Die Union gewinnt die Bundestagswahl 2017
Die Union gewinnt die Bundestagswahl 2017
Thomas Sternberg
Thomas Sternberg

24.09.2017

ZdK-Präsident Sternberg über das Ergebnis der Bundestagswahl 2017 "Ein bitterer Abend"

Als drittstärkste Kraft zieht die rechtspopulistische AfD in den Bundestag ein. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, appelliert deswegen an die Christen und will den Dialog mit dem Islam stärken. 

domradio.de: Wie gehen Sie mit dem Wahlergebnis um? 

Prof. Dr. Thomas Sternberg (Präsident des ZDK): Es ist ein bitterer Abend für alle, die sich in diesem Land dafür eingesetzt haben, dass die rechtsradikale Gruppierung der AfD nicht einen so hohen Stimmenanteil bekommt. Wir haben als ZdK im Mai den Berliner Aufruf "Farbe bekennen für die Demokratie" gestartet, indem wir deutlich gemacht haben, dass fremdenfeindliche Positionen für katholische Männer und Frauen keine Positionen sein können. Jetzt stellen wir uns die Frage, wie es denn sein kann, dass 13% eine solch radikale Partei in den Bundestag gewählt haben.

Damit ist auch für uns die Frage verbunden, wie wir eine neue Glaubwürdigkeit bei den Menschen aufbauen können. Allerdings sollte man sich bei der Diskussion im Klaren sein, dass immerhin 87% der Wahlberechtigten diese Partei nicht gewählt haben. Ich denke, dass diese Mehrheit die AfD auch sehr bewusst nicht gewählt hat. Vielleicht sollte man daran erinnern, dass die Republikaner im Jahr 1992 im Baden-Württembergischen Landtag auf 10,9% gekommen sind; vier Jahre später hatten sie immer noch 10% und zählten mehr als 23.000 Mitglieder - damals als Reaktion auf die Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien. Dennoch sind sie schließlich wieder versunken. Wenn sich die demokratischen Kräfte in diesem Land anstrengen, dann kann man auch eine solche Partei wie die AfD wieder kleiner bekommen. 

domradio.de: Lassen Sie uns in die Zukunft schauen: Vier Jahre Legislaturperiode mit AfD im Bundestag liegen jetzt vor uns. Wie gehen wir damit als Deutsche, als politisch Interessierte und auch als Christen um?

Sternberg: Ich denke, jetzt werden die großen Fragen kommen, wie wir es schaffen können, neue Glaubwürdigkeit zu bekommen: Dazu gehört meines Erachtens ganz dringend, dass wir in einem Parlament einer Demokratie nicht nur eine starke Regierung haben, sondern auch eine starke Opposition. Ich bin sicher, dass große Koalitionen dazu führen, dass außerparlamentarisch Ärger und Enttäuschung entstehen. Wenn die aktuellen Analysen stimmen, dann haben sich besonders viele Enttäuschte der AfD zugewandt, ohne dass sie die Ziele dieser Partei überhaupt unterstützen wollen würden. Das ist für mich ein klares Signal, dass es auch eine starke Opposition braucht. Man wird nun sehr genau hinschauen müssen, was denn in den Fraktionen tatsächlich geleistet werden wird.

domradio.de: Jetzt ist aber nicht nur der Zuwachs der AfD ein Thema, sondern beide großen Volksparteien haben historische Tiefstände bekommen. Ist es nicht auch ein Zeichen der Wähler dafür, dass die Volksparteien die Wähler nicht mehr vertreten? 

Sternberg: Ich glaube nicht, dass das der Fall ist. Meiner Ansicht nach ist es eher so, dass diese große Koalition nicht mehr gewollt war. Warum auch immer. Ich habe den Eindruck, dass eine Enttäuschung bahngebrochen ist, die mit der GroKo nicht mehr einverstanden war. Ich glaube, wir werden uns auf andere Verhältnisse einstellen müssen in diesem Land; auch was die öffentlichen Diskussionen und Debatten angehen. Wir werden uns etwa darauf einstellen müssen, dass die Debatten über Zeitungen und über andere Medien wie Sie als Radio oder über das Fernsehen nur noch einen Teil der Bevölkerung tatsächlich erreichen. Ein anderer Teil der Bevölkerung wird sich Informationen aus zum Teil abenteuerlichen Quellen zusammensuchen und damit Bestätigung für Positionen finden, bei denen nicht mehr genau geprüft wird, ob es sich um Falschmeldungen oder um wahre Informationen handelt.

domradio.de: Müssen wir als Christen in den nächsten Jahren lauter werden? 

Sternberg: Das müssen wir! Als Christen müssen wir aber vor allem ganz dringend einige Themen bearbeiten, die unter Umständen durch die Erfolge einer solchen Partei infrage gestellt werden. Dazu möchte ich insbesondere den Dialog mit dem Islam nennen. Ich glaube, es ist einer unser wichtigsten Aufgaben überhaupt, dass wir deutlich machen, dass zwischen der Religion des Islams und dem Islamismus sowie dem Salafismus ein großer Unterschied besteht. Wir müssen deutlich machen, dass der Islam nicht unter einen Generalverdacht kommen darf, wie das gerade im AfD-Wahlprogramm und im Wahlkampf geschehen ist. Nein, wir müssen diesen Dialog ganz dringend führen, damit in diesem Land keine Stimmungen entstehen, die vielleicht irgendwann nicht mehr zu bändigen sind.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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