Kirchenmesse Gloria: Paramente aus Köln und Kevelaer
Kirchenmesse Gloria: Paramente aus Köln und Kevelaer

15.02.2018

Einzige deutschsprachige Kirchenmesse "Gloria" hat ein tierisches Angebot Spitzengewänder und LED-Leuchten

In der Augsburger Messe findet noch bis Samstag die 17. Auflage der "Gloria" statt, einer überkonfessionellen Schau für Christen-Bedarf. Mit dabei sind Grablichtautomaten, prominente Gäste und lebendige Wespen.

Wer die "Gloria" besucht, dem kann ein Licht aufgehen.Zumindest am Stand von Birgit Joachim. Die 53-Jährige vertritt die Firma "Brandmaier Informative Leuchtanzeigen" aus Horb am Neckar bei Stuttgart. Das Unternehmen ist einer von rund 90 Ausstellern der einzigen Kirchenfachmesse im deutschsprachigen Raum.

Am Donnerstag hat sie in der Augsburger Messe begonnen und dauert bis Samstag. So lange blinken da die Brandmaier'schen Schriftzüge: "Andacht 15 Uhr" zum Beispiel, oder "Beichte frei".

Langsames Aufleuchten in der Osternacht

"LED-Leuchten liegen im Trend", sagt Joachim. "Die ermöglichen nämlich automatisches Dimmen. Das ist etwa fürs langsame Aufleuchten in der Osternacht hilfreich." Außerdem passten sie sich der Außenhelligkeit an. Bei Anzeigetafeln sei dadurch gewährleistet, dass die Kirchgänger diese stets gut lesen könnten.

Zu haben seien solche Geräte samt Funksteuerung und Tastatur ab einem unteren vierstelligen Betrag. Vierstellig wird am Ende wohl auch die Besucherzahl sein: Rund 5.000 Gäste erwarten die Veranstalter, mehr denn je. Grund für den anvisierten Rekord ist laut Augsburger Messe eine verstärkte Werbung.

Messe für alle Sinne

Gleich zum Start ist unter anderen Gerhard Kipka dabei. "Meine Frau und ich haben Karten von unserer Mesnerin geschenkt bekommen, weil wir ihr immer so viel in der Kirche helfen", sagt der 73-Jährige aus Ried im schwäbischen Landkreis Aichach-Friedberg. Er hoffe auf ein paar Anregungen für seine Gemeinde, "wir bräuchten zum Beispiel neue Kerzenständer".

Die bietet die "Gloria" ebenso feil wie Sitzpolsterheizungen, Grablichtautomaten oder Klostererzeugnisse, darunter Honig, Marmelade und Hochprozentiges. Auch eine Gebetsstation für Nordkorea gibt es, aufgebaut von "Open Doors", einer Organisation, die sich vorwiegend der Berichterstattung über Christenverfolgung widmet.

Doch nicht nur die Augen haben einiges zu entdecken. Die Ohren hören Glockenläuten und Orgelklänge, die Nase riecht immer wieder Weihrauch. "Die 'Gloria' ist eben nicht nur für alle Christen da, sondern auch für alle Sinne", sagt Michael Ragg (59), Organisator des Bühnenbegleitprogramms.

Promis sind dabei

In dessen Rahmen spricht Ragg nun mit Walter Kohl (54), Autor und Sohn des verstorbenen Altkanzlers Helmut Kohl. Was Kohl gerade erzählt, passt gut zum "Gloria"-Motto "Wie Leben gelingen kann - Christliche Lebenskunst neu entdecken".

Er wirbt dafür, offen über Gefühle zu sprechen, auch als Mann. Denn wer das tue, werde in sich stark. Und "wer in sich stark ist, ist ein Friedensagent - der brüllt nicht, schreit nicht, poltert nicht herum". Kohl ist nicht der einzige Promi auf der "Gloria".

Mit dabei sind auch die Schauspielerinnen Monika Baumgartner ("Der Bergdoktor") und Christine Reimer ("Dahoam is Dahoam") sowie der österreichische "Kräuterpfarrer" Benedikt Felsinger. Sie treten zum Gespräch auf der Bühne auf.

Insekten gegen den Holzwurm

Thomas Schmitt hingegen ist wegen des Handels da. Der Inhaber von "Schmitt Paramente" aus Köln und Kevelaer offeriert Priesterkleidung. "Unter Benedikt war mehr Spitze", sagt der 52-Jährige über den Stil während der Amtszeit des inzwischen emeritierten Papstes. Aktuell seien schlichte Gewänder gefragt. Die Preise dafür begännen bei 1.300 Euro - "ist aber auch handgewebte Seide".

Ein tierisches Produkt hat auch Judith Auer im Angebot. Die 41-Jährige verkauft für den Nürnberger Schädlingsbekämpfer APC im Labor gezüchtete lebendige Schlupfwespen. "Man kann sie in Kirchen einsetzen, die vom Nagekäfer, dem Holzwurm also, befallen sind", erklärt Auer.

Die Wespen legten ihre Eier an die Käferlarven, die dem Wespennachwuchs als Futter dienten. "Absolut ökologisch und ungiftig, die Wespen sind für den Menschen auch völlig ungefährlich." Ein Einsatz mit den Insekten koste gut 3.000 Euro, wenn man die empfohlene Behandlungsdauer für eine mittlere Dorfkirche durchziehe: zwei bis drei Jahre.

Über eine solche Spanne werden Tausende der Insekten eingesetzt. Denn eine einzelne Wespe lebt gerade mal einen Monat, dann geht ihr Licht für immer aus. Da hilft auch die beste LED-Technik nichts.

Christopher Beschnitt

(KNA)

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