Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Ludwig van Beethoven (1770-1827)

14.08.2019

Der Countdown für das Beethoven-Jubiläumsjahr läuft Star der Wiener Klassik

Klanggewaltig, dramatisch, pompös – mit seinen Kompositionen hat Ludwig van Beethoven neue Maßstäbe gesetzt. Er packt Menschen aller Generationen – und lässt sie meist nicht mehr los. Bis heute kennt fast jeder seine Melodien.

Er war ein Superstar seiner Zeit: Ludwig van Beethoven. Vergleichbar wäre er heute vielleicht mit Ed Sheeran. Und auch mit zunehmender Taubheit ließ er nicht von der geliebten Musik. 2020, im Jahr seines 250. Geburtstages, feiert die Welt den Ausnahmemusiker und sein Vermächtnis. Mit großen Schritten rückt das Jubiläumsjahr näher. Vielerorts erschallen dann seine Stücke. Beethoven gilt als Vollender der Wiener Klassik, der den Weg für die Romantik ebnete.

Der Musiker steht für epochale Werke und virtuose Kompositionen. Fast jeder kennt seine Melodien. Im Dezember 1770 kam Beethoven in einer Musikerfamilie mit niederländischen Wurzeln in Bonn zur Welt. Vater Johann – Hoftenor und Klavierlehrer – hatte es zu kaum mehr als Wein, Weib und Gesang gebracht. Damit wenigstens Geld in die Familienkasse kam, wollte er den erst vierjährigen Ludwig zum Wunderkind drillen.

Geliebter Klaviervirtuose bei Hofe

Er sollte ein zweiter Mozart werden. Seine ersten Stücke, die "Kurfürstensonaten", schrieb Ludwig mit ungefähr 13. Als er mit 16 in Wien war, verpasste er dort nur knapp Wolfgang Amadeus Mozart, der gerade an "Don Giovanni" arbeitete. Andere Stars der Wiener Klassik wie Joseph Haydn und Antonio Salieri gehörten zu seinen Lehrern.

Als Napoleon 1801 das Rheinland annektierte, saß Beethoven längst als vom Wiener Adel geliebter Klaviervirtuose bei Hofe. Napoleon veränderte Europa. Brachte er die Freiheit oder nur neue Unterdrückung? Helden kamen in Mode, und Beethovens Musik hört man genau das an. Emotional aufwühlend, kühn konzipiert und äußerst anspruchsvoll: Seine neuartigen Kompositionen machten ihn rasch berühmt – und auch berüchtigt.

"Von Herzen zu Herzen"

Er zweifelte und haderte mit dem "Allmächtigen". Auf die Suche nach seinem Gottesverständnis machte sich Beethoven, als er seine berühmteste Messe schrieb. Für die "Missa solemnis" betrieb er theologische Forschungen und suchte auch in der Geschichte der Kirchenmusik. Gewidmet hat Beethoven sie seinem Förderer Rudolph von Österreich, dem Erzbischof von Olmütz, mit den Worten: "Von Herzen – Möge es wieder – zu Herzen gehen". Beethoven selbst hielt die Messe für sein gelungenstes Werk. Aus seinem umfangreichen Schaffen stechen zudem seine neun Sinfonien hervor. Daneben schuf er fünf Klavierkonzerte, ein Violinkonzert, mehrere Ouvertüren, die Oper Fidelio sowie eine Vielzahl kammermusikalischer Werke.

1824 hatte die Welt seit zehn Jahren auf eine neue Sinfonie Beethovens gewartet. Manche fragten sich, was er eigentlich den ganzen Tag trieb und hielten ihn für einen seltsamen Kauz. Die Gerüchteküche brodelte. Der neue Star war eigentlich schon Gioachino Rossini. Doch Künstler und Gebildete pilgerten zu Beethoven und kommunizierten mittels Notizbüchlein mit dem fast tauben Musiker. Er war ein lebender Mythos. Und dazu doch noch voll aktiv. Er widmete sich einer neuen Sinfonie für London. Langsam reifte damals seine "Neunte" heran. Viele ältere Ideen flossen mit ein. Er schrieb sie im Bewusstsein, sie nie hören zu können. Neben dem Verlust des Gehörs quälte ihn ein nicht enden wollender Tinnitus.

Literatur und Musik

Das Werk selbst sprengte dann alle Grenzen der bisherigen Symphonik, sowohl im Umfang als auch durch die erstmalige Einbeziehung von Solo- und Chorgesang. Textgrundlage ist Schillers Ode "An die Freude". Beethoven wollte sie schon lange mit seiner Musik versehen. Die "Neunte" war nicht nur für die folgenden Generationen wegweisend, sondern gilt nach wie vor als Sinnbild höchster menschlicher Ideale. Heute bietet sie auch Stoff für Flashmobs in Großstädten wie 2014 in Mainz und zieht die Menschen in ihren Bann.

Nicht von ungefähr dirigierte Kurt Masur die Sinfonie im Oktober 1990 zur Wiedervereinigung Deutschlands. Bereits seit 1985 ist sie die offizielle Hymne der Europäischen Union. Um keine europäische Sprache zu bevorzugen und um die symbolische Universalität der Musik zu unterstreichen, ist die Europahymne instrumental. Diese Universalität bewegte auch den ertaubenden Beethoven. Sie war für ihn da, ohne für ihn hörbar zu sein. Am 26. März 1827 starb der Komponist in Wien – nicht aber seine Musik, mit der er - wie er einst sagte - nur ganz oder gar nicht leben konnte.

Christian Michael Hammer
(KNA)

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