Jesidische Flüchtlinge
Jesidische Flüchtlinge

29.05.2018

Zentralrat der Jesiden fordert Aufklärung in Bremer Asyl-Affäre "Kein rechtswidriges Verhalten"

Der Zentralrat der Jesiden in Deutschland bedauert, dass die Affäre in der Bremer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge mit der Glaubensgemeinschaft in Verbindung gebracht wird.

Der mutmaßlich daran beteiligte Anwalt jesidischen Glaubens "steht in keinster Weise mit uns in Verbindung", sagte der Vorsitzende Irfan Ortac dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er verwies zugleich darauf, dass die Anerkennungsquote bei Jesiden bundesweit zuletzt bei rund 90 Prozent gelegen habe und es somit "prinzipiell falsch" sei, einen Zusammenhang zu kreieren.

Ortac betonte, die Vorwürfe im Skandal um mutmaßlich unrechtmäßig erteilte Asylbescheide der Bremer Außenstelle des Bundesamtes müssten unbedingt aufgeklärt werden. Der Zentralrat weise rechtswidriges Verhalten entschieden zurück.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die frühere Leiterin der BAMF-Außenstelle in Bremen. Sie soll zwischen 2013 und 2016 mindestens 1200 Menschen Asyl gewährt haben, obwohl die Voraussetzungen dafür nicht gegeben waren. In den meisten Fällen geht es laut Staatsanwaltschaft um Kurden, die angaben, zur Religionsgemeinschaft der Jesiden zu gehören.

"Von Wiederaufbau keine Rede"

Der Zentralratsvorsitzende hatte in der vergangenen Woche den Nordirak besucht, um sich über die Lage der Jesiden in den dortigen Flüchtlingscamps zu informieren. Den meisten Jesiden sei es angesichts der enormen Zerstörung und der Minen-Gefahr nicht möglich, wieder in ihre Dörfer zurückzukehren. Ortac kritisierte, dass die Zentralregierung in Bagdad wie auch die kurdische Regionalregierung im Nordirak beim Wiederaufbau andere Prioritäten hätten als die jesidische Sindschar-Region. "Dort kann von Wiederaufbau keine Rede sein."

Laut Ortac schreitet hingegen in sunnitischen Regionen - wie in der einstigen Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) - der Wiederaufbau voran. Selbst in der kurdischen Stadt Dohuk, die in den vergangenen Jahren nicht umkämpft war, flössen Entwicklungsgelder in die Universität und in Krankenhäuser. Zu den Jesiden gelange indes nur humanitäre Hilfe, der Spielplatz im Flüchtlingslager etwa. In den Lagern fühlten sich die Menschen wie im offenen Gefängnis. "Eine Jesidin sagte mir dort: Man hält uns hier als Geisel fest, um von uns zu profitieren."

Leben unter "katastrophalen Umständen"

Seinen Angaben zufolge gibt es im Nordirak zwölf Flüchtlingscamps, in denen jeweils zwischen 15.000 und 18.000 Jesiden leben. In die Sindschar-Region seien etwa 60.000 zurückgekehrt, die dort unter "katastrophalen Umständen" oft ohne Wasser und Strom lebten. Vor dem Überfall des IS im Sommer 2014 lebten im Sindschar-Gebirgen die meisten der weltweit rund 800.000 Jesiden. Die Zahl wurde auf mehr als 500.000 geschätzt.

Mey Dudin
(epd)

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