Abstimmung bei der ZdK-Vollversammlung
Abstimmung bei der ZdK-Vollversammlung
ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper
ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper

11.05.2015

ZdK: Für Ermutigung von homosexuellen Paaren "Treue anerkennen"

Die Kirche sollte nach Ansicht des Zentralkomitees der deutschen Katholiken auch homosexuelle Beziehungen anerkennen. Generalsekretär Vesper sagt, dass er für die Familiensynode in Rom Vertrauen in die deutsche Bischofsdelegation hat.

domradio.de: Herr Vesper, wie kann es gelingen, Brücken zwischen Lehre und Lebenswelt zu bauen? Ob es um Empfängnisverhütung, Homosexualität oder wiederverheiratet Geschiedene geht - die katholische Lehre, sagen Sie, ist meilenweit entfernt von unserer Lebenswelt?

Stefan Vesper (Generalsekretär Zentralkomitee der deutschen Katholiken): Meilenweit würde ich nicht sagen. Wir sind auch der Meinung, dass nicht alles beliebig ist und unsere Stellungnahme beginnt mit einem klaren Bekenntnis zur Ehe. Wir ermutigen Paare zum Eheversprechen und zum Gründen einer Familie. Die Werte von Ehe und Familie - Treue, Orientierung und Halt füreinander - sind uns sehr wichtig. Aber wir denken doch, dass wir noch stärker eine Kirche werden müssen, die den Menschen und ihren Sorgen und Hoffnungen zugewandt ist und sich auch um diejenigen kümmert, die andere Modelle leben. Denen muss sich die Kirche auch zuwenden.

domradio.de: Eine Idee ist es, liturgische Formen einzuführen, mit denen auch homosexuelle Paare gesegnet werden können. Was glauben Sie, wie das bei der Amtskirche ankommt?

Vesper: Wir sind ja immer mit den Bischöfen im Dialog und die Bischöfe hören diese Überlegungen sicher auch von anderen. Es geht weniger um die Einzelfrage, wie eine Segnung aussieht, sondern mehr darum, dass man gesellschaftlich anerkennen muss, dass auch in auf Dauer angelegten gleichgeschlechtlichen Beziehungen viele Werte verwirklicht werden, die uns wichtig sind. Treue, verlässliche Verantwortung füreinander, Weggemeinschaft in Verbindlichkeit. Das muss man anerkennen. Die Vollversammlung wollte hiermit sagen: Kann die Kirche nicht auch Wege finden, mit denen sie ein ermutigendes Zeichen setzen kann?

domradio.de: In diesem Herbst findet in Rom die große Familiensynode statt. Der Erwartungsdruck ist riesig, dass der Papst mit den Bischöfen ordentlich alte überholte Zöpfe abschneidet. Kann diese Erwartung nicht auch zu einer großen Enttäuschung werden?

Vesper: Auf der einen Seite sind Erwartungen an die Kirche gut und große Erwartungen sind besonders gut. Die Delegation der deutschen Bischöfe - Kardinal Marx, Bischof Bode und Bischof Koch - ist aus unserer Sicht eine sehr gute Delegation, die in Rom für unsere Anliegen sprechen wird. Die Bischöfe haben ja auch eine Umfrage gemacht, an der wir uns auch mit einer Stellungnahme beteiligt haben.

Und ansonsten muss man wissen: Die Kirche in Deutschland ist nur ein Teil der katholischen Weltkirche. Wir haben ein wichtiges Wort zu sagen, aber wir haben nicht alleine die Dinge zu bestimmen. Auch das ist für unsere Gesellschaft wichtig zu erkennen, dass nur die katholische Kirche solche Themen auf Weltebene austrägt - neben vielleicht noch der UNO. Es ist auch eine Leistung unserer weltumspannenden katholischen Kirche über verschiedene Ansichten miteinander im Gespräch zu bleiben.

domradio.de: Nach der Vollversammlung ist ja immer auch vor der Vollversammlung. Im Herbst wählen sie einen neuen Präsidenten als Nachfolger für Alois Glück. Wer steht da bei Ihnen auf der Liste?

Vesper: Es wäre schön, wenn wir das hier verhandeln könnten. Es gibt natürlich Personen, die interessiert sind. Wir werden wieder mit dem üblichen Verfahren einige Monate vor der Vollversammlung einige Kandidaten benennen. Viele Mitglieder des ZdKs denken, dass es mal wieder an der Zeit sei, eine Frau an der Spitze des Zentralkomitees zu haben.

Ganz wichtig ist, dass es eine Person ist, die integrativ Kraft hat, die kirchlich aktiv ist und die Themen mitgestalten kann, die aber auch politisch aktiv ist. Bei der Vollversammlung jetzt gerade ging es ja auch um Flüchtlingspolitik, um das Verhältnis von Christen und Juden, um Fragen der Prostitution. Das muss die Präsidentin oder der Präsident leisten können. Insgesamt haben wir viele gute Vorgängerinnen und Vorgänger. Wir werden sicher eine Person finden, die diesen Weg weiter geht und als Stimme der Laien in Kirche und Gesellschaft aktiv ist.

 

Die Fragen stellte Verena Tröster.

(dr)

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