Buddhistische Mönche
Buddhistische Mönche
Papst Franziskus und Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi
Papst Franziskus und Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi

29.11.2017 - 00:00

Die dunkle Seite des Buddhismus "Schützt Mutter Myanmar"

In Myanmar haben ultranationalistische Mönche mit ihren Hasspredigten die Saat für Gräuel durch die Armee gelegt. Die Gewalt richtet sich insbesondere gegen die muslimischen Rohingya. Ein ungewohntes Terrain für Papst Franziskus.

Tausende marschierten im September 2012 durch die Stadt Mandalay, darunter auch buddhistische Mönche: "Schützt Mutter Myanmar", war auf Transparenten zu lesen. Angeführt hatte die Kundgebung der Hardliner-Mönch Ashin Wirathu, der wegen seines Hasses auf Muslime berüchtigt ist.

Das "Time"-Magazine hob ihn 2013 mit der Bezeichnung "Das Gesicht des buddhistischen Terrors" aufs Cover. Die Demonstranten hatten sich hinter den damaligen Präsidenten Thein Sein gestellt. Dieser hatte vorgeschlagen, die Rohingya, die in Myanmar als illegale Eindringlinge aus Bangladesch gelten, in Lager zu verfrachten oder zu deportieren.

Papst Franziskus besucht in diesem Tagen Myanmar, wo das Militär zum wiederholten Mal gegen die Rohingya vorgegangen ist: 600.000 Angehörige der muslimischen Volksgruppe sind seit Ende August ins benachbarte Bangladesch geflohen. Franziskus forderte, deren Rechte zu achten. Die Gräuel gegen die muslimische Volksgruppe hatte Franziskus mit scharfen Worten verurteilt.

Gewalt gegen muslimische Gemeinschaften

"Ultranationalistische Mönche säen seit Jahren Hass und Gewalt, durch Predigten, die Verbreitung von Schriften, CD's und soziale Netzwerke", sagte Benedict Rogers, Myanmar-Experte von "Christian Solidarity Worldwide", dem Evangelischen Pressedienst (epd). Im Juni und Oktober 2012 war es zu Exzessen im westlichen Bundesstaat Rakhine gekommen. In deren Folge wurden offiziellen Angaben zufolge 200 Menschen ermordet und über 150.000 Einwohner vertrieben, die meisten davon Rohingya.

Auch anderswo brach gezielte Gewalt gegen muslimische Gemeinschaften los. So wurden im März 2013 in Meikhtila im Zentrum des Landes mindestens 43 Menschen getötet. Augenzeugen berichteten, wie Mobs unter Führung buddhistischer Mönche mordeten und brandschatzten.

Für die Eskalation machen Menschenrechtler die extremistische "969"-Bewegung verantwortlich, zu deren führenden Vertretern der Mönch Wirathu zählt und die Hetzschriften und Boykottaufrufe gegen Muslime verbreitete. Die Hardliner begründen ihr Handeln mit der vermeintlich drohenden Islamisierung des mehrheitlich buddhistischen Myanmar (früher Birma). Der Menschenrechtsaktivist Maung Zarni, der selbst Buddhist ist und das brutale Vorgehen der Armee gegen die Rohingya als "Genozid" bezeichnet, brandmarkte "969" als "Neo-Nazi-Bewegung".

Buddhisten gehen gegen Muslime vor

Mittlerweile gründete "969" eine "Vereinigung zum Schutz von Rasse und Religion", auch als "Ma Ba Tha" bekannt. So setzte sie Gesetze durch, die sich vornehmlich gegen Muslime richten. Im Mai dieses Jahres versuchte der Oberste Mönchsrat, die radikale Gruppierung zu verbieten. Diese kündigte daraufhin an, ihren Namen zu ändern. Zuvor war Wirathu für ein Jahr das Predigen untersagt worden - mit der Folge, dass er sich den Mund mit Klebeband verschloss, alte Hassreden abspielen und das Ganze in den sozialen Netzwerken verbreiten ließ.

Längst finde die Diskriminierung in "institutionalisierter Form" statt, die sich nicht nur gegen die Rohingya-Volksgruppe, sondern auch die anderen Muslime richte, so die Organisation "Burma Human Rights Network" (BHRN). In immer mehr Regionen gebe es regelrechte "muslimfreie Zonen": Schilder an Ortseingängen wiesen darauf hin, dass es Muslimen nicht erlaubt sei, dort zu übernachten, dass sie weder Grund noch Boden kaufen oder mieten dürften und es Buddhistinnen verboten sei, Muslime zu heiraten. Zunehmend bestimmten buddhistische Hardliner, wer zu Myanmar gehöre und wer nicht, kritisieren die Menschenrechtler.

Die seit 2016 amtierende zivile Regierung unter Aung San Suu Kyi betrachten viele Menschenrechtsorganisationen mittlerweile als Teil des Problems: Insbesondere Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi habe moralisch versagt, weil sie die Verbrechen des Militärs wiederholt geleugnet oder gar verteidigt habe.

UN und Menschenrechtler warnen

Kritiker wie Maung Zarni werfen der Armee und nationalistischen Politikern vor, sich Gruppierungen wie "969" oder "Ma Ba Tha" zu bedienen. Auf diese Weise werde der Nährboden für brutale Offensiven gegen Muslime und insbesondere die Rohingya geschaffen, die die UN und Menschenrechtler als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und "ethnische Säuberungen" verurteilen.

"Wird dem nicht Einhalt geboten, bedeutet das weitere jahrzehntelange Konflikte, die jede Möglichkeit auf Demokratisierung und Frieden untergraben", warnt Benedict Rogers von "Christian Solidarity Worldwide". Interreligiöser Dialog sei ebenso nötig wie Bemühungen, Hassreden entgegen zu treten. Das sei insbesondere Aufgabe jener Mönche, die nicht mit den Ultranationalisten übereinstimmten.

Den Besuch von Franziskus in dem von Gewalt überschatteten Land - den ersten eines Papstes in Myanmar überhaupt - bezeichnet Rogers als "signifikant". Zugleich sei es wichtig, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche auch die Not der Zivilisten in den Konfliktregionen Kachin und Shan anspreche. In den dort überwiegend von ethnischen Minderheiten bewohnten Staaten geht die Armee gegen bewaffnete Rebellen vor.

Nicola Glass
(epd)

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