ELN-Kämpfer geben ihre Waffen ab (im Oktober 2016)
ELN-Kämpfer geben ihre Waffen ab (im Oktober 2016)
Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos
Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos

11.01.2017

Massives Drängen auf Friedensprozess mit ELN-Guerilla Weiter Gespräche in Kolumbien

Intellektuelle in Kolumbien haben die Regierung und die Guerilla-Organisation ELN aufgefordert, einen ständigen Dialog zu vereinbaren. Außerdem hat die katholische Kirche eine Kommission vorgeschlagen, die beim Verhandeln helfen soll.

In einem offenen Brief mahnten Politiker, Friedensaktivisten, Geistliche und Akademiker die ELN dazu, die seit Monaten verschleppte Geisel Odin Sanchez sofort freizulassen und künftig auf Entführungen zu verzichten. Beide Seiten müssten zudem ihre "Arroganz überwinden", um zu einem dauerhaften Frieden zu gelangen.

Die katholische Kirche schlug unterdessen die Bildung einer Kommission internationaler Experten vor, die möglichst schnell eine humanitäre Übereinkunft zwischen beiden Seiten aushandeln soll. Calis Erzbischof Dario de Jesus Monsalve sagte dem Radiosender "Caracol", die Kirche habe dem Chefunterhändler der Regierung, Juan Camilo Restrepo, und Vertretern der Guerilla Vorschläge unterbreitet, die humanitäre Sofortmaßnahmen möglich machen sollen.

Gespräche sollen am Donnerstag weitergehen

Der Friedensdialog zwischen der kolumbianischen Regierung und der ELN-Guerilla soll am Donnerstag in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito wieder aufgenommen werden. Überschattet wurden die Friedensbemühungen zuletzt von neuen blutigen Attentaten der Guerilla.

Im Oktober hatten Regierung und Rebellen in Venezuela die Aufnahme direkter Friedensgespräche angekündigt, die in konkrete Verhandlungen münden sollen. Nach Schätzungen der kolumbianischen Behörden verfügt die ELN über eine Truppenstärke von 2.500 Männern und Frauen und ist überwiegend im Osten des Landes aktiv.

Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gehen fast 7.000 Morde, ebenso viele Entführungen, 3.000 Fälle von Landvertreibung und etwa 1.000 Zwangsrekrutierungen auf das Konto der marxistischen Gruppe. Sie wird zugleich für schwerste Umweltzerstörungen durch mehr als 1.300 Anschläge auf Öl-Pipelines verantwortlich gemacht.

Die ELN wurde 1964 von Studenten, radikalen Befreiungstheologen und linken Intellektuellen aus Protest gegen die Armut der Kleinbauern gegründet. Sie ist nach der ebenfalls linksgerichteten FARC die zweitgrößte Rebellenbewegung des Landes und befindet sich weiter im Kriegszustand mit der Regierung. Mit der FARC konnte die Regierung nach vierjährigen Verhandlungen ein Friedensabkommen unterzeichnen. Dafür erhielt der Präsident Juan Manuel Santos den Friedensnobelpreis.

Steinmeier am Freitag in Kolumbien

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier wird am Freitag in Kolumbien eine Demobilisierungszone der FARC besuchen. Steinmeier wird nach Angaben des kolumbianischen Außenministeriums vom Dienstag (Ortszeit) bei den Ex-Rebellen in der Ortschaft Mesetas in der zentralkolumbianischen Provinz Meta erwartet. Am 24. Januar will sich dann der französische Präsident Francois Hollande in der Provinz Cauca ein Bild vom Entwaffnungsprozesses der Guerilla machen, wie es hieß.

"Deutschland und Frankreich haben uns vom ersten Moment an im Friedensprozess unterstützt", sagte die kolumbianische Außenministerin Maria Angela Holguin. Beide Länder würden zudem einen entsprechenden europäischen Fonds mittragen. Am Rande seines Besuches wird Steinmeier auch das deutsch-kolumbianische Friedensinstitut eröffnen.

In Folge des Friedensabkommens verlassen die FARC-Kämpferinnen und -Kämpfer der FARC in den nächsten Wochen ihre Stellungen in den Bergen und im Dschungel des südamerikanischen Landes, um in "Normalisierungszonen" ihre Waffen niederzulegen und den Wiedereingliederungsprozess in die kolumbianische Gesellschaft voranzutreiben.

(KNA)

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