Hiroshima nach dem Atombombenabwurf 1945
Hiroshima nach dem Atombombenabwurf 1945

06.08.2020

Kirchen fordern nuklearwaffenfreie Welt Gegen das Inferno

Anlässlich des Jahrestags der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki rufen beide Kirchen Politiker auf, sich für eine atomwaffenfreie Welt einzusetzen. Dazu zähle der Atomwaffenverbotsvertrag, den auch Deutschland unterzeichnen solle.

 Zum 75. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki rufen Vertreter der beiden großen Kirchen Politiker zum Einsatz für eine nuklearwaffenfreie Welt auf. "Hierzu bedarf es der (Wieder-)Aufnahme vertrauensvoller Dialoge und des politischen Willens zur Veränderung", fordern der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax, der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer, und der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, in einer gemeinsamen Erklärung.

Atomwaffenverbotsvertrag

Am 6. und 9. August 1945 hatten die USA über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki Atombomben abgeworfen. Nach Schätzungen starben mehr als 250.000 Menschen sofort oder teils Jahre später an Verbrennungen und Strahlenschäden. "Ein erstes und eindrückliches Zeichen sollte die Annahme und Ratifizierung des Atomwaffenverbotsvertrags der UN - auch durch Deutschland - sein", heißt es.

Mahnung vor dem vergangenen Inferno

Wilmer und Brahms erinnern an die zivilen Opfer der ersten Atombombenabwürfe, die das Inferno erlitten hätten: "Der Blick in die Vergangenheit ist uns Mahnung für die Gegenwart und Zukunft." Dies gelte gerade in einer Zeit, in der eine "fatale Deregulierung internationaler Nuklearwaffenabkommen und Rüstungspolitik" zu erleben sei. In einer globalen Krise der internationalen Beziehungen wachse die Gefahr atomarer Gewalteskalation.

Modernisierung der nuklearen Massenvernichtungswaffen

"Genährt wird diese Sorge durch das Bestreben, vorhandene nukleare Waffensysteme zu modernisieren, um ihre Einsatzfähigkeit zu erhalten oder an veränderte Bedrohungsszenarien anzupassen", heißt es in der Erklärung. Auch neue Gefährdungslagen wie Cyberwar, Terrorismus und Handelskriege stellten die strategische Bedeutung dieser nuklearen Waffensysteme fundamental infrage, so Wilmer und Brahms.

Ethisch nicht vertretbar

Beide erinnern daran, dass für die katholische und die evangelische Kirche immer klar gewesen sei, dass der Einsatz nuklearer Massenvernichtungswaffen ethisch nicht zu rechtfertigen sei. In jüngerer Zeit hätten sich in beiden Kirchen die Stimmen gemehrt, dass der Einsatz von Atomwaffen und die nukleare Abschreckungsstrategie als "Mittel der politischen Interessensdurchsetzung" unverantwortlich seien. Unter Verweis auf jüngste Äußerungen von Papst Franziskus und auf die EKD-Friedensdenkschrift von 2007 fordern Wilmer und Brahms, dass das politische Ziel "Global Zero" sein müsse: eine Welt ohne Atomwaffen.

(KNA)

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