10.09.2018

Bischöfe zu politischen Entwicklungen in Deutschland "Erschreckende Entwicklungen"

In der Politik gibt es nach den Worten des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick eine "erschreckende Entwicklung". Man dürfe nicht den Blick dafür verlieren, dass Parteien unterschiedliche Positionen haben – dabei könne die Kirche auch Vorbild sein.

Erzbischof Ludwig Schick beklagte am Sonntag, dass wir das Aufeinander-Hören und das wohlwollende Hinschauen verlernt haben. Zum Beispiel, dass "In unseren Parlamenten das Niederbrüllen und Verächtliche-Parolen-von- sich-Geben, wenn einer am Pult redet, häufiger und stärker geworden ist". Das sagte Schick im oberfränkischen Litzendorf, wie seine Erzdiözese auf ihrer Internetseite mitteilte. Politik, so Schick, sei die Suche von verschiedenen Parteien und unterschiedlichen Positionen nach guten Entscheidungen für das Gemeinwohl. Das dürfe nicht aus dem Blick geraten.

Zuhören und Hinsehen

"Was wir in Chemnitz, Dresden, Hamburg und anderswo erleben, sind Folgen von Dialogverweigerung und politischer Einäugigkeit. Es zeigt, dass wir das Aufeinander-Hören und das wohlwollende Hinschauen verlernt haben", ergänzte Schick. Zuhören und Hinsehen seien Voraussetzungen für ein gelingendes Miteinander und das Gemeinwohl.

Die Kirche müsse da Vorbild sein. "Wer nicht auf Gott hört und zu Gott und allem, was er geschaffen hat, aufschaut, der hört auch nicht den Menschen zu und sieht nicht aufmerksam, was den Mitmenschen und der Gesellschaft Not tut."

Lob für das Engagement für Flüchtlinge 

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hat unterdessen das ehrenamtliche Engagement in Kirchen für Flüchtlinge gelobt. "Nach wie vor gibt es viele Menschen, die sich in der Flüchtlingsarbeit mit hoher Motivation engagieren", sagte Becker am Wochenende in Dortmund. Sie seien ein "großartiges Zeugnis für die christliche Nächstenliebe», wenn sie Flüchtlingen beim Erlernen der deutschen Sprache und bei Behördengängen helfen oder mit ihnen Anhörungen im Asylverfahren vorbereiten.

Der Erzbischof beklagte, dass zunehmende Ressentiments und Vorurteile das öffentliche Bild in der Flüchtlingsfrage bestimmen. Leider werde heute zu selten deutlich, "dass durchaus nicht unser ganzes Land gegen Menschen steht, die bei uns Zuflucht suchen", sagte Becker. Er mahnte mehr Differenzierung, Respekt und Hilfsbereitschaft an: "Es ist unsere Aufgabe, immer wieder das menschliche Antlitz der geflüchteten Menschen sichtbar zu machen."

Unter dem Motto "Aktiv für Flüchtlinge" hatte das Erzbistum Paderborn am Samstag zum zweiten Ehrenamtstag in Dortmund eingeladen. Auf dem Programm standen Vorträge, Podien und Workshops zu Themen wie Integration von Flüchtlingen durch Arbeit, der Umgang mit Traumata und Entwicklungen in der Asylpolitik. Mehr als 140 Ehrenamtliche folgten den Angaben nach der Einladung von Erzbischof Becker.

(KNA, epd)

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