Zum "Tag des offenen Denkmals" öffnen viele Bauwerke ihre Türen, wie etwa das Schloss Nymphenburg in München (Bayern),
Zum "Tag des offenen Denkmals" öffnen viele Bauwerke ihre Türen, wie etwa das Schloss Nymphenburg in München (Bayern),

10.09.2017

Tag des offenen Denkmals zeigt "Macht und Pracht" Architektur kann verführen und einschüchtern

Es ist die größte Kulturveranstaltung in Deutschland: Am Tag des offenen Denkmals besuchen Millionen Menschen etwa 7.500 Denkmäler. In diesem Jahr konnten sie sich über "Macht und Pracht" informieren.

Architektur ist Ausdruck von Geltungsbewusstsein. Sie kann verführen, beeindrucken und einschüchtern. Sie ist eine machtvolle Form der Massenkommunikation. "Macht und Pracht" - so lautete das Motto für den diesjährigen Tag des offenen Denkmals, bei dem am Sonntag wieder bundesweit rund 7.500 Denkmale ihre Türen öffneten. Nach Angaben der Organisatoren kamen rund 3,5 Millionen Besucher, etwa eine halbe Million weniger als sonst.

Beim 25. Tag des offenen Denkmals will der Veranstalter, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, auch den 500. Jahrestag der Reformation einbeziehen: Schließlich haben Katholiken und Protestanten sich seit dem 16. Jahrhundert auch über Architektur voneinander abgegrenzt und ihre religiösen Programme in Stein, Kunst und Farbe ausgedrückt.

Gebäude machen Leute

"Schlösser, Burgen, Kirchen, Parks und städtische Freiräume dienten seit jeher der Inszenierung von Machtansprüchen und der Manifestierung von Glaubensgrundsätzen", sagt etwa der Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Markus Harzenetter. Durch ihre Lage im Stadtgefüge, die Höhe ihrer Türme, die Gestalt ihrer Fassaden oder aufgrund ihrer Ausstattung zeugten diese Bauten bis heute vom Selbstverständnis ihrer Erbauer. Und präsentieren eine teilweise wechselhafte Geschichte.

Etwa der Kölner Heumarkt, ein städteplanerisches Sorgenkind: Seit seiner Enthüllung 1878 war das imposante Reiterstandbild des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm markanter Orientierungspunkt des riesigen Platzes, der einmal ein mittelalterlicher Handelsplatz war und sich zum Epizentrum des Kölner Karnevals entwickelte.

Waren es zunächst vor allem Burgen, Residenzen wie das Kasseler Schloss und der Bergpark Wilhelmshöhe mit dem Herkules, Kirchen wie der Hamburger Michel und Gartenanlagen wie der barocke Würzburger Hofgarten, so zeugten seit dem 19. Jahrhundert auch Bahnhöfe, Fabrikbauten und Siedlungen von wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Entwicklungen.

Repräsentative Bürgerhäuser bekundeten neue Machtansprüche einer aufsteigenden Bevölkerungsgruppe - etwa das Haus der Seidenkultur in Krefeld, das davon zeugt, dass die Stadt am Niederrhein mit Seiden- und vor allem Samtweberei im 18. Jahrhundert zu Reichtum gekommen war. Auch der Staat suchte durch monumentale Gerichtsgebäude oder Kasernen, seine Autorität durchzusetzen.

Ein Denkmal, eine Geschichte

"Jedes Denkmal erzählt uns immer viel über die sozialen und kulturellen Verhältnisse", wirbt die Denkmalschutz-Stiftung für genaues Hinsehen. Nicht allein die Größe imposanter Schlösser, Burgen, Kathedralen, Patrizierhäuser, Industriellenvillen und prächtiger Bauernhäuser sei aussagekräftig. Erbauer und Auftraggeber drückten Schönheit, Wohlstand, weltliche und religiöse Machtansprüche auch durch Form- und Materialwahl, den Einsatz von Technologien, die Art der künstlerischen Ausgestaltung mit Farben, Motiven und Ornamentik, den Bauplatz und die Qualität der Baumeister, Architekten, Künstler und Handwerker aus.

Zugleich sollte der Tag des offenen Denkmals auch historische Gebäude und Stätten zeigen, die Gegensätze von Macht und Pracht widerspiegeln: bewusst nüchtern oder schlicht gehaltene Architektur wie das in den 1960er Jahren entstandene Bonner Bundesviertel, in dem mit Blick auf die NS-Vergangenheit und die deutsche Teilung bewusst auf herkömmliche Repräsentationsformen verzichtet wurde.

Oder Bauten, die an die Armut und Ohnmacht ihrer Bewohner erinnern - und auch Orte, die Machtmissbrauch anmahnen. So etwa die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang mitten im Nationalpark Eifel: Sie ist nicht nur eines der größten Bauwerke des Nationalsozialismus, sondern auch Ausdruck seiner Überheblichkeit und Menschenverachtung.

Christoph Arens
(KNA)

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