Ausschreitungen im Kapitol in Washington, USA
Ausschreitungen im Kapitol in Washington, USA
Erzbischof Ludwig Schick
Erzbischof Ludwig Schick

07.01.2021

Erzbischof Schick zeigt sich entsetzt über Vorkommnisse in USA "Es muss alles getan werden, dass Frieden einkehrt"

Der Ansturm gewaltbereiter Trump-Anhänger auf das US-amerikanische Parlament hat weltweit Entsetzen ausgelöst. Erzbischof Ludwig Schick über diesen Angriff auf die Institution und die Rolle evangelikaler Christen.

DOMRADIO.DE: Wie haben Sie gefühlt, als Sie die Bilder aus Washington gesehen haben?

Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Erzbischof von Bamberg und Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz): Ich war schon sehr entsetzt, weil ich mir nicht vorstellen konnte bis gestern, dass so etwas in Amerika im Kapitol möglich ist. Natürlich gibt es solche Angriffe auch auf andere Parlamente, auch in Deutschland auf den Reichstag. Es gibt Szenen, die ähnlich sind in Italien, et cetera. Aber es ist schockierend gewesen und es erschüttert mich auch jetzt noch.

DOMRADIO.DE: Inwieweit haben Sie sich mit internationalen Kollegen über diese Vorkommnisse ausgetauscht?

Schick: Ich habe gestern Abend mit vielen gesprochen. Das Entsetzen ist überall da. Man konnte es sich nicht vorstellen, dass so etwas im Kapitol in Amerika geschieht - Ort der Freiheit, Ort der Demokratie. Und dann dieser Angriff auf die Institution, die eigentlich die Demokratie verwirklicht.

DOMRADIO.DE: Jetzt sind ja unter den Anhängern von Donald Trump viele konservative Christen. Denken Sie, dass diese Sachen, die jetzt passiert sind und die ja von Herrn Trump angeheizt worden sind, vielleicht manchen von diesen Christen doch noch abschrecken könnte?

Schick: Ja, ich hoffe es. Ich hoffe, dass eine Besinnlichkeit, Nachdenklichkeit in Amerika und auch woanders jetzt einzieht. Dass man darüber nachdenkt, was denn wirklich eine Demokratie erfordert. Demokratie hat auch immer etwas mit Christentum zu tun, das Toleranz, Solidarität fordert, gegenseitiges Wohlwollen, Verständnis, Friedensaktionen. All das muss jetzt besprochen werden.

Und es muss Versöhnung geschehen, dass wieder Einheit in Amerika vorangeht. Aber das wird Zeit brauchen. Die Gesellschaft ist sehr gespalten, was man jetzt sehen kann. Ich meine, das Christentum mit seiner Botschaft der Versöhnung und des Friedens, das muss jetzt in Amerika auch mehr die Gesellschaft wieder prägen.

DOMRADIO.DE: Wie soll denn das konkret geschehen, was müssen Christen jetzt wirklich tun?

Schick: Versöhnungsprozesse erfordern eigentlich immer, dass man erst einmal analysiert: Was ist denn da? Was geschieht da? Wo sind die Wurzeln? Also erst mal richtig hinsehen, dann auch urteilen und dann handeln. Ich meine, es wäre wichtig, dass man die Wahrheit auf den Tisch bringt, sich darüber austauscht, dann auch darüber nachdenkt und beurteilt was jetzt geschehen ist und wie man miteinander weitergehen kann.

Und dann müssen natürlich auch die einzelnen Institutionen für den Friedensprozess ihre Aufgaben erfüllen. Das sind die Schulen, das sind auch die Gesetzgeber, das sind auch die Institutionen wie Polizei, die Ordnungskräfte. Es gibt Differenzen und Spaltung zwischen Weiß und Schwarz in den Vereinigten Staaten, zwischen Arm und Reich, zwischen den Einwanderern aus Lateinamerika und den Einwanderern aus anderen Staaten. Das ist multikulturell, multinational. Aber es ist möglich.

Es muss alles getan werden, dass Frieden einkehrt. Und natürlich sind die Politiker in einer besonderen Verantwortung. Was Trump befeuert hat und andere mit ihm, das muss auch beredet und eventuell auch juristisch geahndet werden.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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