Spitzenkandidaten Katharina Fegebank (Die Grünen) und Peter Tschentscher (SPD)
Spitzenkandidaten Katharina Fegebank (Die Grünen) und Peter Tschentscher (SPD)

24.02.2020

Katholisches Büro in Hamburg zur Bürgerschaftswahl "Eine SPD in Hamburg ist vom Christlichen nicht weiter weg als eine CDU"

Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg wird die SPD laut vorläufigem Ergebnis stärkste Kraft, die Grünen können Ihr Ergebnis verdoppeln. Auch die AfD schafft voraussichtlich den Wiedereinzug. Wie ist die Wahl aus katholischer Sicht zu bewerten?

DOMRADIO.DE: Wie war bei Ihnen die Stimmungslage gestern? Gab es eher ein Lächeln oder eher ein Stirnrunzeln?

Stephan Dreyer (Leiter des katholischen Büros Hamburg): Eher ein Lächeln. Ich kann für unsere politische Arbeit in Hamburg so sagen. Wir sind in den letzten fünf Jahren sehr gut gefahren mit dem Bürgermeister und seinem Senat. Wir haben gut zusammengearbeitet und sind uns in vielen Fragen auch sehr nahe, was die Themen in der Stadt angeht und insbesondere die Herangehensweise. Das beruhigt uns sehr, dass es so gekommen ist und darauf können wir aufbauen.

DOMRADIO.DE: Jetzt sieht das Wahlergebnis ja ein bisschen nach verkehrte Welt aus, wenn man sich nicht in Hamburg auskennt. Sie haben die SPD als deutlichen Wahlsieger. Die AfD ist fast rausgeflogen. Auch die CDU hat ein Rekordtief erreicht. Erklären Sie es uns mal für Außenstehende, warum läuft es bei Ihnen so anders als im Rest des Landes?

Dreyer: Sie haben vielleicht wahrgenommen, dass die Hamburger SPD ganz stark auf Hamburger Themen gesetzt hat und natürlich auch gesehen hat, dass der Bundestrend für die SPD im Moment keinen Rückenwind bedeuten würde. Das ist ja auch kein Geheimnis, dass die Hamburger SPD sich als Bundesvorsitzenden ihren ehemaligen Ersten Bürgermeister Olaf Scholz gewünscht hätte.

Das heißt, man sieht schon, die Hamburger SPD ist eine andere SPD als in vielen anderen Ländern auch. Sie ist immer schon eine Partei der Mitte gewesen in Hamburg, sehr wirtschaftsfreundlich, und das hat ihre lange Zeit der Regierungsverantwortung immer begründet.

DOMRADIO.DE: Es ist knapp, aber sieht tatsächlich so aus, als ob die AfD in Hamburg jetzt tatsächlich doch wieder in die Bürgerschaft schafft. Ich fand den beeindruckendsten Moment gestern, als die ersten Zahlen von der AfD rausgekommen sind und dann bei den Wahlpartys überall großer Jubel war, als es hieß, die AfD könnte unter fünf Prozent landen. Nun ist die Bürgerschaft insofern ein historisches Parlament, da die AfD in Hamburg als allererstes vertreten war und jetzt knapp als erstes wieder rausgeflogen wäre. Wie erklären Sie sich, dass die Bürger bei Ihnen in der Hansestadt, denen jetzt die rote Karte zeigen wollten?

Dreyer: Naja, die AfD in Hamburg war immer sehr schwach. Nicht nur inhaltlich schwach, sondern auch von den Zustimmungswerten her hatte sie einen der schwächsten Werte in der gesamten Republik – auch wenn sie als erste in Hamburg eingezogen sind. Das hängt immer sehr stark davon ab, wie gerade die Regierungsverantwortung ist. In Hamburg wurde eine Parallele gezogen zu 2001. Da gab es schon mal eine rechtspopulistische Partei in der Hamburgischen Bürgerschaft, die auf Anhieb fast 20 Prozent errungen hat. Das war eine Zeit, dass die Menschen sich nicht gut regiert fühlten, als sie einfach eine Unsicherheit spürten und sagten die Regierung kriegt die Kriminalität und die öffentliche Ordnung nicht in Griff.

Diese Stimmung gibt es überhaupt nicht in Hamburg im Moment und deswegen ist es für die AfD extrem schwer. Es gibt eine ganz, ganz klare Geschlossenheit aller anderen Parteien gegenüber der AfD in Hamburg. Das war für mich auch überraschend, dass der Jubel über die eigenen Zahlen bei den Wahlpartys manchmal geringer war als der Jubel darüber, dass die AfD unter fünf Prozent rutschen könnte.

DOMRADIO.DE: Jetzt sitzen sie im katholischen Büro, an der Schnittstelle von katholischer Kirche und Politik in Hamburg. Die Katholiken sind bei ihnen in der Diaspora in der Minderzahl. Wenn man sich das Wahlergebnis anguckt, sind ja die Parteien, die konservative christliche Werte vertreten, eher abgestraft wurden. CDU hat große Verluste erlitten – bei der konservativen FDP sieht es ähnlich aus – muss um den Einzug in die Bürgerschaft kämpfen. Betrachten Sie das auch so ein bisschen als Absage an christlich konservative Werte?

Dreyer: Zunächst einmal bin ich skeptisch, ob man für die Katholiken in Hamburg von Diaspora sprechen kann. Das unterstellt ja, dass es eine Mehrheit gäbe, so wie sie das vielleicht in Köln noch erleben oder vor kurzem noch erlebt haben, dagegen gäbe es eine katholische Minderheit. In Wirklichkeit gibt es in Hamburg gar keine Mehrheiten mehr, sondern nur noch Minderheiten. Die Katholiken sind eine sehr geschlossene, zweitgrößte religiöse oder weltanschauliche Minderheit, nur die Lutheraner sind ein bisschen größer. Das heißt, diese Konfessionalisierung gibt es in dieser Stadt schon lange nicht mehr. Es ist sehr plural.

Gerade eine SPD in Hamburg ist vom Christlichen, sozusagen vom christlichen Menschenbild, überhaupt nicht weiter weg als eine CDU. Das bildet sich nicht ab. Nur ein kleines Beispiel: Die Landesvorsitzende der Hamburger SPD ist eine aktive Katholikin und ist dort verortet. Viele andere auch in der SPD. Wo wir wenig Anschluss haben, das ist eher der Bereich der FDP und der Linken, da sind auch etliche Katholiken engagiert, und in der AfD zwar auch. Aber das sind sozusagen alles Beispiele dafür, dass wir Katholiken sozusagen in allen gesellschaftlichen Schichten und Milieus inzwischen in Hamburg vorkommen.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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