Jugendchor singt
Jugendchor singt

04.07.2017

Pop-Kantoren sollen moderne Musik in den Gottesdienst bringen Bistum Essen geht neue Wege

Der Ton macht die Musik - auch im Gottesdienst. Orgelmusik und der Kirchenchor kommen dabei bevorzugt zum Einsatz. Moderne Klänge sucht man eher vergebens. Das soll sich jetzt ändern - zumindest im Bistum Essen.

Popmusik im Gottesdienst ist bislang ein eher seltenes Phänomen in der katholischen Kirche. Normalerweise begleitet die Orgel den Gesang der Gemeinde. Doch das soll sich zumindest im Bistum Essen jetzt ändern. Die beiden Pop-Kantoren Markus Galla und Chris Hees bringen moderne Klänge in die Kirchen des Ruhrbistums.

"Praise and Worship", übersetzt Lob und Anbetung, heißt der entsprechende Musikstil. "Das ist Popmusik mit christlichen Texten und Inhalten", erklärt Galla. Dabei könne die musikalische Ausgestaltung von Popballaden über Rock und Jazz bis hin zu Latin reichen.

Niederschwelliger Zugang

Für viele Menschen sei dies musikalisch nicht von Popmusik zu unterscheiden, sondern nur anhand der Texte, sagt Galla. "So ist es ein niederschwelliger Zugang für Menschen, die sagen, die Kirchenorgel ist für mich sonntags morgens nichts, aber mit einer anderen Musik und vielleicht auch einer anderen Liturgie könnte Kirche doch was für mich sein."

Wer zum Beispiel als Pfarrer oder Kirchenchor im Ruhrbistum etwas über die neuen Gottesdienstklänge erfahren will, kann sich beim Amt für Kirchenmusik melden und die beiden Musiker buchen: "Ein Workshop ist in der Regel zweitägig", erklärt Hees. Bei einem Coaching hingegen treffe man sich über mehrere Wochen an einem Abend in der Woche und probe für ein bestimmtes Ereignis. Allerdings kommt dabei die Königin der Instrumente, die Orgel, nicht zum Einsatz. "Sie ist kein Bandinstrument. Es ist ein anderes Musizieren, als das mit der Orgel möglich ist," erklärt der Musiker.

Die Ursprünge von "Praise und Worship" liegen laut Pop-Kantor Hees in der australischen "Hill Song Church". "Es gibt eine weltweite Tradition, die an der katholischen Kirchen in Deutschland in den letzten 30 bis 40 Jahren vorbeigegangen ist", sagt er. Die evangelische Kirche in Deutschland ist da einen Schritt weiter.

Evangelische Popakademie

Anfang Mai wurde in Witten die Evangelische Popakademie eröffnet. Bereits seit Oktober vergangenen Jahres kann dort "Kirchenmusik popular" studiert werden, wie Studienleiter Hartmut Naumann erklärt.

Eine steigende Nachfrage nach Jazz, Rock und Pop in der Kirchenmusik habe zur Einführung des Studiengangs geführt. "In vielen Gemeinden spielt mal eine Band oder es singt mal ein Gospelchor, aber es ist bisher noch nicht gelungen, so etwas in der Kirchenmusik professionell zu verankern", so Naumann.

Auch das Bistum Essen nimmt ein großes Interesse an populärer Gottesdienstmusik wahr. "Wir sind bis zum Jahresende ausgebucht", sagt der Leiter des Kirchenmusikamtes im Ruhrbistum, Stefan Glaser.

Auch die Pop-Kantoren bekommen nach eigenen Angaben viele positive Rückmeldungen zu ihrer Arbeit. "Die Leute haben sich auf für sie teils sehr fremdes Liedgut eingelassen, laut mitgesungen, mitgeklatscht oder auch getanzt", berichtet Galla von einer Veranstaltung. Darunter seien nicht nur Jugendliche. "Auch Leute zwischen 60 und 80 Jahren singen laut mit", so sein Kollege Hees.

Untergang der abendländischen Kirchenmusik?

Doch über Geschmack lässt sich bekanntlich auch streiten. So habe ein Kritiker in einem Brief an Glaser seine Sorge vor dem Untergang der abendländischen Kirchenmusik angesprochen. Auch, dass die beiden Pop-Kantoren keine studierten Kirchenmusiker, sondern ausgebildete Popularmusiker seien, störe einige.

Zwischen der traditionellen Kirchenmusik und dem neuen Angebot der Pop-Kantoren soll aber keine Konkurrenz entstehen. Für Galla besteht die Aufgabe darin, "ein gesundes Miteinander zu pflegen". Hees sieht das ähnlich: "Kirche ist immer ein Abbild der Gesellschaft mit ihrer kulturellen Vielfalt und Buntheit." Da dürfe jeder Geschmack Platz haben. "Das muss man gar nicht vergleichen mit anderen Formen der Liturgie, anderen Formen des Gottesdienstes oder der Kirchenmusik - die haben alle ihren eigenen Stellenwert, aber diese moderne Musik ist jetzt da", so Hees.

Auch Naumann von der Evangelischen Popakademie sieht zwischen den Musikrichtungen keine Konkurrenz. "Unser Hauptbild für die Kirchenmusik ist das Bild der Vielfalt", sagt er. Die musikalischen Möglichkeiten, die es gibt, müssten auch in der Kirche Platz finden. "Und dabei kann auch gut gemachte Orgelmusik neben gut gemachter Bandmusik stehen".

Dana Kim Hansen
(KNA)

Nachrichten-Video

Zum Video:
Montag, 16.10.2017

Video, Montag, 16.10.2017:Christliche Nachrichten

Jetzt im Radioprogramm

12:00 - 18:00 Uhr 
Der Tag

Informationen, Musik und nette Menschen

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 18.10.
06:00 - 06:30 Uhr

Laudes

06:30 - 10:00 Uhr

Der Morgen

  • Wie ist Kirche für das Zeitalter für 3.0 aufgestellt?
  • Sternberg zur Debatte muslimische Feiertage
  • Herbst 1977: Die Schleyer-Entführung
07:55 - 08:00 Uhr

Evangelium

10:00 - 12:00 Uhr

Thema

10:00 - 12:00 Uhr

Thema

12:00 - 18:00 Uhr

Der Tag

  • Am Wochenende: 33. Ökumenische Philipinenkonferenz
  • Präses Rekowski: "500 Jahre Reformation. Und was kommt jetzt?"
  • Kirchenhistoriker zu Schreiben an Papst Franziskus
  • Caritas Wien zur Lage der Flüchtlinge in Österreich
  • Umbau der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin
12:00 - 18:00 Uhr

Der Tag

  • Am Wochenende: 33. Ökumenische Philipinenkonferenz
  • Präses Rekowski: "500 Jahre Reformation. Und was kommt jetzt?"
  • Kirchenhistoriker zu Schreiben an Papst Franziskus
  • Caritas Wien zur Lage der Flüchtlinge in Österreich
  • Umbau der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin
18:00 - 20:00 Uhr

Kompakt

20:00 - 22:00 Uhr

Thema

22:00 - 22:30 Uhr

Komplet

22:30 - 24:00 Uhr

Kompakt

00:00 - 06:00 Uhr

Nachtportal

02:00 - 03:00 Uhr

Kopfhörer

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Komplet – Das Nachtgebet mit Weihbischof Ansgar