04.05.2013

Vor 75 Jahren starb der Carl von Ossietzky Publizist bis zur letzten Konsequenz

Der Name Carl von Ossietzky ist in der Bundesrepublik Deutschland mit einigen bedeutenden Institutionen verknüpft. Eine wirklich populäre Person ist er heute dennoch nicht.

Seine Texte werden heute - anders als die seines Weg- und Kampfgefährten Kurt Tucholsky - kaum noch gelesen. Es ist nicht die zweifellos vorhandene Brillanz seiner publizistischen Arbeit, die im kollektiven Gedächtnis erhalten geblieben ist, sondern seine Bedeutung als Gegner und Opfer nationalsozialistischer Gewalt. Er starb vor 75 Jahren, am 4. Mai 1938.

Der 1889 in Hamburg geborene Carl von Ossietzky war Journalist mit Leib und Seele, nicht nur aufgrund seines Schreibtalents, sondern auch aus politischer Überzeugung. Als demokratischer Sozialist und radikaler Pazifist kämpfte er auf publizistischem Wege für einen besseren, humaneren Staat. Nachdem er schon für viele Zeitungen Beiträge geliefert hatte, wurde Mitte der 1920er Jahre Siegfried Jacobsohn auf ihn aufmerksam, der ihn als Mitarbeiter für "Die Weltbühne" gewann, eine der bedeutendsten Zeitschriften der Weimarer Republik. Zu ihren Autoren zählten unter anderen Kurt Tucholsky, Lion Feuchtwanger, Erich Kästner und Axel Eggebrecht.

Jacobsohn fiel auf, dass Ossietzky im persönlichen Umgang schüchtern, zurückhaltend und alles andere als entscheidungsfreudig war. Er spöttelte deshalb in Briefen an Tucholsky über den "Marquis von O.", an dem "ein Halbdutzend alter Jungfern verloren gegangen seien". In der Folgezeit sollte sich jedoch zeigen, dass hinter Ossietzkys unscheinbarem Äußeren eine sehr couragierte Persönlichkeit steckte.

Bewusst ins Gefängnis

Als Jacobsohn 1926 unterwartet an einem Gehirnschlag starb, übernahm zunächst Tucholsky, dann Ossietzky die Redaktionsleitung. Seine redaktionelle Arbeit war von vielen internen Konflikten begleitet, aber letztlich doch von Erfolg gekrönt. Die Bedeutung der "Weltbühne" als zentrales Forum der radikaldemokratischen Linken konnte er halten und sogar noch steigern. Immer wieder kam es dabei zu Zusammenstößen mit der Regierung, die 1929 ihren Höhepunkt erreichten, nachdem die Weltbühne den Artikel "Windiges aus der deutschen Luftfahrt" publiziert hatte. Kreiser hatte darin den Missbrauch von Steuergeldern für militärische Luftfahrtprojekte getadelt. Der Artikel brachte ihm und Ossietzky als Redakteur eine Anklage wegen Geheimnisverrats an.

In einem Verfahren, das als "Weltbühne"-Prozess herausragende Bedeutung im Kampf um die Pressefreiheit erlangte, wurden beide zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten verurteilt. Kreiser entzog sich der Strafe durch Flucht ins Ausland. Ossietzky saß sie bewusst ab, um auf das Fehlverhalten der Regierung aufmerksam zu machen.

Nicht nur Opfer der NS-Willkürherrschaft

Im Februar 1933 wurde er erneut verhaftet - diesmal durch die Nationalsozialisten, die ihn als engagierten Pazifisten und Demokraten ausschalten wollten. Ossietzkys Leidensweg führte vom Gefängnis Berlin-Spandau in die Konzentrationslager Sonnenburg und Esterwegen. Dort wurde er schwer misshandelt und gefoltert, möglicherweise sogar gezielt mit Injektionen von Tuberkulosebakterien vergiftet.
Zugleich setzten sich weltweit Freunde und Gesinnungsgenossen für ihn ein, was dazu führte, dass ihm 1936 der Friedensnobelpreis zugesprochen wurde. Der gesundheitlich stark geschwächte Ossietzky war mittlerweile in das Staatskrankenhaus in Berlin verbracht worden; eine Ausreise nach Oslo zur Entgegennahme des Preises wurde ihm von den Nazis verweigert. 1938 starb er an Tuberkulose.

Rückblickend erscheint wichtig, ihn nicht nur als Opfer der NS-Willkürherrschaft in Erinnerung zu behalten. Carl von Ossietzky war ein präziser Seismograph des politischen Zeitgeists, der das politische Erdbeben am Ende der Weimarer Republik genau erfasst hat. Und er war außerdem ein entschlossener Journalist, der sich der Kooperation mit den Kräften, die eben dieses Erdbeben verursachten, stets verweigert hat.

(KNA)

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