Ohne den Baumeister Vincenz Statz würde er vielleicht nicht stehen: der Kölner Dom
Ohne den Baumeister Vincenz Statz würde er vielleicht nicht stehen: der Kölner Dom
Vincenz Statz, Vision der vollendeten Domtürme, und fertig wird er doch.
Vincenz Statz, Vision der vollendeten Domtürme, und fertig wird er doch.

09.04.2019

Zum 200. Geburtstag des Dom-Architekten Vincenz Statz Vom Kölner Dom und kölschem Klüngel

Bekannt ist Vincenz Statz als Baumeister am Kölner Dom. Der umtriebige Neugotiker entwarf das berühmte Aquarell "Und fertig wird er doch". Daneben widmete er sich auch der zweiten Säule seines Erfolgs: dem Klüngel.

Es ist die vielleicht sinnbildlichste von allen Darstellungen des Kölner Dombaus im 19. Jahrhundert, gefeiert und zu bewundern zuletzt wieder in der großen Kathedralen-Ausstellung des Wallraf-Richartz-Museums. Das romantische Aquarell mit dem trotzigen Schriftzug "Und fertig wird er doch" war ein Geburtstagsgeschenk des rheinischen Architekten Vincenz Statz an seinen Ziehvater, den Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner.

Es zeigt einen bärtigen Architekten des Spätmittelalters, der aus der Entfernung stolz auf den vollendeten Kölner Dom weist: floral umrankt und vom Licht verklärt, die große Vision der Deutschen im 19. Jahrhundert.

Sinnbild der Einheit einer am Boden liegenden Nation

Was weder Statz noch Zwirner wussten: Diese Verheißung unter Künstlern war zugleich ein großartiges Abschiedsgeschenk. Denn Dombaumeister Zwirner starb wenige Monate später, am 22. September 1861, an den Folgen eines Herzinfarkts. "Sein" Dom wurde erst 1880 fertiggestellt. Sein Schüler Statz hatte da noch 18 Jahre zu leben - und unzählige Aufträge zu erfüllen. Der Kölner Dombau war nur ein Teil seines Lebens gewesen.

In den Jahren nach Ende der Franzosenzeit (1794-1814) war der Kölner Dom weit mehr als eine unvollendete Bischofskirche. Den Romantikern war er ein Symbol ihrer politischen Hoffnungen, Sinnbild der Einheit einer am Boden liegenden deutschen Nation, die es zu vollenden galt. Die nationale Überhöhung des von Napoleon zur Pfarrkirche degradierten Doms fand bald in ganz Deutschland Verbreitung.

Das große Fest zum Weiterbau des mittelalterlichen Doms im September 1842 war ein Triumph für das katholische Köln. Preußens protestantischer König Friedrich Wilhelm IV. selbst legte den Grundstein, und Zwirner hielt eine Rede, die in ihrem nationalen Pathos die Bedeutung des Kölner Doms als Symbol der unvollendeten deutschen Nation widerspiegelt.

Begnadeter Netzwerker und "Privatbaumeister"

Zwirner hatte 1841 eine Dombauhütte nach mittelalterlichem Vorbild organisiert, an der zeitweilig mehr als 500 Mann arbeiteten. Der Kölner Vincenz Statz, geboren vor genau 200 Jahren, am 9. April 1819, war von Beginn an dabei, legte 1846 am Dom seine Meisterprüfung ab.

In ganz Westeuropa hatte Statz den Baustil der Gotik intensiv studiert. Zudem war er ein begnadeter Netzwerker, konnte vielfältige Beziehungen aufbauen und pflegen; auch im Karneval war er aktiv. Der kölsch-katholische Aufsteiger heiratete in die Ehrenfelder Ziegeleifamilie Wahlen ein. Sein Lieblingsmaterial blieben lebenslang: Ziegel.

1854 wollte sich Zwirner von Statz trennen; im Zeugnis hieß es, er sei "mit vielen Unterbrechungen" für die Dombauhütte tätig gewesen. Heißt übersetzt: Er war eifrig auch in eigener Sache unterwegs. Seiner Karriere war die Angelegenheit nicht wirklich schädlich. Dank seiner guten Beziehungen und königlicher Verfügung durfte er sich ab 1861 "Privatbaumeister" nennen. Im Folgejahr wurde er Dombaumeister in Linz an der Donau und 1863 vom Kölner Kardinal zum Diözesanbaumeister ernannt.

Standesgemäß auf dem Melaten-Friedhof beigesetzt

Zu dieser Zeit umfasste Statz' Werkverzeichnis bereits rund 150 Kirchen und Kapellen, etwa 50 Kirchenrestaurierungen, dazu Krankenhäuser, Pfarrhäuser, Kirchenausstattungen. Zu seinen wichtigsten Werken zählen der Neue Dom in Linz, die Wallfahrtskirche in Kevelaer und die (kriegszerstörte) Aachener Marienkirche.

Er reichte Entwürfe für den Berliner Dom, die Votivkirche in Wien und die Kathedrale von Lille ein. Nach seinem Tod im August 1898 wurde Vincenz Statz standesgemäß auf der Millionenallee des Melaten-Friedhofs beigesetzt. Auf seinem Grabstein steht sein letzter und größter Titel: "Königlicher Baurat".

Nach vielen Jahrzehnten der Verachtung für den Historismus wird den Künstlern des 19. Jahrhunderts heute wieder ein gewisser Respekt zuteil. Auf das ganz große Interesse stoßen sie dennoch nicht; Kunst, das ist nach geltendem Verständnis vor allem Individualität. Dass die freie Interpretation vorgegebener Formensprache dennoch Bedeutendes hervorbringen kann, haben die Baumeister im Dunstkreis des Kölner Doms unter Beweis gestellt.

Von Alexander Brüggemann

(KNA)

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