Das Wort "Gott" in der Präambel des Grundgesetzes, das vor die Verfassung des Landes Schleswig-Holstein gehalten wird
Diskussion um Gottesbezug in Verfassung

19.09.2017

Buch zur Gottesbezugdiskussion in Schleswig-Holsteins Verfassung "Wie viel Glaube braucht das Land?"

Zwei Jahre lang hatte Schleswig-Holstein über die Aufnahme eines Gottesbezugs in die Landesverfassung gestritten. Im Juli 2016 wurde das Vorhaben abgelehnt. Das Buch will zeigen, was von der Diskussion geblieben ist.

Es war eine der knappsten Abstimmungen, die je im Kieler Landeshaus über die Bühne gingen. Als die Abgeordneten im Juli 2016 über die Aufnahme eines Gottesbezugs in die neue Landesverfassung von Schleswig-Holstein abstimmen sollten, fehlte nur eine Stimme zur erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit. Damit war klar: Gott bleibt in der neuen Landesverfassung außen vor.

Vorangegangen war eine zwei Jahre lange, teils hitzig geführte Diskussion: Die Gegner des Gottesbezugs beriefen sich auf die Neutralität des Staates und die abnehmende Religiösität der Gesellschaft. Die Befürworter, darunter auch die christlichen Kirchen, führten Begriffe wie Verantwortung und Freiheit ins Feld und sprachen von einer sittlichen Kraft, vor der sich der Mensch rechtfertigen müsse. Nach einer ersten Niederlage gründeten sie sogar eine Volksinitiative. Doch vergebens.

Sammelband zur Gottesbezugdiskussion

Dass die Debatten dennoch offenbar eine nachhaltige Wirkung erzielt haben, zeigt jetzt ein neuer Sammelband unter dem Titel "Wie viel Glaube braucht das Land?", herausgegeben von Beate Bäumer und Frank Zabel. Die Leiterin des katholischen Büros in Kiel und der Sprecher der evangelischen Nordkirche waren seinerzeit Mitarbeiter der kirchlichen Aktionsgruppe für den Gottesbezug.

Sie geben zum einen einen chronologischen Überblick über den Verlauf der Diskussion. Zum anderen kommen Politiker, Verfassungsrichter, Kirchenführer und Journalisten zu Wort. Tenor: Die Auseinandersetzung hat Schleswig-Holstein "wertvolle Impulse" gebracht, indem sie das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung von Religion und Glaube geschärft und die interreligiösen Beziehungen gestärkt hat.

Zwei Landtagsabgeordnete begründen in ihren Beiträgen erneut ihren Einsatz für einen Gottesbezug. "Die Werte des christlichen Glaubens dienen mir in meiner politischen Arbeit als Richtschnur", schreibt etwa SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. Und weiter: "Der Gottesbezug zeigt uns aber auch Grenzen des menschlich Machbaren auf." Ein ehemaliger und ein aktiver Bundestagsabgeordnete legen dar, warum Religion aus ihrer Sicht "Kitt für unsere Gesellschaft" (Ruprecht Polenz, CDU) ist und zum "Zusammenhalt" (Jens Spahn, CDU) beiträgt.

Gastbeitrag von Erzbischof Schick

Die beiden ehemaligen Verfassungsrichter Udo di Fabio und Hans-Jürgen Papier reflektieren allgemein das Verhältnis von Staat und Kirche in der Bundesrepublik. Schließlich erklärt die muslimische Autorin Khola Maryam Hübsch, warum auch Muslimen ein Gottesbezug in einer deutschen Landesverfassung wichtig ist.

Dem Leser erschließt sich nicht ganz, warum sich die beiden Bischöfe Ludwig Schick und Gerhard Ulrich zu ihren Aktivitäten in sozialen Netzwerken äußern. Auch ist die Auswahl der Autoren, die nicht alle einen Bezug zu Schleswig-Holstein aufweisen, nicht nachvollziehbar.

Kritiker eines Gottesbezugs kommen nicht mit eigenen Beiträgen zu Wort. So ist die Antwort auf die Frage "Wie viel Glaube braucht das Land?" am Ende eindeutig: Eine ganze Menge! Oder, um es mit den Worten von Jens Spahn zu sagen: "Der Glaube gibt vielen Menschen Gelassenheit, Ruhe, Perspektive und Optimismus. Es ist wichtig zu wissen, dass es da noch etwas jenseits unserer Welt und unseres Alltags gibt."

Michael Althaus
(KNA)

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