichen oder Kirchenmitarbeitern geradestehen müssten. Dieser Appell gehe ins Leere, "denn unsere Solidarität gilt den Opfern und das mit ganzer Kraft - und nicht jenen Verantwortlichen und Institutionen, die nun nach Auswegen angesichts finanzieller Forderungen suchen."

Weiter hält das ZdK fest: "In unserer Kirche sollen wir Laien jetzt für Straftaten von Klerikern verantwortlich gemacht werden, obwohl wir als Gläubige gegenüber der Kirchenleitung praktisch keine politische und rechtliche Handhabe besitzen, um Machtmissbrauch zu verhindern."

Die Vizepräsidenten sprachen sich für eine freiwillige Abgabe aller amtierenden und emeritierten Bischöfe und Weihbischöfe aus, mit denen Entschädigungen ausgezahlt werden könnten. Damit seien längst nicht alle Forderungen gedeckt, räumten sie ein. Aber ein solcher symbolischer Schritt könne zeigen, "dass diejenigen, die die Verantwortung tragen, auch bereit sind, sich dafür zur Rechenschaft ziehen zu lassen und Konsequenzen zu tragen".

Grundsätzlich müssten die Bischöfe weiter nach gemeinsamen Lösungen suchen - "keine, die jetzt Laien in Regress nimmt, und keine, die einzelne Diözesen oder auch Orden finanziell ruiniert". Notwendig sei auch eine engere Abstimmung mit der evangelischen Kirche. Schließlich halten die ZdK-Vertreter fest: Zu einer ernsthaften Aufarbeitung des Missbrauchsskandals gehöre auch "eine aufrichtig gemeinte Entschädigung" hinzu. Diese könne durchaus schmerzhaft für die beteiligten Akteure sein, "nicht aber für die Laien in der katholischen Kirche".

Die Vollversammlung dauert bis Samstag.

(KNA)

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