Philipp Amthor
Philipp Amthor
Podcast: Himmelklar - Fürchtet Euch nicht
Podcast: Himmelklar - Fürchtet Euch nicht

09.04.2020

Philipp Amthor über ein Osterfest mit sozialer Distanz "Vom emotionalen Zugang nicht vergleichbar"

Online-Gottesdienste ersetzen keine Messen in der Kirche. Aber die Bemühungen der Bistümer seien gut, findet Philipp Amthor. Es ist sein erstes Osterfest als getaufter Katholik. Im Interview erzählt er, was die Osterbotschaft für ihn bedeutet.

DOMRADIO.DE: Worüber denkst Du gerade im Moment nach, was nicht mit Corona zu tun hat?

Philipp Amthor (CDU-Abgeordneter des Deutschen Bundestages): Naja, das allermeiste verbindet sich momentan mit Corona oder zumindest mit den mittelbaren Folgen. Mich beschäftigt vor allem die Lage in meinem Wahlkreis. Was heißt es für die Unternehmen und die Menschen? Die Osterzeit und das Reflektieren über das C in unserem Parteinamen spielt natürlich auch eine große Rolle. Deswegen ist es wichtig in diesen schweren Zeiten nach Hoffnung zu suchen und da kann sicherlich der Glaube helfen.

DOMRADIO.DE: Wie sieht denn Dein Alltag im Moment aus? Du bist in Berlin und im Home-Office.

Amthor: Wenn ich hier in Berlin bin, bewege ich mich zwischen meinem Bundestagsbüro und meiner Wohnung hin und her. Das kann ich zu Fuß erreichen. Es ist aber ein Alltag, in dem Körperkontakt und zwischenmenschlicher Kontakt sehr reduziert sind. Die Arbeit hier findet natürlich trotzdem statt, vermehrt mit Telefon- und Videokonferenzen sowie E-Mails. Ich verbringe mehr Zeit am Schreibtisch als sonst. In meinem Wahlkreis bin ich gelegentlich auch unterwegs in diesen Tagen.

DOMRADIO.DE: Das sagen viele Menschen, mit denen ich jetzt spreche. Die Arbeit wird nicht weniger, sondern eher mehr, weil man nun neue Wege finden muss.

Amthor: So ist es, aber das ist meiner Meinung nach auch wichtig. Als Staat haben wir in Zeiten der Krise eine besondere Verantwortung. Wir können ja jetzt nicht die Arbeit einstellen. Wir müssen gerade jetzt mehr Engagement zeigen, weil die Menschen das von uns erwarten.

DOMRADIO.DE: Jetzt hast Du von dem Corona-Paket gesprochen, dass ihr im Bundestag am Freitag vor einer Woche beschlossen habt. Das ist ja ein wirklich historischer Moment gewesen. Noch nie gab es ein Unterstützungspaket in der Höhe. Wurde das alles von heute auf morgen besprochen und warst Du selbst bei der Abstimmung dabei?

Amthor: Ja, ich war dabei. Es war am Mittwoch vor vergangener Woche. Am Freitag war es dann schon im Bundesrat und das war ein sehr intensives Verfahren. Am 25. März haben im Bundestag alle drei Lesungen an einem Tag stattgefunden und am 27. März ging es dann in den Bundesrat. Das war ein absoluter Ausnahmefall. Das sind Fragen der Staatsorganisation, sowohl der Eingriff in die Grund- und Freiheitsrechte, die wir gerade vornehmen. Diese Eingriffe in die Versammlungsfreiheit und Freizügigkeit im Bundesgebiet sind verfassungsrechtlich die absolute Ausnahme. Deshalb müssen wir daran arbeiten, die Lage schnellstmöglich zu normalisieren, soweit es die epidemische Lage zulässt.

DOMRADIO.DE: Ich stelle es mir schwierig vor sich in diesem ganzen Prozess bewusst zu machen, was das für Folgen haben wird. Ich denke mir, dass die Krise noch Konsequenzen haben wird, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Da lastet auf Euch nochmal eine ganz andere Verantwortung als Entscheidungsträger. Hat man da die Angst, dass wir uns in etwas hereinmanövrieren, das vielleicht falsch ist?

Amthor: In Zeiten der Krise muss man sagen, dass es ein Stück weit entscheiden in Ungewissheit ist. Entscheiden in Ungewissheit ist ein Modus, den man in der Politik nicht mag, den man manchmal aber nicht vermeiden kann. In der jetzigen Situation wäre es aber die schlechtere Alternative abzuwarten und nichts zu tun. Man muss beherzt handeln, aber immer mit Abwägung. Die Konsequenzen und Auswirkungen können weder wir noch die Virologen am Ende absehen. Das ist auch ein Wesensmerkmal der Krise.

DOMRADIO.DE: Nimm uns mal mit in den Bundestag, in den Plenarsaal. Die Bilder die man im Fernsehen sieht sind, dass ihr mit großem Sicherheitsabstand über mehrere Reihen verteilt dort sitzt. Welche Maßnahmen gibt es noch, die Euch sichern sollen?

Amthor: An allen Eingängen befinden sich jetzt Desinfektionsmittelspender. Das ist auch gut und sinnvoll. Wir haben auch die Abstände reduziert. Die Plenarsitzungen, wo die Abgeordneten zum Abstimmen zusammenkommen, haben wir auf das Notwendige reduziert. Deshalb haben wir auch alles am 25. März gemacht, um das Corona-Paket auf den Weg zu bringen. Es wird versucht die Ausschuss-Arbeit mehr ins Digitale zu verlagern. Das ist auch gut und sinnvoll so. Wir möchten natürlich nicht, dass der Bundestag weiterhin zu einem Infektionshort wird und das Virus dann weiter in die Republik verteilt wird. Das wollen wir natürlich vermeiden.

DOMRADIO.DE: Aber trotzdem müsst ihr als demokratisches Organ ja weiter arbeitsfähig bleiben. Das stelle ich mir total schwierig vor, wenn ihr nicht alle in der Plenarsitzung zusammenkommen könnt.

Amthor: Dafür muss man sehen, dass das nicht der Hauptort des Arbeitens ist. Wenn die Plenardebatten übertragen werden sieht man ja auf den Bildern, dass nicht immer alle Abgeordnete anwesend sind. Das bedeutet aber nicht, dass sie faulenzen würden. Die eigentliche Sacharbeit findet in den Ausschüssen und in der Vorbereitung mit den Ministerien statt. Dort finden die Diskussionen über die Gesetzentwürfe statt. Das Plenum ist der Moment des öffentlichen Nachvollziehens der Debatte. Das ist auch ganz wichtig.

Dort, wo politische Freiheits- und Teilhaberechte wie zum Beispiel das Demonstrationsrecht eingeschränkt sind, dort sind wir umso mehr in der Notwendigkeit unsere politischen Entscheidungen zu erklären. Deswegen nutzen wir dafür die Sozialen Netzwerke und die Medien insgesamt. Das ist ganz wichtig und das müssen wir beherzigen.

DOMRADIO.DE: Ich möchte aber mit Dir auch Richtung Ostern schauen. Nicht nur auf das Osterfest, sondern grundsätzlich auf das Thema Gottesdienste. Du bist seit Dezember letzten Jahres katholisch. Das wäre ja jetzt Deine erste richtige Osternacht mit Gemeinde etc.. Das spielt eine große Rolle für jemanden, der frisch getauft ist. Wie planst Du Deine Ostertage?

Amthor: Ich habe das Osterfest mit der Messe schon letztes Jahr sehr intensiv erleben können, aber natürlich damals ohne Kommunion. Das war mir auch sehr wichtig. Die heilige Messe hat für mich eine besondere Bedeutung, vor allem im Zugang zum Glauben. Deswegen fällt es mir schon schwer in den letzten Wochen auf den Onlinegottesdienst verwiesen zu sein. Man muss aber schon sagen, dass man versucht, den Onlinegottesdienst als gute Alternative auszugestalten.

An Palmsonntag hat Erzbischof Koch aus dem Erzbistum Berlin das versucht mit einem guten Onlinegottesdienst zu ersetzen. Vom emotionalen Zugang her ist es für mich persönlich nicht vergleichbar mit der heiligen Messe, aber es ist eine Möglichkeit das zu substituieren. Ich finde diese Bemühungen des Erzbistums um eine Alternative gut.

DOMRADIO.DE: Stellst Du Dir eine Kerze auf vor dem Fernseher oder sitzt Du vor dem Laptop oder wie kann ich mir das vorstellen?

Amthor: Am Sonntag habe ich es tatsächlich auf den Fernseher gestreamt und es dann verfolgt.

DOMRADIO.DE: Was für Momente bringen Dir in der aktuellen Situation Hoffnung?

Amthor: Hoffnung gibt mir vor allem das Erleben, wie die Menschen diese schwere Situation meistern. Da sind Menschen, die wirklich harte Einschnitte erleben, gestandene Unternehmer, die unter Tränen ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen, Menschen in Kurzarbeit, die sich fragen, wie es jetzt weitergeht, Menschen im Krankenhaus, die Abläufe managen und nicht an sich selbst denken, sondern alles dafür tun, dass alles funktionstüchtig bleibt. Das gibt mir Hoffnung und Zuversicht.

Durch die soziale Distanz entdecken wir doch gerade jetzt das Gemeinschaftsgefühl und den Gemeinschaftssinn. Die Erkenntnis, sich über sich selbst hinaus einzubringen in Form von bürgerlichem Engagement, wo jemand für den anderen einkaufen geht. Die Osterbotschaft kann uns nicht nur an Ostern, sondern auch in der Corona-Krise Anlass für Hoffnung sein.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.    

(DR)

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