Nestlé-Firmensitz
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Rebekka Biesenbach und Bischof Stefan Oster: Gemeinsamer Lauf über eine selbstgebaute Brücke
Rebekka Biesenbach und Bischof Stefan Oster: Gemeinsamer Lauf über eine selbstgebaute Brücke

14.09.2020

Warum die katholische Jugend nichts von Nestlé kauft Boykott statt Sensibilisierung

Kinderarbeit, Wassermangel, Brandrodung, Verpackungsmüll: Es gibt viele Gründe, fair zu kaufen. Die Katholische junge Gemeinde geht einen Schritt weiter und boykottiert den größten Lebensmittelkonzern in Europa.

DOMRADIO.DE: Was kommt bei Ihnen auf gar keinen Fall in den Einkaufswagen?

Rebekka Biesenbach (Bundesleiterin der Katholischen jungen Gemeinde, KjG): Seitdem wir beschlossen haben, als KjG die Nestlé zu boykottieren, sind vor es allen Dingen diese Produkte, auf die wir besonders achten. Natürlich gibt es auch andere Konzerne, die ähnliche Unternehmensstrukturen und Unternehmenskulturen haben. In erster Linie sind es aktuell aber Nestlé-Produkte, die bei mir nicht im Einkaufswagen landen. Das ist vielseitig, weil es sich von Lebensmitteln über Kosmetik, über Tierprodukte, über Getränke zieht.

DOMRADIO.DE: Warum genau boykottieren Sie diese Firma Nestlé?

Biesenbach: Das liegt daran, dass wir wahrnehmen, wie das Unternehmen seine ethischen, moralischen Grundsätze wahrnimmt und auf welche Dinge es in der Produktion achtet oder nicht achtet. Das ist vielseitig. Es fängt an beim Umweltschutz: Da nehmen wir wahr, dass Brandrodung für bestimmte Produkte, Palmöl zum Beispiel, in der Unternehmenskultur selbstverständlich ist.

Als Jugendverband aber achten wir auch auf die Achtung von Kinderrechten. Es gibt immer noch Produkte, in denen Kinderarbeit eine große Rolle spielt, vor allen Dingen der Kakao. Insgesamt auch die Menschenrechte und die Arbeitnehmerinnenrechte, weil die einen Einfluss darauf haben, wie Kinder in anderen Ländern der Welt aufwachsen können und ob ihnen Bildung, Ernährung, sichere Unterkunft und so etwas zur Verfügung stehen oder nicht.

Ein großes Thema ist das Wasser, das in vielen Ländern durch den Konzern abgepumpt, in Flaschen gefüllt und dann der Bevölkerung wieder verkauft wird. Der Konzern erschwert dadurch den grundsätzlichen Zugang zu sauberem Trinkwasser und macht ihn zum Teil für die Bevölkerung unleistbar.

DOMRADIO.DE: Müssen da nicht auch höhere Instanzen bei so einem Boykott mitziehen, um da wirklich etwas verändern zu können?

Biesenbach: Ich glaube schon. Aber ich glaube, dass es ein Zusammenspiel ist. Deswegen haben wir uns am Ende auch für den Boykott entschieden und nicht nur für eine Sensibilisierung im Thema. Das machen wir seit Jahren. Wir sagen jetzt: Wir boykottieren sehr bewusst einen Konzern, und zwar den in Europa größten Lebensmittelkonzern Nestlé. Das trifft sich mit dem Verzicht auf Plastik ganz gut, weil es da eine große Überschneidung gibt bei den Produkten. Wenn man Plastik reduzieren will, fallen viele Nestlé-Produkte damit raus.

DOMRADIO.DE: Sie haben zu diesem Thema auch eine richtige Challenge, einen Wettbewerb, gestartet. Was machen Sie genau?

Biesenbach: Wir haben einen Wettbewerb aufgerufen unter unseren Ortsgruppen, um sie weiter für das Thema zu sensibilisieren. Wir haben dieses Jahr zur Fastenzeit angefangen, die Problemlagen, die wir bei dem Konzern sehen, an unsere Mitglieder heranzutragen. Im Sommer haben wir jetzt zu Aktionen im Rahmen der Ferien aufgerufen und Ideen gegeben, was man denn so machen kann, um fairer zu konsumieren und vielleicht auch mit einem sehr kritischen Blick auf seinen Einkaufswagen zu schauen.

Wir wollen das Ganze jetzt - gekoppelt mit der fairen Woche - mit einem Wettbewerb noch einmal an die Ortsgruppen herantragen. Wir rufen dazu auf, Aktionen zu machen, die sich mit fairem Handel und kritischem Konsum beschäftigen, die das eigene Einkaufsverhalten hinterfragen und auch noch einmal drauf gucken, was Machenschaften sind, die wir in der Produktionskette nicht wollen.

Da hoffen wir, dass sich viele beteiligen, eigene Aktionen machen und uns da vertaggen. Es soll vor allen Dingen über Social Media geteilt werden, was die Gruppen so machen. Zu gewinnen gibt es Gutscheine für die GEPA (Importeur fair gehandelter Lebensmittel, d. Red.), wo man faire Alternativen für die Gruppenstunden oder Aktionen im Nachgang einkaufen kann.

Das Interview führte Verena Tröster. 

(DR)

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