Evangelischer Kirchentag in Dortmund
Evangelischer Kirchentag in Dortmund
ZdK-Präsident Thomas Sternberg
Thomas Sternberg

24.06.2019

Dortmunder Kirchentag mit nur wenigen ökumenischen Akzenten Auf dem Weg nach Frankfurt 2021

Seit 2003 seien alle Katholikentage evangelischer geworden und alle Kirchentage katholischer, meint ZdK-Präsident Thomas Sternberg. Der Kirchentag nach Dortmund richtete den Blick eher schon ins Jahr 2021.

Zum Schluss setzte der Evangelische Kirchentag doch noch einen ökumenischen Akzent: Am Samstagabend machten sich einige Dutzend Teilnehmer laut Programmtitel auf den Weg "von Dortmund nach Frankfurt/Main" zum 3. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) 2021.

Bei der Pressekonferenz am Mittag hatte man schon symbolisch für die Fotografen den "Staffelstab" übergeben. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, sagte dabei, seit dem ersten Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin seien "alle Katholikentage evangelischer geworden und die evangelischen Kirchentage katholischer".

Ökumene nur Randthema

Für die Katholikentage trifft dies sicher zu, für den Dortmunder Kirchentag eher nicht. Er hatte "Zentren" für alle möglichen Themen, aber keins für Ökumene. Von dem im Programm für Samstag angesetzten "Werkstatttag Ökumene" fiel die erste von drei Veranstaltungen auch noch aus. Die Bistümer Essen, Münster und Paderborn traten gemeinsam mit der westfälischen Landeskirche mit einem eigenen Programm unter dem Motto "Ökumenisch Kirche sein" im Katholischen Centrum auf, das vom Kirchentag aber nicht über seine Informationskanäle beworben wurde.

Ob es ein Zeichen mangelnden Vertrauens sei, dass bei den Hauptvorträgen und -podien keine Ökumene-Themen und -Vertreter vorkämen, fragte ein Journalist die Kirchentagsleitung.

Generalsekretärin Julia Helmke sagte, Ökumene sei kein kontroverses und eigens zu behandelndes Thema. "Wir sind schon einen Schritt weiter." Sie wies darauf hin, dass viele Vorbereitungsgruppen des Kirchentags ökumenisch vernetzt seien. Fragen, wie Kirche oder Gemeinden "neu zu denken" seien, könnten nur gemeinsam beantwortet werden. Allerdings fehlten im Programm entsprechende Angebote.

Der traditionelle zentrale ökumenische Gottesdienst fand diesmal - ungewöhnlicherweise - am Vormittag des Fronleichnamstags statt. Mit den zeitgleichen Fronleichnamsfeiern der Dortmunder Katholiken gab es aber keine Schnittpunkte, sie wurden nicht einmal erwähnt. An der Feier auf dem Hansaplatz in Dortmund unter dem Leitwort "Gerettet - wieder und wieder" nahmen mehrere hundert Christen verschiedener Konfessionen teil. In der Westfalenhalle fand der evangelikale "Christustag Westfalen" statt, der wie bereits beim Kirchentag 2015 in Stuttgart in das Programm des Christentreffens eingebunden war.

Fünf katholische Bischöfe waren nach Dortmund gekommen: der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker sprach ein Grußwort zur Eröffnung, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sowie die Bischöfe Felix Genn (Münster) und Georg Bätzing (Limburg) machten Bibelarbeiten. Nur Ruhrbischof Franz Josef Overbeck war zu einem Podium eingeladen. Auch die Zahl erkennbar orthodoxer oder freikirchlicher Referenten war übersichtlich.

Blick nach Frankfurt

Nun richtet sich der Blick nach Frankfurt. Das ÖKT-Präsidium hat sich schon Ende 2018 konstituiert und vier "Hauptthemenbereiche" festgelegt, wie die evangelische Präsidentin Bettina Limperg berichtete: Glaube, Spiritualität und Kirchen im 21. Jahrhundert, Perspektiven des Zusammenlebens, Klimawandel, Schöpfungsbewahrung, internationale Verantwortung sowie - besonders mit Blick auf die Finanzmetropole Frankfurt - Herrschaft, Macht, Kapital. In dieses Raster hätten auch die Veranstaltungen von Dortmund gepasst.

Der erste ÖKT war vom Miteinander der beiden großen Kirchen geprägt, der zweite 2010 in München von der Öffnung für die kleineren Mitgliedskirchen in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Nun stellt sich mit Blick auf Frankfurt die Frage, welchen Akzent der ÖKT dort setzen will.

Für Sternberg geht es um die Frage: "Wie können wir gemeinsam Zeugnis geben?" - im interreligiösen Dialog und im Gespräch mit Nichtglaubenden. Limperg wünscht sich ein "großes buntes Glaubensfest". Auch die noch nicht in der ACK vertretenen Kirchen - etwa pfingstlerische Freikirchen oder muttersprachliche Gemeinden - sollen verstärkt einbezogen werden, sagte der ACK-Vorsitzende Constantin Miron. Im Grunde, so der orthodoxe Geistliche, gehe es um das ACK-Motto: "Alle Christen kennenlernen."

Norbert Zonker
(KNA)

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