Papst Franziskus und Wladimir Putin
Papst Franziskus und Wladimir Putin

05.07.2019

Papst und Putin sprechen über Krisen in Ukraine und Venezuela Franziskus schenkt Putin Weltfriedensbotschaft

Während der rund einstündigen Audienz am Donnerstag waren vor allem die Krisen in Syrien, Venezuela und der Ukraine ein Thema – aber auch eine Zusammenarbeit von Vatikan und Russland. Die russissch-orthodoxe Kirche begrüßt das Treffen. 

Umweltschutz, weltweite Krisen und verstärkte Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich waren Themen des etwa einstündigen Gesprächs von Papst Franziskus und Russlands Präsident Wladimir Putin. Konkret sei es um die Lage in Syrien, Venezuela und der Ukraine gegangen, teilte der Vatikan nach dem Treffen am Donnerstag mit. Am Freitag kommt die Führung der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine zu schon länger vereinbarten zweitägigen Gesprächen in den Vatikan.

Putin war mit etwa einer Stunde Verspätung im Vatikan eingetroffen.

Internationale Konflike auf der Tagesordnung

Im Anschluss an das Treffen habe Putin Franziskus für das "sehr gehaltvolle, interessante Gespräch" gedankt, berichteten anwesende Journalisten. Es war nach 2013 und 2015 das dritte Mal, dass er zu einer Privataudienz in den Vatikan reiste. 2015 ging es unter anderem um den Ukraine-Konflikt und die Lage der Christen im Nahen Osten.

Nach der Begegnung mit dem Papst traf Putin mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und dem vatikanischen Außenbeauftragten Paul Gallagher zusammen. Der Besuch im Vatikan eröffnete seinen rund zehnstündigen Blitzbesuch in Rom, für den die Stadt und der Vatikan hohe Sicherheitsvorkehrungen getroffen hatten.

Papst Franziskus schenkte dem russischen Staatsoberhaupt einige seiner Schreiben, darunter eine Ausgabe seiner Botschaft zum Weltfriedenstag 2019. Das Kirchenoberhaupt übergab Putin zudem ein Medaillon, das an das Ende des Ersten Weltkriegs erinnert. Putin revanchierte sich mit einer Ikone der Apostel Petrus und Paulus sowie einem Buch und einem Film des russischen Regisseurs Andrei Konchalovski zu Michelangelo.

Putin trifft Vertreter der rechtsnationalen "Lega"

Im weiteren Verlauf der Visite wollte Putin mit Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella und Regierungschef Giuseppe Conte zusammentreffen. Laut Medienberichten war auch eine Teilnahme Putins an einem italienisch-russischen Dialogforum im Außenministerium vorgesehen.

Putins Besuch soll mit einem Abendessen auf Einladung Contes enden, an dem auch Italiens Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Luigi Di Maio, Innenminister Matteo Salvini und Außenminister Enzo Moavero Milanesi teilnehmen. Salvinis rechtsnationale Lega und Putins Partei "Einiges Russland" hatten Anfang 2018 ein Kooperationsabkommen geschlossen. Salvini setzt sich für eine Aufhebung internationaler Sanktionen gegen Russland ein.

Russisch-orthodoxe Kirche: "Nützliches Treffen" 

Russlands orthodoxe Kirche hat die Begegnung von Staatspräsident Wladimir Putin mit Papst Franziskus begrüßt. Aus kirchlicher Sicht sei das Treffen "bedeutsam und nützlich", schrieb ihr Sprecher Wladimir Legoida am Donnerstag laut russischen Nachrichtenagenturen im Kurznachrichtendienst Telegram. Als Grund nannte er, dass der Vatikan und Russland in einer Reihe von weltpolitischen Fragen "ähnliche Positionen" vertreten würden.

Beiden Staaten seien etwa die traditionellen Werte Ehe und Familie und der Schutz der Rechte von Christen in den Ländern wichtig, in denen sie verfolgt würden. Franziskus empfing am Donnerstag Putin nach 2013 und 2015 zum dritten Mal zu einer Privataudienz im Vatikan.

Russlandreise des Papstes bleibt unwahrscheinlich

Eine baldige Reise von Papst Franziskus nach Russland bleibt unwahrscheinlich. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte am Freitag in Moskau, Staatspräsident Wladimir Putin habe mit Franziskus bei dem Treffen am Donnerstag im Vatikan nicht über einen Russlandbesuch des katholischen Kirchenoberhaupts gesprochen.

Die russisch-orthodoxe Kirche lehnt die Reise weiterhin ab. "In unserer Kirche sind viele Bischöfe, Priester und Gläubige nicht dazu bereit, ihn zu empfangen", sagte der kirchliche Außenamtschef Metropolit Hilarion Anfang Juni. Das Moskauer Patriarchat wolle nicht, dass sich "durch solche Stimmungen" das Verhältnis zwischen beiden Kirchen verschlechtere. Stattdessen ziehe man es vor, "langsam vorzugehen, ohne plötzliche Schritte". Die Beziehungen seien auf einem "positiven" Weg.

(KNA)

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