Die Berliner Bischöfe Heiner Koch (l.) und Markus Dröge.
Die Berliner Bischöfe Heiner Koch (l.) und Markus Dröge.
Dietmar Woidke
Dietmar Woidke

21.06.2017

"Bündnis für Brandenburg" dankt hochrangigen Religionsvertretern "Tradition der Toleranz"

Was trägt zu einer gelingenden Integration von Flüchtlingen bei? Die Religionsgemeinschaften, sagt Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. Doch diese sehen auch noch viel Handlungs- und Diskussionsbedarf.

Rund 35.000 Flüchtlinge sind seit 2015 nach Brandenburg gekommen, nahezu die Hälfte aus Syrien. Zum Gelingen ihrer Integration trage auch das Engagement der Religionsgemeinschaften maßgeblich bei, ist Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) überzeugt.

Bei einem Dialogforum, ausgerichtet vom "Bündnis für Brandenburg", dankte er am Mittwoch in Potsdam den Kirchen sowie den Jüdischen Gemeinden und den Moscheegemeinden für ihr Engagement auf diesem Gebiet. Sie leisteten einen wichtigen Beitrag, dass die Flüchtlinge "Halt und Orientierung" fänden und unberechtigte Ängste vor dem Islam abgebaut würden.

"Tradition der Toleranz"

Damit setze Brandenburg eine "Tradition der Toleranz" fort, die es bereits vor 300 Jahren bei der Aufnahme protestantischer Glaubensflüchtlinge aus Frankreich gezeigt habe, lobte Woidke, der das "Bündnis" vor anderthalb Jahren als Flüchtlingshilfe-Netzwerk von Landesregierung und Zivilgesellschaft ins Leben gerufen hatte. Der Ministerpräsident würdigte in diesem Zusammenhang auch das neue "Forum Religionen im Kontext" der Universität Potsdam. Der Wissenschaftlerverbund vernetzt alle Forschungen an der Universität zu religionsrelevanten Fragen. Es sei ein "bundesweit einmaliges und sehr interessantes Projekt", von dem auch das "Bündnis für Brandenburg" profitieren könne.

Nach Auffassung des evangelischen Bischofs Markus Dröge wird gleichwohl die Rolle der Religion bei der Integration noch unterschätzt. Er räumte ein, dass 80 Prozent der Brandenburger keiner Kirche angehören. Zugleich kämen die Flüchtlinge in der Hoffnung auf Achtung ihrer Menschenwürde und auch des Rechts auf Religionsfreiheit. Sie müssten "spüren", dass ihre Religiosität geachtet werde. Dröge betonte zugleich, auch die Flüchtlinge müssten ihrerseits die Grundwerte ihres Aufnahmelandes wie die Gleichstellung von Mann und Frau respektieren. Dies sei eine große Bildungsaufgabe auch der Moscheegemeinden, so der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Erzbischof Koch: Integration keine Einbahnstraße

Der katholische Erzbischof Heiner Koch forderte zudem einen Dialog über die theologischen Grundlagen der verschiedenen Religionen. Dies könne dabei helfen, deren ethische Maßstäbe besser zu verstehen, sagte der Erzbischof des Erzbistums Berlin. Er rief die Religionsgemeinschaften zum wechselseitigen Respekt etwa der Bräuche und Feiertage auf, "auch wenn wir sie nicht verstehen". Integration sei keine Einbahnstraße. Sie erfordere eine "Lerngemeinschaft", hob Koch hervor. So warb er für Verständnis dafür, dass Muslime Mohammed-Karikaturen als "brutale Gewalt" empfänden.

Die Integration der Flüchtlinge stelle auch die Frage der staatlichen Neutralität neu, betonte der Erzbischof. Symbole wie das christliche Kreuz oder das muslimische Kopftuch machten eine Debatte darüber erforderlich, wo die Forderung nach Neutralität "notwendig oder gefährlich" sei.

Ähnlich argumentierte der Vorsitzende der Synagogengemeinde Potsdam, Ud Joffe: Das Engagement der Landesregierung im "Bündnis für Brandenburg" könne dazu beitragen, dass die unterschiedlichen Wertesysteme der Religionen nicht in Konflikt mit dem Rechtsstaat kommen. So habe etwa die Debatte über religiös motivierte Beschneidungen bei Juden und Muslimen die Notwendigkeit des Dialogs zwischen Staat und Religionsgemeinschaften gezeigt.

Starker Zuwachs muslimischer Gemeinde

Musa Jakout vom Verein der Muslime in Potsdam dankte den anderen Akteuren im Bündnis für die Hilfe bei der Aufnahme der Flüchtlinge, die zu einem starken Zuwachs in der muslimischen Gemeinde geführt habe. Dieser bleibt freilich nicht ohne praktische Folgen, und so bat Jakout um Unterstützung dafür, eine große Moschee in Potsdam zu errichten.

Unterdessen appellierte Thomas Heinrichs vom Vorstand des Humanistischen Verbands Berlin-Brandenburg an die Religionsgemeinschaften, ihre Konkurrenz um den Wahrheitsanspruch nicht auf die Grundwerte auszudehnen. Sie müssten den Vorrang des Staates bei der Verteidigung dieser Werte anerkennen. Und Susanne Krause-Hinrichs von der F. C. Flick Stiftung mahnte, beim Dialog der Religionen umstrittene Fragen wie Antisemitismus und Geschlechterrollen nicht auszusparen.

Gregor Krumpholz
(KNA)

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