Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm in Hildesheim
Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm in Hildesheim

04.06.2017

Anschlag in London überschattet Pfingstfest Christliche Botschaft gegen Terror

Der Anschlag von London überschattet das Pfingstfest auch in Deutschland. Führende Vertreter der großen Kirchen riefen in ihren Predigten dazu auf, der Gewalt und dem Terror die christliche Botschaft entgegenzusetzen.

Schon wieder. Terror und Tote inmitten einer europäischen Großstadt. Menschen, die ein friedliches Wochenende genießen wollten und von Gewalt heimgesucht werden. Sieben Menschen kamen uns Leben, als am Samstagabend ein Lieferwagen auf der London Bridge in eine Menschenmenge fuhr und drei Männer die Passanten mit Messern attackierten; 48 wurden verletzt.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), deren Anhänger die Tat am Sonntag im Internet feierten, hatte zuletzt wiederholt zu genau dieser Art von Attentaten aufgerufen. Die Abläufe der jüngsten Angriffe ähneln einander, die Reaktionen tun es auch: Betroffenheit, Entsetzen, Mitgefühl mit den Opfern und ihren Angehörigen. Eine Massenpanik in Turin und die Unterbrechung des Musikfestivals Rock am Ring wegen Terrorgefahr untermalen zusätzlich am Pfingstwochenende - einem Hochfest des Friedens: Es sind unruhige Zeiten.

Mehrere Anschläge am Palmsonntag

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Gewalttat wie jene in London mit einem Feiertagswochenende zusammenfällt. Im Gegenteil: Am Palmsonntag dieses Jahres starben bei Anschlägen auf zwei koptische Kirchen in Ägypten insgesamt 45 Menschen. Am Ostersonntag 2016 wurden bei einem Anschlag auf christliche Familien im pakistanischen Lahore 50 Todesopfer gezählt. Und der Anschlag von Berlin, der im vergangenen Dezember elf Menschen das Leben kostete, fand nicht nur in zeitlicher Nähe zu Weihnachten statt, sondern traf zudem einen Weihnachtsmarkt.

Nun fanden auch die Pfingstfeiern im Angesicht von Terror und Leid statt. Auch deutsche Bischöfe gedachten der Terroropfer. Pfingsten - das Fest, an dem Christen die Entsendung des Heiligen Geistes feiern - sei "gar nicht so einfach zu verstehen", sagte etwa der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Es gehe um Beistand und Kraft, die Gott jedem gebe, der darum bitte. 

"Die Macht Christi ist stärker"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, rief dazu auf, der Gewalt die christliche Botschaft entgegenzusetzen. Zwar zeigten die schrecklichen Ereignisse auf dem Globus immer wieder, dass die Mächte der Gewalt und des Bösen immer wieder auferstünden. "Aber wir wissen: Die Macht Christi ist stärker! Er ist stärker als der Tod, als die Sünde, als die Angst", betonte Marx in München. Christen hätten die Verpflichtung, diese Botschaft gegen alle Angst und alle Gewalt zu setzen.

Vertreter der Kirchen in Deutschland haben am Pfingstsonntag mit Bestürzung und Trauer auf den Terroranschlag in London mit mindestens sieben Toten reagiert. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, rief nach dem Anschlag am Vorabend des Pfingstsonntags dazu auf, dem Terror und der Gewalt die christliche Botschaft entgegenzusetzen. "Immer wieder sind wir bedrückt über die schrecklichen Ereignisse, die überall auf dem Globus deutlich machen, dass die Mächte der Gewalt und des Bösen nicht zum Schweigen gebracht werden, sondern immer wieder aufstehen. Aber wir wissen: Die Macht Christi ist stärker!", sagte der Erzbischof im Münchner Liebfrauendom.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, verurteilte jede Art von religiös motivierter Gewalt. Die Vorstellung, im Namen Gottes zu töten, sei die "größte Gotteslästerung", sagte der Theologe in seiner Pfingstpredigt in der Münchner Mattäuskirche.

Bedford-Strohm: Leid darf an Pfingsten nicht ausgeblendet werden

Der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm sagte in seiner Predigt, diese Täter seien der Überzeugung, sie leisteten damit Gott einen Dienst. Die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass auch die "Leute, die in London Menschen umgefahren haben und mit Messern auf sie losgegangen sind, solche Gedanken im Kopf hatten", sagte der Theologe. Über der frohen Pfingstbotschaft dürfe das Leid der Menschen nicht ausgeblendet werden. Denn der "Heilige Geist" Gottes, von dem an Pfingsten die Rede ist, habe auch den Schmerz und das menschliche Leid durchlebt.

Berlins evangelischer Bischof Markus Dröge zeigte sich in seiner Predigt in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche entsetzt über die Feigheit und Brutalität der Täter und betete für die Opfer und ihre Angehörigen. Juden, Christen und Muslime müssten zueinander finden und gemeinsam gegen Terror und Gewalt vorgehen, mahnte der Bischof. Es dürfe keine Gewalt im Namen der Religion geben.

Zur politischen Dimension des Christseins

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat an Pfingsten die politische Dimension des Christseins betont. "Es gibt keinen Ort, wo wir uns nicht einmischen dürften", sagte der Bischof am Sonntag im Essener Dom. Dies geschehe "nicht aus Besserwisserei, sondern wegen des Evangeliums". Aus der Gabe des an Pfingsten geschenkten Heiligen Geistes erwachse "eine Verantwortung für die Kirche und die Welt".

Pfingsten ermutige die Kirche, "im Geist der Freiheit fundamental bei Christus zu sein, aber niemals fundamentalistisch, gar populistisch zu reden und zu verkündigen". Sie sollte sich "auch nicht merkwürdig reaktionär oder schräg progressiv" geben, sondern "welttüchtig und lebenstüchtig", sagte Overbeck. Dafür brauche es klare und von Liebe geprägte Gedanken sowie Worte von Glaubwürdigkeit und Taten, die von der Barmherzigkeit Gottes sprechen.

Paderborner Erzbischof: Christen sind keine "Geisterfahrer"

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hat zu Pfingsten die ermutigende Kraft des Heiligen Geistes betont. Ein jeder brauche immer wieder die Stärkung durch den Gottesgeist, der verändere und zum Aufbruch bewege, sagte Becker laut Redetext in seiner Predigt am Sonntag im Paderborner Dom. Becker betonte die besonderen religiösen Erfahrungen der Christen zu Zeiten des biblischen Pfingstberichtes. Die Frauen des Pfingsttages in Jerusalem hätten den Geist Jesu empfangen und ihn deutlich bezeugt. Sie seien keine "Geisterfahrer" sondern "geist-erfahrene" Menschen, sagte Becker.

Zentral sei die christliche Botschaft, dass das Leben stärker sei als der Tod und die Liebe stärker sei als der Hass, sagte Becker weiter. Gottes Wirken kenne keine Grenzen und wolle alle Menschen, auch die scheinbar fernen, erreichen.

Christen feiern Pfingsten - als eines der höchsten kirchlichen Feste - seit Ende des vierten Jahrhunderts 50 Tage nach Ostern. In Erinnerung an die in der Bibel geschilderte Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Menschen wird Pfingsten auch als "Geburtstag der Kirche" verstanden.

(epd, KNA)

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