Nah beieinander: Weltwirtschaftsforum unf Kirche
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Logo des Weltwirtschaftsforums in Davos
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Kardinal Peter Turkson
Kardinal Peter Turkson
Klaus Schwab, Gründer und Vorsitzender des Weltwirtschaftsforums
Klaus Schwab, Gründer und Vorsitzender des Weltwirtschaftsforums

22.01.2020

Pfarrer in Davos über das Weltwirtschaftsforum "Das katholische Element kommt auch zum Tragen"

In diesem Jahr findet das 50. Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz statt. Auch die katholische Kirche ist auf dem Weltwirtschaftsforum vertreten. Kurienkardinal Peter Turkson überbrachte das persönliche Grußwort des Papstes.

DOMRADIO.DE: Bei Ihnen herrscht Ausnahmezustand. Was bedeutet das Weltwirtschaftsforum (WEF) für Sie und für Ihre Gemeinde?

Dekan Kurt Benedikt Susak (Katholische Pfarrei Davos): Dieses Weltwirtschaftsforum hat Auswirkungen auf das ganze Leben. In Davos betrachtet man immer die Zeit vor dem Weltwirtschaftsforum – und danach. Dementsprechend gibt es auch ein Vor- und Nachprogramm.

Die Schule hat beispielsweise ein Sonderprogramm. Die Schüler dürfen die ganze Woche über Ski fahren, weil ja die Pisten auch relativ frei sind, denn die Gäste beziehungsweise die Touristen kommen gar nicht her. Und Einwirkung auf die katholische Gemeinde hat es dadurch, weil Papst Franziskus alljährlich auch einen Vertreter nach Davos schickt. Das ist in diesem Jahr Kardinal Peter Turkson, Kurienkardinal aus dem Vatikan.

DOMRADIO.DE: Der ist bei Ihnen sogar im Pfarrhaus untergebracht. Wie kann man sich das vorstellen? Schläft er dann auf dem Sofa, oder wie haben Sie das gemacht?

Susak: Stellen Sie sich vor, wir haben in Davos sogar Gästezimmer, und da ist er mit seinem Sekretär untergebracht. Ich habe ein bisschen die Freude und die Ehre, ihn zu begleiten, ihm das eine oder andere zu zeigen. Heute Morgen zum Beispiel haben wir um sieben Uhr ein Pontifikalamt gefeiert, mit einem wirklich ganz tollen Gottesdienstbesuch für diese frühe Uhrzeit.

DOMRADIO.DE: Was hat Kardinal Turkson denn im Gottesdienst gesagt?

Susak: Heute ist er speziell auf die Lesung eingegangen – David und Goliath. Er hat das mit der Situation der Welt verglichen. Diese große Welt kommt uns manchmal vor wie ein Goliath. Es scheint, als könne man Systeme kaum verändern. Aber mit dem Vertrauen auf Gott, mit der Liebe, auch dieser inneren Hoffnung, mit Antrieb und Zuversicht können auch wir ganz viel Großes schaffen. Auch wenn wir vielleicht meinen, wir können gar nicht viel bewirken, weil wir uns wie ein unscheinbarer David vorkommen.

DOMRADIO.DE: Papst Franziskus schickt jedes Jahr eine Grußnote. In diesem Jahr ist es sogar so, dass ihn die Veranstalter gerne selber eingeladen hätten. Welche Rolle spielt das denn, dass wir auch mit unserer katholischen Stimme bei so einer Wirtschaftsveranstaltung präsent sind?

Susak: Der Gründer des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, stammt aus Ravensburg und aus dem gleichen Landkreis, aus dem ich auch komme. Er ist also auch ein Deutscher. Er ist sehr katholisch aufgewachsen und hat eine gute Einstellung gegenüber der Kirche.

Und es ist das 50. Jubiläum des Weltwirtschaftsforums. Klaus Schwab ist auch nicht mehr der Jüngste. Für ihn wäre es einfach ein absoluter Höhepunkt. Er hat gesagt, er hat alle Leute aus der ganzen Welt da gehabt, aber noch nie einen Papst. Das hätte er gerne gehabt.

Das katholische Element kommt natürlich zum Tragen, indem die Kirche ihre Vorstellungen von Ethik und Moral mit in die Diskussionen für eine gerechtere Weltwirtschaft, für die Bewahrung der Schöpfung und für viele andere Themen einbringt. Es ist sehr wichtig, dass die Kirche gerade an so einem Ort auch präsent ist. Das ist sie durch uns natürlich und vor allem durch den Kardinal, der jetzt da ist.

Es gibt zum Beispiel einen runden Tisch mit dem Vatikan. Dort kommen die Leute hin und es gibt offene Diskussionen und Überlegungen. Der Kardinal hat auch gestern bei der Eröffnung das persönliche Grußwort vom Papst verlesen.

DOMRADIO.DE: Sie sind seit zehn Jahren Pfarrer in Davos. Sie kommen eigentlich aus Deutschland. Wie ist es eigentlich in den Vorjahren gewesen? Erlebt man dann auch mal, dass Donald Trump oder Greta Thunberg bei Ihnen im Gottesdienst sitzen? Oder ist das alles relativ abseits vom Gemeindeleben?

Susak: Donald Trump und Greta kommen nicht zum Gottesdienst, aber es kommen zahlreiche Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums (WEF) täglich zu den Gottesdiensten, zu den Messen, vor allem aber am Wochenende. Das WEF ist jetzt sichtbar für uns. Aber das ist es das ganze Jahr über in Davos. Viele Leute, die beim WEF sind, haben hier vielleicht eine Ferienwohnung, wandern im Sommer oder fahren im Winter Ski. Also die sieht man schon immer wieder.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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