Krise in Katalonien
Krise in Katalonien

29.10.2017

Kirche zur Katalonien-Krise Spaniens Bischöfe in Sorge

Die katholischen Bischöfe Spaniens haben sich angesichts der politischen Eskalation in Katalonien besorgt geäußert. Kardinal Omella betonte dabei den Zusammenhalt der Menschen.

Der Vorsitzende der Spanischen Bischofskonferenz, Kardinal Ricardo Blazquez, sprach bei einer Tagung in seinem Erzbistum Valladolid am Wochenende von "Trauer wegen der Unabhängigkeitserklärung Kataloniens". Er verteidigte zudem die "Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung" durch die Zentralregierung in Madrid. Blazquez beendete seine kurze Erklärung mit der Bitte an Gott um "ein friedliches Zusammenleben aller Bürger".

Der Erzbischof von Madrid, Kardinal Carlos Osoro Sierra, veröffentlichte über Twitter folgende Kurzbotschaft: "Christus fordert uns auf, keine Mauern zu errichten, sondern nach Verständigung und Versöhnung zu streben." In Spanien sei dies derzeit ganz besonders nötig.

 

Únete a Jesus: no separes amor a Dios y al prójimo que es su imagen.

— Carlos Osoro Sierra (@cardenalosoro) 29. Oktober 2017

Kardinal wendet sich an die Öffentlichkeit

Zuvor hatte sich Barcelonas Kardinal Juan Jose Omella mit einer emotionalen Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt. Er liebe Katalonien und teile den Schmerz und das Leid der Menschen dort, sagte er im Vatikan während der Dialogveranstaltung "(Re)thinking Europe" der EU-Bischofskommission COMECE. "Mein Herz weint mit ihnen", so der Erzbischof von Barcelona. Er bitte Gott, "dass er uns hilft, die Konfrontation zu vermeiden und eine friedliche Zukunft zu gestalten". Die Katalanen seien wundervolle Menschen. "Und ich liebe auch Spanien, ich liebe Europa, zu dem wir gehören", betonte Omella.

Das katalanische Regionalparlament hatte am Freitag für einen Prozess zur Loslösung von Spanien und zur Gründung eines unabhängigen Staates gestimmt. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy erklärte im Anschluss auf Basis von Artikel 155 der Verfassung die gesamte Regionalregierung für abgesetzt. Darüber hinaus beschloss Madrid die Auflösung des Parlaments in Barcelona und Neuwahlen für den 21. Dezember. Am Wochenende wurde die Autonome Gemeinschaft unter Zwangsverwaltung gestellt. Der von Madrid abgesetzte katalanische Präsident Carles Puigdemont zeigte sich jedoch kämpferisch und rief zum friedlichen "demokratischen Widerstand" auf.

Tausende auf den Straßen

Tausende Menschen sind in Barcelona auf die Straße gegangen, um für die Einheit Spaniens zu demonstrieren. Bei ihrem Marsch durch das Zentrum der katalanischen Hauptstadt am Sonntag skandierten sie unter anderem "Viva España", "Ich bin Spanier" oder "Barcelona gehört zu Spanien". Sie forderten auch die Festnahme des von der spanischen Zentralregierung abgesetzten separatistischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont.

Zu der Kundgebung hatte die prospanische Sociedad Civil Catalana (SCC) unter dem Motto "Wir sind alle Katalonien!" aufgerufen. In einer Mitteilung teilte die Organisation mit, man wolle dafür arbeiten, dass es zu einer Versöhnung zwischen Unionisten und Separatisten komme und in der Region im Nordosten Spaniens künftig Besonnenheit und ein friedliches Zusammenleben herrschten.

Madrid stellte die autonome Gemeinschaft Katalonien am Samstag unter Zwangsverwaltung, nachdem das Regionalparlament in Barcelona am Freitag einen Unabhängigkeitsbeschluss verabschiedet hatte. Ministerpräsident Mariano Rajoy beauftragte nach Medienberichten seine Vize Soraya Sáenz de Santamaría mit der Übernahme der täglichen Amtsgeschäfte in der Region.

(KNA, dpa)

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