In Berlin wird über ein Polen-Denkmal nachgedacht
In Berlin wird über ein Polen-Denkmal nachgedacht
Erzbischof Heiner Koch
Erzbischof Heiner Koch

15.11.2017

Initiative fordert Polen-Denkmal in Berlin Zeichen der Aussöhnung

Prominente Politiker und Historiker haben sich für ein Denkmal in Berlin ausgesprochen, das an die von den Nationalsozialisten in Polen ermordeten Menschen erinnert. Auch der Berliner Erzbischof Heiner Koch schließt sich dem Aufruf an.

In einem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Aufruf an den Bundestag betonen die Unterzeichner, es gebe kaum eine polnische Familie, die nicht von der deutschen Besatzungsherrschaft von 1939 bis 1945 betroffen sei. In Deutschland sei dieses barbarische Unrecht nur unzureichend bekannt.

Erzbischof Koch unter den Befürwortern

Zu den weiteren Unterzeichnern gehören unter anderen der Vorsitzende der Friedrich-Ebert-Stiftung, Kurt Beck, die früheren Grünen-Bundestagsabgeordneten Marieluise Beck und Volker Beck, der Historiker Timothy Garton Ash, der ehemalige DDR-Ministerpräsident Lothar de Maiziere (CDU), der Historiker Andreas Nachama, der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Hans-Gert Pöttering, die früheren Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse (SPD) und Rita Süssmuth (CDU) sowie Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD).

Auch der Berliner Erzbischof Heiner Koch schließt sich dem Aufruf an. Er wisse, welche verheerende Wirkung der Einmarsch in Polen gehabt habe und wie viele Menschen unter dem Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen litten.

Mit einem Denkmal würde ein "deutsch-polnisches Zeichen gesetzt, das Krieg, Vernichtung, Flucht, Vertreibung und Versöhnung in den untrennbaren Zusammenhang von Ursache und Wirkung stellt", heißt es in dem Aufruf. Das Ziel einer deutsch-polnischen Aussöhnung, vergleichbar mit der gelungenen deutsch-französischen Freundschaft, bleibe bisher unerreicht. "Polen sollte als Nation vernichtet werden", so die Initiatoren. Nur wenn das nicht vergessen werde, und "unser zweiter großer Nachbar Polen heute als Nation in seiner ganzen Würde und Freiheit geachtet wird, kann aus Nachbarschaft Freundschaft werden".

Platz in Kreuzberg kommt in Frage

Der frühere Präsident des Bundesamtes für Bauwesen, Florian Mausbach, nannte den 80. Jahrestag des Überfalls auf Polen am 1. September 2019 als ein Datum, an dem es in irgendeiner Form einen Startschuss für das Denkmal geben könnte. Als Ort für das Denkmal haben die Initiatoren den Askanischen Platz in Kreuzberg im Blick. In unmittelbarer Nähe soll auch das "Ausstellungs-, Dokumentations- und Informationszentrum zu Flucht und Vertreibung" entstehen.

Die Idee für ein deutsch-polnisches Zeichen stammt unter anderen vom 2015 gestorbenen früheren Deutschland-Beauftragten der polnischen Regierung und Außenminister Wladyslaw Bartoszewski. Der Auschwitz-Überlebende hatte sich 2012 von der Bundesregierung ein Denkmal gewünscht. Seine Begründung: Polen sei das erste Opfer der Deutschen im Zweiten Weltkrieg gewesen und sechs Millionen Polen seien damals ermordet worden. Es sei es wert, daran in Berlin zu erinnern.

Kritik an Plänen

Aus den Reihen der AfD kommt Kritik an den Denkmal-Plänen. Der AfD-Fraktionsvize im Bundestag Peter Felser sagte den Zeitungen der "Neuen Berliner Redaktionsgemeinschaft", der polnischen Opfer der NS-Diktatur werde "bereits ausreichend und angemessen anderweitig gedacht".

Der AfD-Politiker sieht hinter der Initiative eine "emotionale Ablenkung" angesichts "anhaltend knallharter Reparationsforderungen Polens". Es handele sich wohl auch um einen Versuch, das "angeschlagene Verhältnis Polens zu Deutschland und der EU zu kitten".

(KNA)

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