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Wieviel Einfluss haben soziale Medien?
Ludwig Martin Jetschke
Ludwig Martin Jetschke

28.05.2019

Youtuber: Kirche nutzt Chancen von sozialen Medien nicht Mehr Einfluss als Priester?

Wieviel Einfluss haben soziale Medien? Das fragt sich zurzeit nicht nur die CDU. Auch die Kirche sollte sich diese Frage stellen, meint der katholische Youtuber Ludwig Martin Jetschke alias "Lingualpfeife". Das Internet sei auch ein pastoraler Raum. 

DOMRADIO.DE: Der Youtuber Rezo hat im Vorfeld der Europawahl mit der CDU abgerechnet. Mehr als zehn Millionen Menschen haben das Video vor der Wahl gesehen, die Partei reagierte sehr zögerlich. Nach der Wahl sagte die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer mit Blick auf die vielen Youtuber, die ihre Partei kritisieren, man werde intensiv über Regeln für Meinungsmache im Internet nachdenken. Das klingt wie die Androhung von Zensur. 

Ludwig Martin Jetschke (Katholischer YouTuber und Blogger): Zu Rezo muss ich sagen, mir würde im Traum nicht einfallen, solche Videos zu machen. Da kann man auch über Stil und Inhalt reden. Aber es ist natürlich genauso klar, dass das Verhalten der CDU völlig unprofessionell war, als ob das Thema Social Media nie bei denen angekommen wäre. Und dann sieht man, was passiert. Man versucht es auszusitzen, dann passieren Übersprungshandlungen und dann gibt es keine einheitliche Stimme mehr. Jeder sagt etwas anderes. Das haben wir ganz ähnlich auch bei "Maria 2.0" und in der Kirche erlebt.

DOMRADIO.DE: In den sozialen Netzwerken wurde Kramp-Karrenbauer so verstanden, als habe sie die Regulierung von Meinungsäußerungen im Internet vor Wahlen angeregt. Wie haben Sie das verstanden?

Jetschke: Ich fand das Statement weniger dramatisch, als es jetzt durch die Medien und Facebook gejagt wurde. Aber es gab Sachen, die auch mich daran irritiert haben. Es war ein Akt der Hilflosigkeit, weil es eben neues Terrain ist. Diese neue Medienwelt hat nicht nur die CDU noch nicht verstanden.

Diese ganzen Massenmobilisierungen über Social Media, ganz gleich ob es in der Kirche "Maria 2.0" ist oder "Fridays for Future", sind nicht mehr Phänomene, die durch die klassischen Medien gesteuert werden können. Das sind Basisinitiativen. Und da ist eben nicht mehr im Vorfeld bestimmbar, wer etwas sagen darf, wer Reichweite oder Gehör bekommt. Stattdessen kann das im Grunde jeder. Und das ist zunächst einmal eine höchst demokratische Entwicklung. Eine Form der Demokratisierung von Wissen und Teilhabe, die aber in eingefahrenen Strukturen wirklich schnell für kalte Füße sorgt, weil es einfach nicht mehr berechenbar ist.

DOMRADIO.DE: Ähnlich wie die CDU hat die Kirche ja viele Anhänger bei älteren Leuten. Sie sind der einzige katholische Youtuber mit relevanter Reichweite. Ihre Videos erreichen bis zu 800.000 Klicks. Sehen Sie die Kirche bei diesem Thema gut aufgestellt?

Jetschke: Ich halte es grundsätzlich für falsch, Zeitungen und Pfarrbriefe gegen neue Medien auszuspielen, weil dafür durchaus noch ein Klientel da ist. Mein Credo ist: Das eine tun, das andere aber nicht lassen. Was ich massiv an der kirchlichen Medienarbeit kritisieren muss, ist die Tatsache, dass sie fast nur als Einbahnstraße verläuft.

Das heißt, man pumpt alle möglichen Inhalte raus – Impuls des Tages, Spruch des Tages, das Statement von X und die Predigt von Y, was weiß ich. Gleichzeitig ist man überhaupt nicht darauf vorbereitet, wenn man mal eine Antwort bekommt, um mit den Usern ernsthaft in einen Dialog zu treten oder gar die Vorstellung zu haben, das Internet vielleicht als pastoralen Raum im engeren Sinne zu verstehen. Frei nach dem Motto: Wenn mir dann jemand schreibt, löst das plötzlich eine Krise aus, weil man irgendwie reagieren muss. Dafür müssen selbstverständlich die Ressourcen da sein.

Mich wundert bis heute massiv, dass auf diesem Feld nicht viel mehr läuft wie zum Beispiel internetseelsorge.de oder die Netzgemeinde DA!_Zwischen. Oder meine Initiative Lingualpfeife, die finanziell null unterfüttert ist. Und wahrscheinlich habe ich so innerhalb von sieben Jahren über Youtube mehr Einfluss auf vor allem junge Leute genommen als mancher Priester bei seinem diamantenen Priesterjubiläum. Und da frage ich mich schon, warum die Kirche bis heute nicht viel stärker hier Räume nutzt, die sich dank Social Media eröffnen. Ob man nicht hier Charisma und Amt sozusagen verzahnt und institutionell erfasst, was da in Social Media gerade passiert. Wir hinken da total hinterher.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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