Friedensversichernde Verträge sind nötig, um den Frieden für die Zukunft zu schaffen
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1987: Reagan und Gorbatschow unterzeichnen INF-Rüstungsvertrag
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Donald Trump (l) und Wladimir Putin (r) geben sich die Hand
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05.02.2019

Jugendverband kritisiert Ausstieg aus dem INF-Abrüstungsvertrag Ein wackeliges Gerüst namens Frieden

Nachdem die USA und Russland den INF-Abrüstungsvertrag aufgekündigt haben, wächst die Angst vor einem neuen Wettrüsten in Europa. Der Bund der katholischen Jugend fordert: Mehr Einsatz für Frieden statt erneute Aufrüstung.

DOMRADIO.DE: Welche Initiativen für friedenssichernde Verträge forden Sie denn?

Thomas Andonie (Bundesvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend): Wir sehen, dass seit den 1990er Jahren, seit dem Ende des Kalten Krieges, quasi keine ehrlichen und authentischen Friedensverhandlungen mehr geführt wurden. Da wäre es wichtig, dass sich Großmächte wie die USA und Russland - aber auch Deutschland -, die ja auch diplomatisch stark sind und mit einem Sitz im UN-Sicherheitsrat eine gewisse Möglichkeit haben, aktiv damit auseinandersetzen und intervenieren.

Man sollte die Institutionen, die verfügbar sind, stärken, um den Weltfrieden zu sichern und einer atomaren Aufrüstung oder immer wieder aufkommenden Waffensystemen etwas entgegenzusetzen. Denn eine friedliche Welt ist eine Welt, die sich nicht aufrüstet, sondern im Gegenteil auf die Waffen verzichten kann.

DOMRADIO.DE: Solche Verträge wie das INF-Abkommen sind irgendwann geschlossen worden, weil sich Politiker zusammengesetzt haben. Welches Signal sendet die Aufkündigung des Vertrags? 

Andonie: Was junge Menschen sehr bewusst wahrnehmen, ist die wachsende egoistische Einstellung von verschiedenen Staatenlenkerinnen und -lenkern. Ganz besonders bei den männlichen Potentaten, die wir zurzeit auch in Russland, den USA oder auch in der Türkei spüren, sehen wir, dass da weniger auf die Weltgemeinschaft Wert gelegt wird.

Vielmehr sehen wir, dass es eher darum geht, egoistische Einzelinteressen durchzusetzen und mit Methoden wie "America first" oder solchen Parolen das eigene nationale Interesse zu berücksichtigen - gleichzeitig wird die gesamte Weltsicherheit und Friedensmöglichkeit massiv unter Druck gesetzt.

DOMRADIO.DE: Welche Möglichkeiten haben junge Menschen, sich gegen diese Tendenzen zu wehren?

Andonie: Junge Menschen können sich vor Ort einsetzen, dass etwas passiert. Ein Beispiel ist Greta aus Stockholm, die sich sehr aktiv gegen Klima-Ungerechtigkeit einsetzt. Wir sehen, dass junge Menschen vor Ort zeigen, dass sie gegen nationalistische oder extremistische Tendenzen sind. Die 72-Stunden-Aktion etwa ist eine Möglichkeit, ein deutliches Signal zu setzen: Dafür, dass es nicht nur darum geht, sich die Interessen einer Region oder eines Landes zu eigen zu machen.

Junge Menschen können - was ja auch beim BDKJ in seinen verschiedenen Gliederungen und in den Jugendverbänden tagtäglich passiert - den aktiven Kontakt zu Verantwortlichen in Politik, Gesellschaft und Staat suchen. Sie können mit Politikerinnen und Politikern, dem Verteidigungsausschuss, mit Mitgliedern des Deutschen Bundestags oder der Bundesministerin für Verteidigung und Sicherheit entsprechend Kontakt aufnehmen und da ins Gespräch kommen.

Es geht darum, sich dafür einzusetzen, dass die Welt immer unsicherer wird und auch die Situation für Soldatinnen und Soldaten in unserem Land gefährlicher wird. Frieden aber bedeutet, darauf zu verzichten, sich mit Waffen aufzurüsten oder aus Verträgen auszusteigen, die absichern, in einer weniger bewaffneten als einer bewaffneten Welt zu leben.

DOMRADIO.DE: Wie können Kirche und Jugendorganisationen der Kirche Druck ausüben?  

Andonie: Sie können natürlich einmal über das politische Gespräch Druck ausüben. Auch durch den Weltfriedensgebettag wird in verschiedenen Teilen Deutschlands ein wirksames Signal gesetzt. Es zeigt: Der Wunsch nach Frieden ist da. Die Menschen wünschen sich keine weitere Auseinandersetzung oder Spaltung der Nationen, sondern dass die Welt zusammenwächst.

Wir sehen auch, dass die Kirche mit den jungen Menschen auf dem Weg ist in der Frage: Wie kriegen wir eine gewaltfreiere Welt hin? Wir sehen den Papst, der auch auf der Arabischen Halbinsel ganz deutlich sagt: Alle Religionen müssen für den Frieden sein. Und ich glaube, das ist ein wichtiges Signal.

Wir können die Verantwortlichen in der Politik, die sich selbst als religiös betrachten oder einer Religion angehören, an ihre Verantwortung erinnern und sie bitten, ihre Stimme zu erheben und aktiv zu werden.

DOMRADIO.DE: Plant der BDKJ Aktionen zur Aufkündigung des INF-Vertrags?

Andonie: Dadurch dass der Vertrag aufgekündigt wurde, sehen wir den Bedarf, nochmal darauf zu schauen: Wo stehen wir gerade? Wir haben eine sehr ausgeprägte friedensethische und friedensbildende Arbeit in den Jugendverbänden im BDKJ. Da müssen wir gerade auf der nächsten Hauptversammlung noch einmal nachschauen und überprüfen, wie der Frieden in einer Welt gelingen kann, die sich schon stark verändert hat seit der Zeit des Kalten Krieges.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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