Kruzifix auf der ZdK-Vollversammlung
Kruzifix auf der ZdK-Vollversammlung
Blick in den Sitzungssaal während der ZdK-Vollversammlung
Blick in den Sitzungssaal während der ZdK-Vollversammlung
ZdK-Präsident Thomas Sternberg
ZdK-Präsident Thomas Sternberg
Rainer Maria Kardinal Woelki
Rainer Maria Kardinal Woelki
Erzbischof Stefan Heße
Stefan Heße, Geistlicher Assistent des ZdK

23.11.2018

Katholikenkomitee diskutiert Aufarbeitung von Missbrauch Kirche am Scheideweg

Die Zukunft der Rente, Reformen in der Pflege, der UN-Migrationspakt. Viel zu besprechen gab es bei der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Das Treffen dominierte allerdings ein anderes Thema.

Der erste Tag endete am Freitagabend mit einem öffentlichen Gebet für Menschlichkeit und Toleranz auf dem Bonner Marktplatz. Die Mitglieder des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) mischten sich am Black Friday in der Innenstadt unters einkaufende Volk. Auf der noch bis Samstag dauernden Vollversammlung des höchsten Gremiums der katholischen Laien in Deutschland wurde indes deutlich, dass Christen zunehmend Schwierigkeiten haben, in der Gesellschaft Gehör zu finden. Diesen Trend, so merkte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki in einem Grußwort an, gebe es zwar schon länger. Aber er habe durch den Skandal um sexuellen Missbrauch in der Kirche an Schärfe gewonnen.

Hohes Medienaufkommen

Zumindest über mangelndes Medieninteresse konnte sich das ZdK bei seinem Treffen nicht beklagen. Radio- und TV-Journalisten, dazu Internetmedien, Agenturen und Zeitungen waren reichlich vertreten und verfolgten die offen geführten Debatten über die Zukunft der Kirche - die eng verknüpft ist mit der angemessenen Aufarbeitung und Prävention in Sachen Missbrauch. Es bleibt nicht mehr viel Zeit, lautete eine Kernbotschaft.

Die Kirche stehe an einem Scheideweg, sagte Jesuit Klaus Mertes. Viele Katholiken an der Basis erwarteten von allen Bischöfen die Bereitschaft, die Verantwortung für strukturelles Versagen der Institution klar erkennbar zu übernehmen und eine entsprechende Änderung der Strukturen herbeizuführen. Wer sich täglich in der Ebene abmühe und dann "absurde Interviews" von dem ein oder anderen Nuntius oder Kardinal lesen müsse, den packe irgendwann auch "Trauer und Zorn".

Genau das ist ein nicht unwichtiger Teil des Problems, wie der Hamburger Erzbischof Stefan Heße anklingen ließ, ähnlich wie es vor knapp einer Woche sein Amtsbruder Stephan Ackermann in einem "Spiegel"-Interview tat. Das Thema sorge für Spannungen unter den Bischöfen, sagte Heße. Über den weiteren Kurs gebe es unterschiedliche Ansichten. Dabei seien weitere Maßnahmen notwendig, um die Aufarbeitung voranzutreiben.

Unabhängige Kommission für Präventionsarbeit

Eine dieser Maßnahmen nannte ZdK-Präsident Thomas Sternberg. Er sprach sich für eine unabhängige Kommission aus, die die Präventionsarbeit der 27 Bistümer in Deutschland kontrollieren und vereinheitlichen könne. Die sogenannte Gemeinsame Konferenz aus Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz und dem ZdK solle ein solches Gremium aus Frauen und Männern bilden, die nicht in einem kirchlichen Anstellungsverhältnis stehen. Weiter forderte er, nicht verjährte Straftaten oder Beschuldigungen den Staatsanwaltschaften zu melden.

Das Plenum ging wenig später mit einer von einer großen Mehrheit getragenen Erklärung noch weiter Richtung innerkirchlicher Reformen: Frauen sollten Zugang zu allen kirchlichen Ämtern erhalten, die verpflichtende Ehelosigkeit für Priester abgeschafft und die kirchliche Sexualmoral neu ausgerichtet werden. Vielleicht ist das für manch einen die tröstliche Erkenntnis der Vollversammlung: Den Christen scheinen die Utopien nicht abhanden gekommen zu sein.

Kirche soll weiterhin verlässlicher Partner der Gesellschaft bleiben

In Zeiten der Individualisierung und des Populismus brauche die Politik eigentlich gesellschaftliche Partner, die sich als "gemeinwohlorientierte Akteure verstehen, so Mertes, der als damaliger Leiter des Berliner Canisius-Kollegs 2010 Fälle von Missbrauch in kirchlichen Schulen publik machte und damit die Debatte in Gang setzte. "Und das sind wir ja als Kirche."

Kardinal Woelki wünschte sich unterdessen "Wanderprediger", die "ganz persönlich, von Angesicht zu Angesicht, in Wort und Tat" Zeugnis von der Botschaft des Evangeliums ablegen. Wie viel Hierarchie es dafür in der Kirche braucht, lautet die spannende Frage. Dagegen ist die Überlegung, den ZdK-Sitz in rund drei Jahren von Bonn nach Berlin zu verlegen, von deutlich untergeordneter Bedeutung. Auch wenn dazu am Samstag zum Abschluss der Vollversammlung noch einmal eine kontroverse Aussprache erwartet wird.

Joachim Heinz
(KNA)

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