Nobelpreis an Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos
Nobelpreis an Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos

11.12.2016

Friedensnobelpreis an Juan Manuel Santos übergeben Stellvertretend für das Volk

"Der eigentliche Preis ist für mich der Frieden in meinem Land", sagte der kolumbianische Präsident, als er am Samstag den diesjährigen Friedensnobelpreis in Empfang nahm. Er widmete die Auszeichnung seinem Volk und speziell den Kriegsopfern.

"Kolumbien hat das Unmögliche möglich gemacht und den Krieg beendet", sagte Santos am Samstag bei der Zeremonie in der norwegischen Hauptstadt Oslo. Der 65-Jährige erhielt die höchste Friedensauszeichnung für seine erfolgreichen Bemühungen, in Verhandlungen mit der Farc-Guerilla den blutigsten und längsten Konflikt des lateinamerikanischen Kontinents zu beenden. Am Wochenende begann die Entwaffnung der Farc-Kämpfer.

Santos spendet Preisgeld an Kriegsopfer

"Der eigentliche Preis ist für mich der Frieden in meinem Land", sagte Santos in seiner Dankesrede. Deswegen nehme er die Auszeichnung stellvertretend für rund 50 Millionen Kolumbianer und vor allem im Namen der Kriegsopfer entgegen. Der Friedensprozess, bei dem die Opfer in den Mittelpunkt gestellt worden seien, könne anderen kriegsgebeutelten Ländern als Beispiel dienen. Santos kündigte an, das Preisgeld von umgerechnet rund 825.000 Euro den Opfern des Konflikts zu spenden.

Berit Reiss-Andersen, Mitglied des Nobelpreiskomitees, sagte, der Preis sei eine Auszeichnung für das ganze kolumbianische Volk, das trotz großer Leiden nie die Hoffnung auf einen gerechten Frieden verloren habe. Santos nahm den Preis im Beisein von mehreren Vertretern der Opfer des jahrzehntelangen Konflikts entgegen. Unter ihnen befand sich auch die frühere Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, die mehr als sechs Jahre ihres Lebens in Geiselhaft in Farc-Camps verbracht hatte. Vertreter der Farc hatte Santos nicht zu der Preisverleihung eingeladen, aber zuvor betont, die Rebellen seien "im Geist und im Herzen anwesend".

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte, Kolumbien setze ein Zeichen der Hoffnung: "Ich wünsche Santos, dass ihm der Friedensnobelpreis Kraft und Ansporn gibt, weiterhin mit vollem Einsatz für einen dauerhaften Frieden in Kolumbien zu arbeiten."

Entwaffnung beginnt

Etwa vier Jahre lang hatte Santos gegen heftigen Widerstand der konservativen Opposition um einen Friedensvertrag mit den Rebellen gerungen. Seit Anfang Dezember ist ein Abkommen in Kraft. Die erste Fassung des Vertrages war im Oktober von der Bevölkerung mit knapper Mehrheit abgelehnt worden. Eine überarbeitete Version wurde Ende November trotz fortbestehender Vorbehalte der Opposition vom Kongress verabschiedet.

Am Wochenende begann die im Friedensabkommen vorgesehene Entwaffnung der Guerilleros. Verteidigungsminister Luis Carlos Villegas erklärte, dass sich die Einheiten der Farc-Rebellen in allen Landesteilen auf dem Weg in Schutzzonen befinden. Dort sollen die knapp 6.000 Guerilleros unter Aufsicht der Vereinten Nationen ihre Waffen abgeben und auf ein ziviles Leben vorbereitet werden. Die komplette Entwaffnung soll binnen 150 Tagen abgeschlossen sein.

Der Bürgerkrieg zwischen der Regierung, mehreren Rebellengruppen und paramilitärischen Todesschwadronen hatte sich in den 60er Jahren an Landkonflikten und sozialer Ungerechtigkeit entzündet. Seither wurden etwa 340.000 Menschen getötet, mindestens sieben Millionen Kolumbianer wurden vertrieben. Noch kämpfen Regierungstruppen und die kleinere Guerilla ELN gegeneinander.

(epd)

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