Ein Schützenhut
Ein Schützenhut

24.08.2021

Schützenbruderschaften wehren sich gegen die AfD "Wir lassen uns nicht vereinnahmen"

Wer Mitglied der AfD ist, kann kein Schütze sein, sagt Emil Vogt, Bundesschützenmeister vom Bund der historischen Deutschen Schützenbruderschaften. Im Interview macht er deutlich, warum das aus seiner Sicht ein "No Go" ist.

DOMRADIO.DE: Nachdem die AfD auf Plakate Schützenhüte auf einer Schützenfahne mit dem Leitmotiv "Für Glaube, Sitte und Heimat" vom Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, kurz BDHS, setzte und darüber schrieb: "Am 26. September AfD wählen. Weil bei uns nur der Schützenhut grün ist.", zögerte der Bund nicht lang. Die Folge ist ein AfD-Unvereinbarkeitsbeschluss. Wie haben Sie persönlich reagiert, als Sie die Plakate der AfD gesehen haben?

Emil Vogt (Bundesschützenmeister vom Bund der historischen Deutschen Schützenbruderschaften / BDHS): Ich war fassungslos und erschüttert, zumal wir ja im vergangenen Jahr schon einmal deutlich gemacht haben, dass wir uns von der AfD nicht vereinnahmen lassen wollen, sondern dass dieses Plakat im Endeffekt ein Einverständnis mit den Positionen der AfD deutlich macht, von denen wir uns natürlich sehr deutlich distanzieren.

DOMRADIO.DE: Dem BDHS gehören 1.300 katholische Schützenvereine an, das christliche Menschenbild steht im Zentrum. Inwiefern fühlen Sie sich durch das Verhalten der AfD in ihren Werten angegriffen?

Vogt: Sehr, denn christliche Sitte und Kultur prägen die Arbeit des Bundes. Ein Wesensmerkmal ist das soziale Engagement als Ausdruck christlicher Nächstenliebe. Und dann sind wir auch beim entscheidenden Punkt: Die grundlegenden christlichen Werte, allen voran die Nächstenliebe ohne Ansehen der Person, der Herkunft, des Geschlechts, des Glaubens, der sexuellen Orientierung oder der Hautfarbe bilden das Fundament des Einsatzes der Schützen. Nicht eine Ideologie des Nationalen und der Ausgrenzung Andersartiger.

DOMRADIO.DE: Um sich jetzt vor der AfD zu schützen, haben Sie einen Unvereinbarkeitsbeschluss aufgesetzt. Wie reagieren Ihre Mitglieder?

Vogt: Wir haben ein Positionspapier an die Bruderschaften aufgesetzt, als Grundlage für Gespräche und Diskussionen in unseren Bruderschaften. Die Argumente stehen im Vordergrund, nicht die Sanktionen. Es geht mir darum, die Sprachlosigkeit, die teilweise herrscht, in der Bekämpfung von rechten Positionen ein Stück aufzulösen.

DOMRADIO.DE: Schon im vergangenen Jahr hatte die Partei den Bruderschaften Spenden angeboten. Denken Sie, dass die AfD mit einer aggressiveren Haltung versucht, in bestehende Gruppen oder Vereine einzugreifen?

Vogt: Ja. Nach der programmatischen Grundlage der AfD zielt sie insbesondere auf Brauchtumsvereine ab, weil sie da die größte Chance sieht, Fuß zu fassen. Zu den Brauchtumsvereinen gehören natürlich auch die kirchlichen Schützenbruderschaften. Von daher versuchen wir natürlich, das entschieden abzuwehren.

DOMRADIO.DE: Früher hieß das Motto des BDHS "Glaube Liebe Heimat", heute "Glaube Sitte Heimat". Für manche klingt das ziemlich völkisch.

Vogt: Ich lasse diese Vergleiche so nicht zu. "Glaube Liebe Heimat" war mal eine Zeitlang in Gebrauch, den wir aber als Bund der historischen deutschen Schützenbruderschaften nie als unser Leitmotiv haben stehen lassen. Vielmehr haben wir  "Glaube Sitte Heimat" genutzt. Die Bezüge auf das Christentum, gerade in Bezug auf Sitte, sind natürlich wichtig und gleichzeitig programmatische und die Identität stützende Bezüge zum Christentum, die auf das christliche Menschenbild und besonders auf christliche Werte abzielen. Der Begriff Sitte wird oft missbraucht. Aber man muss das deutlich herausstellen. Und deutlich herausstellen kann man das nur, wenn man darüber spricht.

Das Interview führte Tobias Fricke

(DR)

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