Pfarrer und Messdiener im Weihrauch
Pfarrer und Messdiener im Weihrauch

06.01.2018

Ein geschichtlicher Streifzug durch die Welt des Geruchs Dufte!

Preisfrage: Was haben die Heiligen Drei Könige, die Ausscheidungen des Pottwals und ein arabischer Arzt gemeinsam? Antworten finden sich in diesem Text. Der Gewinn: erfrischende Erkenntnisse.

Weihrauch, Myrrhe und Gold fürwahr - die Heiligen Drei Könige ließen sich nicht lumpen. Für die "Sterndeuter aus dem Osten" war das Beste gerade gut genug, um dem neugeborenen Christus in der Krippe zu huldigen. Der Glanz des Goldes und der Wohlgeruch aus der Welt der Pflanzen standen bei den Altvorderen offenbar auf einer Stufe und hoch im Kurs. Wobei die Weisen aus dem Orient nicht die ersten waren, die ihre Duftmarke in der Geschichte setzten.

Öle und Essenzen begleiten die Menschheit seit ihren frühesten Tagen. Bereits um 3.000 vor Christus gehörten in Mesopotamien Kosmetika zur Mitgift von Töchtern aus der Upper Class. Die alten Ägypter verehrten mit Nefertem einen eigenen Gott des Wohlgeruchs. Und eine der ersten überlieferten Rezepturen stammt gar von allerhöchster Stelle, nachzuschlagen im biblischen Buch Exodus, Kapitel 30, Vers 22.

König gesalbt und Tote balsamiert

"Der Herr sprach zu Mose: Nimm dir Balsam von bester Sorte: 500 Schekel erstarrte Tropfenmyrrhe, halb so viel, also 250, wohlriechenden Zimt, 250 Gewürzrohr und 500 Zimtnelken, nach dem Schekelgewicht des Heiligtums, dazu ein Hin Olivenöl, und mach daraus ein heiliges Salböl."

Ein Duft lag in der Luft - und verband das Jenseits mit dem Diesseits. Mit wohlriechenden Substanzen salbte man Könige und balsamierte Tote ein. Feiner Rauch zog bei Verbrennungen von entsprechend präparierten Tierkadavern in die Höhe - und sollte, so die Hoffnung der Anwesenden, auch deren Gebete schneller Richtung Himmel befördern. "Per fumum" - "durch Rauch": Nichts anderes ist die Wurzel für das moderne Wort Parfüm.

Im Mittelalter: "Riechäpfel"

Göttlich und praktisch floss für die Menschen in der klassischen Antike ineinander über. Mancher Grieche oder Römer brannte ein wahres Feuerwerk der Aromen ab. Über das "Beduftungsritual" eines Gastes im Badehaus heißt es beim Dichter Antiphanes: "Er taucht seine Füße und Beine in schwere ägyptische Salben; Kiefer und Brust reibt er mit zähflüssigem Palmöl ein und beide Arme mit einem nach Minze duftenden Auszug, Augenbrauen und Haare mit Majoran, Knie und Nacken mit einer Essenz aus zerstoßenem Thymian."

Im Mittelalter waren "Riechäpfel" schwer gefragt. Wo Pest und Cholera wüteten, sollte ein tiefer Zug aus den an einer Halskette hängenden Kugeln morbide Miasmen verscheuchen. Königin Klementine von Ungarn nannte exquisite Exemplare ihr eigen, gefüllt mit Ambra, wachsartigen Exkrementen des Pottwals. Der arabische Arzt Avicenna oder die Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen isolierten unterdessen ätherische Öle aus Rosen- und Lavendelblüten und lösten sie in Alkohol auf: Vorläufer der modernen Parfüms.

Parfümeure schafften Abhilfe

Normalsterbliche konnten sich derlei kaum leisten. "Um den Ziegengestank unter den Achselhöhlen zu beseitigen, eignet sich vortrefflich das Einreiben der Haut mit getrockneten und zerriebenen Rosenblättern", lautete die Devise in der Epoche des großen Naserümpfens, die spätestens ab dem 16. Jahrhundert einsetzte. Baden und Waschen war verpönt - das Wasser wimmelte von Keimen. Über Frankreichs König Heinrich IV. (1553-1610) hieß es, er stinke "wie ein Aas". Er war beileibe nicht allein.

In den Städten "stanken die Straßen nach Mist, es stanken die Hinterhöfe nach Urin, es stanken die Treppenhäuser nach fauligem Holz und nach Rattendreck", schreibt Patrick Süskind in seinem Bestseller "Das Parfum". Abhilfe schafften Händler und Parfümeure wie die Farinas aus Italien. Sie verstanden sich auf die Kunst, möglichst reinen, geruchsarmen Alkohol zu destillieren. Das wiederum ermöglichte es, nicht nur "schwere" Düfte wie Moschus einzufangen, sondern auch "leichte" Zitrusnoten wie die der Bergamotte.

Das von Johann Maria Farina (1685-1766) kreierte Eau de Cologne gibt es heute noch, wie der aktuelle Chef des Hauses, der ebenfalls Johann Maria Farina heißt, stolz vermerkt. Schließlich kommen jedes Jahr Hunderte neuer Düfte auf den Markt - Longseller wie der aus Köln sind rar. Weihrauch ist in der Branche immer noch gefragt, beteuert der Experte. Mit Gold aufwiegen lassen sich heute aber eher andere Zutaten. "Bei Jasminölen sind sie schnell bei über 4.000 Euro das Kilo."

Joachim Heinz
(KNA)

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