Christi Himmelfahrt
Christi Himmelfahrt
Reiterprozession zu Christi Himmelfahrt durch Gymnich (Erftstadt)
Reiterprozession zu Christi Himmelfahrt durch Gymnich (Erftstadt)
Vatertagswanderung  mit Bollerwagen
Vatertagswanderung mit Bollerwagen

25.05.2017

Frühsommerliches Brauchtum und Gottesdienste zu Himmelfahrt Farbenfrohe Prozessionen - und Trinkgelage

Christi Himmelfahrt verbinden viele mit den feuchtfröhlichen Ausflügen am "Vatertag". Dabei steckt viel mehr dahinter. Das Ereignis hat laut Bibel die Beziehung Gottes zu den Menschen grundlegend verändert.

Aus Sicht der Arbeitnehmer ist es immer wieder eine wunderbare Zeit: Christi Himmelfahrt ( in diesem Jahr am 25. Mai), Pfingsten (4./5. Juni) und - in vielen katholisch geprägten Bundesländern - auch Fronleichnam (15. Juni) verheißen frühsommerliche Feiertage, verlängerte Wochenenden und Kurzurlaube.

Die christlichen Ursprünge und Inhalte sind dabei vielfach in Vergessenheit geraten. Christi Himmelfahrt entstand aus der Schilderung im Neuen Testament, nach der Jesus nach seiner Auferstehung weitere 40 Tage bei seinen Jüngern weilte und dann in den Himmel auffuhr. Das seit dem 4. Jahrhundert bezeugte Fest Christi Himmelfahrt findet deshalb immer am 40. Tag nach Ostern statt und ist deshalb ein bewegliches Fest.

Bollerwagen und Bierfass

Für viele Menschen reduziert sich der Feiertag allerdings auf seine Rolle als Vatertag. Und weil viele Väter mit Bollerwagen, Rad und Bierfass losziehen, wird vielerorts ordentlich getrunken. Glaubt man Statistikern, nimmt Christi Himmelfahrt immer wieder eine Spitzenposition wegen Unfällen mit Alkoholeinfluss ein.

Dabei gibt es durchaus Hinweise darauf, dass das Treiben am Vatertag aus dem Himmelfahrtsbrauchtum entstanden ist. Schon seit dem 17. Jahrhundert klagten kirchliche Chroniken, dass Himmelfahrtsprozessionen ihren religiösen Sinn verloren hätten und in Trinkgelagen geendet seien.

Gegenstück zum Muttertag

Daraus entwickelten sich seit dem 19. Jahrhundert in manchen Großstädten sogenannte "Schinkentouren": Fuhrunternehmer organisierten Ausflugsfahrten aufs Land. In den 1930er Jahren propagierten holländische Zigarrenfabrikanten und Metzger dann den Vatertag als Gegenstück zum etablierten Muttertag.

Die Kirchen versuchen weiterhin, dagegenzuhalten. Christi Himmelfahrt wird traditionell mit Gottesdiensten in Pfarrgärten, in Gärten, im Wald oder auf Bergen gefeiert. Dazu gibt es auch farbenfrohe Prozessionen durch Straßen, Felder und Weinberge.

Blutritt am Blutfreitag

In Telgte bei Münster etwa findet am Donnerstag zum 30. Mal eine Kutschenwallfahrt statt. Zur Pilgermesse wird auch Münsters katholischer Bischof Felix Genn erwartet. Jeweils rund 100 Pferdegespanne beteiligen sich: Die prächtig geschmückten Landauer, Wagonetten, Gigs, Federwagen und Jagdwagen versetzen jedes Jahr tausende Schaulustige ins Staunen.

Überregional bekannt ist auch der Gymnicher Ritt, eine Reiterprozession mit 200 Reitern und 600 bis 800 Fußpilgern, die um die Grenzen des zwischen Köln und Bonn gelegenen Ortes geht. Der Brauch geht angeblich auf die Zeit der Kreuzzüge zurück. Als größte Reiterprozession Europas gilt der Blutritt im oberschwäbischen Weingarten, der am Freitag nach Christi Himmelfahrt, dem sogenannten Blutfreitag, stattfindet. Anlass dafür ist die Blutreliquie, die seit Jahrhunderten in der Basilika in Weingarten aufbewahrt wird. Sie soll einige mit Erde vermischte Tropfen vom Blut Jesu enthalten. Jährlich beteiligen sich rund zwei- bis dreitausend Reiter in Frack und Zylinder.

Eintritt in die Natur Jesu

Theologen sprechen von der Himmelfahrt Christi als dem "endgültigen Eintritt der menschlichen Natur Jesu in die göttliche Herrlichkeit". Dies wird im biblischen Sprachgebrauch durch die Rede von der Wolke und vom Himmel ausgedrückt. Was zunächst abstrakt klingt, wird seit dem Mittelalter n einigen Regionen Süddeutschlands und Österreichs bis heute ganz realistisch dargestellt. Während der Festgottesdienste wird die Christusfigur ins Kirchendach hinaufgezogen.

"In manchen Köpfen geistert noch immer die Vorstellung von der Himmelfahrt als physikalischem Vorgang herum", so der Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke. Nach dem Motto: "Jesus steigt einige Kilometer weit auf in die Lüfte, bis er hinter dem Wolkenvorhang verschwindet". Dabei sind schon die Jünger in der Apostelgeschichte eines Besseren belehrt worden. "Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?".

Mit der Himmelfahrt verbunden ist das Versprechen Jesu, seinen Anhängern seinen Heiligen Geist zu senden. Zehn Tage nach Himmelfahrt feiern die Christen deshalb das Pfingstfest.

Christoph Arens
(KNA)

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