Ein Mann verlässt eine dunkle Kirche
Ein Mann verlässt eine dunkle Kirche

27.12.2018

2018 war ein dunkles Jahr für die katholische Kirche Auf der Suche nach dem Ausweg aus der Vertrauenskrise

Die katholische Kirche in Deutschland steht an einer Wegmarke: Mit großer Wucht ist der Missbrauchsskandal ins öffentliche Bewusstsein zurückgekehrt. Jetzt geht es darum, mit Reformen Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen

Wieder ein düsteres Jahr für die katholische Kirche: Nachdem 2010 der Missbrauchsskandal die deutsche Öffentlichkeit schockierte, holte das Thema die Kirche 2018 wieder ein – und wieder mit Wucht.

"Ich ahne, der Umgang mit Missbrauch wird meine Nagelprobe", schwant dem neuen Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer. Die Kirche stehe an einem Scheideweg, sagt Jesuit Klaus Mertes, der 2010 die Aufdeckung des Missbrauchsskandal ins Rollen gebracht hatte. Viele Katholiken erwarteten von den Bischöfen, Verantwortung für das Versagen der Institution zu übernehmen und Strukturen zu verändern.

Die lange Liste der Maßnahmen

Wie ein Kugelhagel schlugen die Ergebnisse einer von den Bischöfen in Auftrag gegebenen Studie Ende September ein. In den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 hatte das Forscherteam Hinweise auf mindestens 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute gefunden.

Die Liste der Maßnahmen, mit denen die Bischöfe Glaubwürdigkeit zurückgewinnen wollen, ist lang. Geplant sind etwa gemeinsame Standards bei Personalakten der Priester, externe Anlaufstellen und ein bundesweites "Monitoring" für Maßnahmen gegen Missbrauch. Der Missbrauchsbeauftragte der Bischöfe, Bischof Stephan Ackermann, sagte zudem eine engere Zusammenarbeit der Kirche mit dem Staat zu.

"Manches war da für mich grenzwertig"

Außerdem wollen die Bischöfe mit Fachleuten über den Zölibat und die Sexualmoral beraten – Forderungen, die auch die Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken erhob. Dabei sorgt die Debatte über den Kurs für Spannungen unter den Bischöfen. Amtierende Oberhirten distanzieren sich bisweilen von ihren Vorgängern.

Andere Themen rückten dadurch in den Hintergrund. So stritten die Bischöfe um den Kommunionempfang nichtkatholischer Ehepartner untereinander und mit römischen Stellen. "Manches war da für mich grenzwertig", resümierte Kardinal Reinhard Marx die Art der Debatte.

Unverbindliche Orientierungshilfe

Bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Ingolstadt hatte die Bischofskonferenz mit Dreiviertelmehrheit Leitlinien verabschiedet, die eine Zulassung nichtkatholischer Ehepartner zur Kommunion unter bestimmten Bedingungen nahelegten. Darüber gab es anschließend zum Teil heftige Auseinandersetzungen; sieben Bischöfe wandten sich an Rom. Nach Interventionen der Römischen Glaubenskongregation und des Papstes wurden die Leitlinien schließlich als unverbindliche Orientierungshilfe veröffentlicht. Jeder Bischof entscheidet.

Heiß diskutiert wurde auch die lange ausbleibende Bestätigung des Vatikan für eine weitere Amtszeit von Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig als Rektor der katholischen Hochschule Sankt Georgen. Wucherpfennig hatte sich kritisch zum Umgang der Kirche mit Homosexuellen geäußert und Segensfeiern für homosexuelle Partnerschaften befürwortet. Mitte November erhielt er doch noch das "Nihil obstat", nachdem er in einer Erklärung feststellte, dass er als Ordensmann und Priester dem "authentischen Lehramt" der Kirche verpflichtet sei.

Der "größte Katholikentag seit der Wiedervereinigung"

Ein rundum positives Highlight wurde der Deutsche Katholikentag in Münster im Mai. Rund 70.000 Teilnehmer besuchten den nach Angaben der Veranstalter "größten Katholikentag seit der Wiedervereinigung". Nicht erfreut zeigten sich beide Kirchen über zwei Urteile des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zum Arbeitsrecht. Das Gericht setzte dem Selbstbestimmungsrecht der Kirchen bei der Einstellung von Mitarbeitern Grenzen. Es bestätigte, dass die Kirchen grundsätzlich berechtigt seien, Mitarbeiter nach Religionszugehörigkeit auszuwählen. Allerdings müssten nationale Gerichte die Einstellungskriterien prüfen dürfen.

Politisch engagierte sich die katholische Kirche unter anderem bei der Frage, ob vorgeburtliche Bluttests zur Kassenleistung werden. Dem klaren Nein der Bischöfe setzte die Evangelische Kirche ein Ja entgegen. Sie plädierte dafür, dass solche Tests künftig von den Krankenkassen bezahlt werden; zugleich sollten die Schwangeren ein Beratungsangebot erhalten. Einhellig lehnten die katholischen Bischöfe eine stärkere rechtliche Verpflichtung der Bürger zur Organspende durch eine Widerspruchslösung ab. Eine Organspende müsse freiwillig bleiben.

Christoph Arens
(KNA)

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