Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht im Rahmen des Katholikentages.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht im Rahmen des Katholikentages.

13.05.2018

Zwischen Aachener Dom, Assisi und dem Katholikentag Merkels "heilige Woche"

Erst mit Frankreichs Präsident Macron im Aachener Dom, dann vor tausenden Besuchern auf dem Katholikentag in Münster, schließlich bei den Franziskanern in Assisi. Hinter Angela Merkel liegt eine kirchlich geprägte Woche.

Es fing Mitte der Woche an – mit einem Bekenntnis vor eher kleinem Kreis. Bei einer Konferenz von CDU-Kreisvorsitzenden forderte Parteichefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel, sich bei der Debatte über ein neues Grundsatzprogramm auf die christlichen Wurzeln der CDU zu besinnen. Es reiche nicht aus, das Christentum nur "als Hülse im Mund zu haben".

Was genau sie persönlich darunter versteht, darüber lässt sich die Tochter eines evangelischen Pastors eher selten aus. Ein offenes Ohr für die Anliegen der Kirchen zu haben, das bescheinigen ihr deren Vertreter aber immer wieder. Auch wenn sich daraus nicht zwingend eine besondere Nähe ergibt.

Merkel und die Kirche

Das Verhältnis zwischen den Kirchen und der Kanzlerin ist naturgemäß immer wieder Schwankungen unterworfen. Vom engen Zusammengehen auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise bis zu teilweiser Irritation auf katholischer Seite, als Merkel die "Ehe für Alle" kurzerhand zu einer reinen Gewissensfrage erklärte und über Nacht den Weg zu ihrer Einführung ebnete.

Aktuell tobt – angestoßen von der "Schwesterpartei" CSU – eine Debatte über das Kreuz im öffentlichen Raum und – wieder einmal – über die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre. Die Kanzlerin hielt sich bislang zurück. Bei gleich drei Terminen mit kirchlichen Bezügen in den vergangen Tagen stand die Frage im Raum, was die Kanzlerin der Kirche aktuell zu sagen hat. Doch zunächst sagte die Kirche der Kanzlerin etwas – am Donnerstag bei einem Gottesdienst im Aachener Dom, bevor Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in der Stadt den Karlspreis erhielt.

Es genüge nicht mehr, in Erfolgen der Vergangenheit zu schwelgen, um das Projekt Europa voranzubringen, sagte der Aachener Bischof Helmut Dieser in seiner Predigt. «Die Politik Europas braucht heute vielmehr in allen Mitgliedsländern neue Antworten auf die Sinnfrage.» Daran entscheide sich unter anderem, ob es gelinge, die muslimischen Mitbürger zu integrieren. Und die Kanzlerin? Gab sich tags darauf bei ihrem Besuch des Katholikentages in Münster nachdenklich.

Was haben wir aus der Geschichte gelernt?

Derzeit erlebe die Welt eine "sehr sensible Zeit", so Merkel. "Diejenigen, die die Schrecknisse des Zweiten Weltkriegs erlebt haben, werden bald nicht mehr unter uns sein." Dann stelle sich die Frage, ob die Menschen wirklich aus der Geschichte gelernt hätten, mit neuer Dringlichkeit. "Darüber müssen wir uns immer wieder vergewissern."

Die Kanzlerin, die beim Katholikentag vor zwei Jahren in Leipzig aus terminlichen Gründen nicht zugegen war, vermied Anmerkungen zu Kreuz und Islam. Stattdessen widmete sie sich vor 4.000 Zuhörern in Münster den aktuellen Konfliktlinien in der Weltpolitik, warb darum, nicht abzustumpfen angesichts immer neuer Bilder von Menschen, "deren Würde heute mit Füßen getreten wird".

Merkel erhielt "Lampe des Friedens"

Ein routinierter Auftritt des "Publikumsmagneten" beim diesjährigen Katholikentag und dem Motto des Treffens angemessen: "Suche Frieden". Wie schwierig genau das ist, machte Merkel am Samstag im italienischen Assisi klar. Dort erhielt sie für ihre "Bemühungen um die Versöhnung und das friedliche Zusammenleben der Völker" vom Franziskanerorden die "Lampe des Friedens".

Der Weg zu Frieden und Versöhnung sei zumeist nur mit großer Anstrengung und mit viel Ausdauer begehbar, sagte Merkel. Selten liege er "hell erleuchtet vor uns", betonte die Kanzlerin. "Wäre das so, dann würden die Menschen vielleicht nicht permanent wieder von diesem Weg abkommen." Ein typischer Merkel-Satz, werden Kritiker sagen, irgendwo angesiedelt zwischen unverbindlich und ungefähr.

Glaube ist für Merkel Entlastung

Vielleicht spricht so aber auch jemand, der um die eigenen Beschränkungen weiß – und die besondere Mühsal der politischen Arbeit gerade in diesen Zeiten. Glaube sei für sie "Entlastung", erklärte Merkel einmal – das Wissen darum, "dass ich wie jeder Mensch nicht nach Absolutheit streben muss, sondern auch fehlerhaft sein darf".

Vor der Preisverleihung in der Basilika San Francesco besuchte sie mit dem Vorjahrespreisträger, Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos, das Grab des heiligen Franziskus und verharrte dort für einige Momente im stillen Gebet.

Joachim Heinz
(KNA)

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