Geschafft: Kolumbien hat einen neuen Friedensvertrag
Adveniat zum Regierungswechsel in Kolumbien

07.08.2018

Adveniat zum Regierungswechsel in Kolumbien Kirche als wichtiger Anker

Iván Duque ist als Präsident in Kolumbien vereidigt. Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat sieht drei große Herausforderungen für Duque in Bezug auf den Friedensprozess. Die katholische Kirche zeigt sich zunächst offen. 

DOMRADIO.DE: Wie geht es unter Duque weiter mit der Umsetzung des Friedensvertrages? Worauf deuten die jüngsten Entwicklungen hin?

Monika Lauer Perez (Kolumbien-Referentin des katholischen Hilfswerks Adveniat): Ich glaube, dass Duque zumindest offiziell nicht mit der Politik seines Vorgängers brechen wird. Das kann er sich schon gar nicht leisten, denn die internationale Unterstützung für Santos war doch beträchtlich. Und er möchte ja auch vor allen Dingen die Wirtschaftspolitik des Landes im Sinne von Santos weitermachen. Insofern ist nicht damit zu rechnen, dass er seine Drohung aus dem Wahlkampf umsetzen wird, das Friedensabkommen in Stücke zu reißen. Aber wie weit er es tatsächlich weiter umsetzen wird oder inwieweit er das möglicherweise einfach ausbluten lässt, das kann man heute noch nicht sagen.

DOMRADIO.DE: Duque gilt als Ziehsohn des ehemaligen Präsidenten Uribe, unter dessen Regierung Paramilitärs schlimme Massaker angerichtet haben. Trauen Sie Duque zu, aus diesem schlimmen Schatten herauszutreten?

Lauer Perez: Ich denke, dass das auf jeden Fall sein Bestreben sein wird. Auf der anderen Seite hat er natürlich mit sehr viel Gewalt durch kriminelle Banden und Neo-paramilitärische Gruppen zu kämpfen. Das heißt, er wird darauf reagieren müssen. Das hat Santos nicht wirklich getan – aber die Gewalt nimmt ständig zu.

DOMRADIO.DE: Woran bemessen Sie das?

Lauer Perez: Wir hatten bei unseren Partnern im Nordosten von Kolumbien in der letzten Woche ein Massaker mit zehn Toten. Das erinnert an die schlimmsten Kriegszeiten. Insofern weiß man auch nicht, wie es wirklich weitergeht. Aber Duque wird reagieren müssen.

DOMRADIO.DE: Eine weitere große Herausforderung ist der Umgang mit den vielen Flüchtlingen, die aus dem krisengeschüttelten Nachbarland Venezuela nach Kolumbien herüber kommen. Was wäre da das Wichtigste?

Lauer Perez: Im Grunde genommen ist für einen schwachen Staat wie Kolumbien diese Flüchtlingswelle kaum zu bewältigen. Wenn da nicht die Kirche und viele andere private Menschen einfach unterstützen würden, wäre es bis jetzt nicht gut gegangen. Im Prinzip kann man da nur hoffen, dass sich die Verhältnisse in Venezuela recht kurzfristig ändern werden. Sonst weiß ich wirklich nicht, wie Kolumbien mit dieser Flüchtlingswelle umgehen wird. 

DOMRADIO.DE: Es gibt eine Volksgruppe in Kolumbien, die mit großer Skepsis auf den neuen Präsidenten Duque blickt – die Indigenen. Warum?

Lauer Perez: Die Indigenen waren im Prinzip in der letzten Amtsperiode von Santos auch schon sehr skeptisch. Er hat immer angekündigt, das Friedensabkommen beinhaltet nicht, dass die Wirtschaftspolitik geändert wird. Das heißt mit zunehmendem Frieden und beim Abrücken der Guerilla nehmen internationale Firmen die bisher unzugänglichen Gebiete der Indigenen ein. Da ist große Skepsis angesagt, vor allen Dingen bei den Indigenen, aber auch bei uns bei Adveniat. 

DOMRADIO.DE: Sie arbeiten natürlich eng mit der katholischen Kirche vor Ort zusammen, hat sie sich zum Amtsantritt Duques geäußert?

Lauer Perez: Ja das hat sie. Duque habe auch schon um ein Gespräch gesucht. Man will ihm auf jeden Fall eine Chance geben und ihn genauso unterstützen wie auch Präsident Santos. Das heißt, wenn die Kirche gefragt wird, unterstützend bei den jetzigen Verhandlungen zum Beispiel mit der zweiten Guerillagruppe, der ELN, präsent zu sein, dann wird sie das auch sein. Da ist erst mal eine Offenheit und Unterstützung für den neuen Präsidenten angesagt.

DOMRADIO.DE: Was wissen Sie denn über die Erwartungen Ihrer Projektpartner vor Ort?

Lauer Perez: Die sind sehr unterschiedlich. Die gehen von tiefer Skepsis bis hin zur Aussage "Immer noch besser als das, was wir hatten und welche Alternativen haben wir?" Das würde ich sagen, ist die Mehrheit derer, mit denen ich spreche. Die Menschen sind wirklich entschieden und entschlossen alles zu tun, um das Friedensabkommen in irgendeiner Form umzusetzen. Ob es genauso wird, wie auf dem Papier, das wage ich zu bezweifeln. Aber Kolumbien will Frieden, die Menschen wollen Frieden und die Kirche unterstützt dabei sehr massiv.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter.

(DR)

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