Die Universitätskirche St. Pauli in Leipzig ist fertig
Die Universitätskirche St. Pauli in Leipzig ist fertig
Sprengung der Leipziger Universitätskirche am 30.05.1968
Sprengung der Leipziger Universitätskirche am 30.05.1968

22.08.2017

Wiederaufbau der Paulinerkirche in Leipzig ist fertig Ein schwieriger Weg

1968 hatte SED-Führer Walter Ulbricht sie sprengen lassen. Nun steht die Universitätskirche St. Pauli in Leipzig wieder, der neue Bau wird am Mittwoch gefeiert. Für den Vorsitzenden des Leipziger Paulinervereins ein gutes Ende eines langen Kampfes.

domradio.de:  Herr Stötzner, Sie waren Augenzeuge der Sprengung. Welche Erinnerungen sind geblieben?

Dr. Ulrich Stötzner (Vorsitzender des Paulinervereins in Leipzig): Ich habe die Sprengung gesehen. Danach war mir körperlich schlecht. Wir haben ja eine Woche lang die Vorbereitungen zur Sprengung erlebt und mitangesehen, wie die völlig wehrlose Kirche angebohrt wurde. Und wir wussten die ganze Zeit, sie wird nur noch ein paar Tage dastehen. Stellen Sie sich das bitte für den Kölner Dom vor.

domradio.de: Nach der Wende 1989/90 hat sich der Paulinerverein dafür eingesetzt, dass die Paulinerkirche möglichst originalgetreu wieder aufgebaut wird. Es standen sogar 10 Millionen Euro aus der Schatulle des Vatikans durch Kardinal Ratzinger zu Verfügung. Woran ist dieses Projekt gescheitert?

Stötzner: Es ist ja nicht gescheitert. Es ist in einem langen Prozess eine Lösung gefunden worden, die mehrere Interessenssphären befriedigt hat. Das Original hätten die Gründungsväter und -mütter natürlich gerne wieder gehabt. Das war aber mit unserer Stadt und unserer Universität nicht zu machen. Man hat dann in diesem Prozess die Lösung mit dem Architektenentwurf von Erick van Eggerat gefunden, mit der wir uns auch abgefunden haben. Man darf ja auch nicht vergessen, dass der Platz mit Neubauten aus den 70er Jahren bebaut war. Und jetzt haben wir wirklich an dem gleichen Ort wieder ein Haus und einen Raum, der in der Größe dem Vorgängerbau entspricht und der auch wieder die Funktion sowohl als Universitätskirche wie auch als Aula hat.

domradio.de: Also ein 1:1-Wiederaufbau ging nicht. Wie kann ich mir diese Kombination von Kirche und Aula vorstellen?

Stötzner: In der Ausschreibung war formuliert, der Raum solle gleichermaßen als Kirche und als Aula fungieren. Man muss sich das so vorstellen: Jeden Sonntag findet ein Universitätsgottesdienst statt. Dann sollen sehr qualitätsvolle Konzerte der Universitätsmusik aufgeführt werden. Wir haben dort auch zwei Orgeln stehen. Und es sollen auch akademische Veranstaltungen und Festakte in der Paulinerkirche stattfinden. Damit haben wir überhaupt kein Problem, weil es historisch begründet ist. Als die Universität 1543 das Kloster der Dominikaner vom Landesfürst übernahm, wurde zunächst die Kirche auch als Aula genutzt. Erst 1545 wurde das Haus durch die Predigten Martin Luthers zur ersten deutschen evangelischen Universitätskirche.

domradio.de: Am Mittwoch wird der Bauabschluss mit politischer Prominenz gefeiert. Wird es auch noch einen Gottesdienst geben?

Stötzner: Die Einweihung wird Anfang Dezember sein. Der Festakt der Universität ist am 1. Dezember. Und am 3. Dezember, dem 1. Advent, wird es einen Einweihungsgottesdienst mit der Predigt vom Landesbischof geben.

domradio.de: Kann Ihnen der vollendete Wiederaufbau der Paulinerkirche ein bisschen den Schmerz durch die Zerstörung lindern?

Stötzner: Ja und nein. Mich hat dieses Erlebnis der Sprengung über die ganze Zeit nie losgelassen. Das ist auch meine Motivation für das Engagement in der Bürgerinitiative. Wir haben uns über die vielen Jahre nicht vorstellen können, dass es dort wieder ein solches Gebäude gibt. Dazwischen liegt eine Kette von Ereignissen – mit dem Höhepunkt am 9. Oktober, als genau an dieser Stelle auf dem Augustusplatz in Leipzig die Demonstrationen gestartet sind (Anm.d.Red.: Die Friedliche Revolution in Leipzig, die mit zum Sturz der DDR-Regierung führte). Später dann die Debatten, bis hin zur Bauentscheidung 2004. Das ist schon beglückend, wenn es auch ein schwieriger Weg war.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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