Popstar Falco bei einem Auftritt im Jahr 1982
Popstar Falco bei einem Auftritt im Jahr 1982

03.02.2018

Falco starb vor 20 Jahren Ein Requiem für einen Popstar

Laut erklang "Rock Me Amadeus" im Stephansdom in Wien: gesungen von jungen Musiktalenten der Falco-Stiftung. Mit einem Gottesdienst hat man dem Musiker am Freitag gedacht.

DOMRADIO.DE: Schon 20 Jahre ist her, dass der Musiker Falco einen tödlichen Unfall hatte. Zu Lebzeiten hat er sein Comeback nicht mehr so wirklich geschafft. Erst posthum konnte er an alte Erfolge anknüpfen. Am Freitag wurde ein Requiem im Stephansdom abgehalten. Falco ist als Popmusiker berühmt geworden, mit einem Requiem verbindet man aber eher klassische Musik. Wie lief das ab?

Anton Faber (Dompfarrer im Stephansdom in Wien): Es war keine katholische Messe, sondern ein Gedenkgottesdienst zum 20. Todestag von Falco. Es war ein Wortgottesdienst mit einer Predigt, einem Wort des Evangeliums und vielen Musiknummern, die spirituell deutbar waren. Es waren Zeugnisse von Wegbegleitern dabei. Aus seinem letzten großen Interview, das er gegeben hat, wurde zitiert. Es waren auch junge Talente am Werk, die seine Songs interpretiert haben. Das waren Nachwuchsmusiker, die von der Falco-Stiftung gefördert werden. Daran hat der Falco im Himmel sicherlich auch eine große Freude gehabt; neben dem, dass er für eine Stunde lang im Dom durch seine Hits präsent war.

DOMRADIO.DE: Was bekamen die Menschen denn für Musik im Stephansdom zu hören?

Faber: Es lief zum Beispiel "Rock Me Amadeus" und es war auch das damals sehr anrüchige "Jeanny" dabei. "Out of the Dark" wurde gespielt und auch andere, sehr schön spirituell zu interpretierende Texte waren dabei. Gleichwohl musste ich auch von den Brüchen in seinem Leben sprechen, etwa von der Sehnsucht, die leicht in die Sucht kippen kann und von all dem, was in seinem Leben nicht nur genial, sondern auch tragisch war. 

DOMRADIO.DE: Sie sagen, man könne die Texte zum Teil spirituell deuten. Was steckt denn da drin?

Faber: Zum Beispiel bei "Rock Me Amadeus", ein Song, in dem Wolfgang Amadeus Mozart als Popidol besungen wird, als exzellente und schwierige Persönlichkeit, konnte ich darauf eingehen, wie viel Mozart ja auch mit uns im Dom zu tun gehabt hat: Er hat hier als Musiker gewirkt, geheiratet, seine Kinder taufen lassen, hat sich beworben auf den Posten des Domkapitelsmeister, den er dann nicht bekommen hat, und ist dann ganz in der Nähe des Doms gestorben. Wenn wir an Mozart, an seine geniale Musik und seine Brüche im Leben erinnern, ist der Sprung zu Falco nicht weit, der ebenfalls katholisch war und auch ein katholisches Begräbnis erfahren hat. In seinem letzten großen Interview hat er die Frage nach dem Tod aufgegriffen und gesagt: "Wenn ich dann einmal vor meinem Gott stehe und sterbe, habe ich keine Angst, weil ich niemandem in meinem Leben weh getan habe und niemandem etwas angetan habe, sondern höchstens nur mir selbst. Ich hoffe, dass ich dann einen barmherzigen Richter finde, der mir verzeiht."

DOMRADIO.DE: Falcos Gitarrist, Peter Vieweger, hat sich auch zu der Veranstaltung im Stephansdom geäußert: "Falco war überhaupt nicht religiös. Man versucht offenbar, modernes Marketing anzuwenden." Was würden Sie darauf antworten?

Faber: Da bleibe ich ganz gelassen, denn ich habe mich in keiner Weise hineingedrängt, sondern wurde von der Falco-Stiftung und von vielen seiner Fans gebeten, diesen Gottesdienst zu halten. Die 2.000 Besucher im Gottesdienst geben dem Recht. Kritik muss man natürlich aushalten, aber gerade diese Texte seiner Songs und seine Aussagen in Interviews lassen selbst eine spirituelle Deutung zu. Man kann sogar sagen: Manche Textpassagen muten mich sogar mystisch an.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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