Donald Trump
Donald Trump
ZdK-Präsident Thomas Sternberg
ZdK-Präsident Thomas Sternberg

09.11.2016

Sternberg rät nach Wahlsieg Trumps zu Wachsamkeit "Vielleicht auch ein Stück Dämonisierung"

Aus deutscher Sicht kam der Sieg Donald Trumps bei der US-Präsidentenwahl überraschend. Doch weder übertriebene Furcht noch naive Hoffnungen sind jetzt geboten, sagt ZdK-Präsident Thomas Sternberg im domradio.de-Interview.

domradio.de: Wie geht es Ihnen mit diesem Trump-Sieg - sind Sie auch so fassungslos wie viele?

Thomas Sternberg (Vorsitzender des Zentralkomitees der deutschen Katholiken): Ich war heute Morgen wirklich tief erschrocken und ich kam mir vor wie am Morgen nach dem Brexit, wo wir es auch nicht geglaubt haben und dann doch das Unfassliche kam. Die erste Reaktion, die ich hatte, war: Wie konnte es möglich sein, dass wir es über Monate hin als so sicher angesehen haben, dass Trump nur irgendeine Minderheitenmöglichkeit habe, dass er gewaltig abgestraft werden würde und dass der Sieg schon sicher für Frau Clinton sei?

domradio.de: Bei seinem ersten Auftritt als designierter Präsident hat sich Trump versöhnlich gegeben. Haben Sie die Hoffnung, dass nach dem lauten Poltern im Wahlkampf eine Normalisierung einsetzt, dass also auch in Sachen Trump "nicht so heiß gegessen wie gekocht wird"?

Sternberg: Diese Hoffnung müssen wir ja alle haben, nachdem er zum Teil wirklich abstoßende Äußerungen auch über die deutsche Kanzlerin und über Deutschland gemacht hat. Seine Äußerungen über Flüchtlinge sind ja geradezu unerträglich gewesen. Aber ich habe die Hoffnung, dass da der Apparat einiges verhindert und vieles nicht so heiß gegessen wie gekocht wird. Ich frage mich, wie hier eigentlich die Rolle des Wahlkampfs ist, denn so dumm wie einige Sätze von Trump im Wahlkampf waren, kann dieser Mann eigentlich gar nicht sein. Ich frage mich natürlich auch: Was ist das für eine Art der politischen Kommunikation, die wir da vorgeführt bekommen? Wird das eine Auseinandersetzung sein, die jetzt auch künftig die Wahlkämpfe weiter bestimmt? Dass man sich im Wahlkampf wirklich in der widerlichsten Art gegenseitig angreift, beschimpft und persönlich fertig macht, um dann am Tag nach der Wahl ganz versöhnliche Töne anzuschlagen und sich in bester sportlicher Manier gegenseitig Glück zu wünschen?

domradio.de: Sie haben gesagt, Sie hoffen, dass der Apparat einiges richtet. Nun ist es aber so, dass die Republikaner sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus die Mehrheit haben. Sprich: Trump wird anders als Obama ziemlich ungehindert durchregieren können. Erfüllt Sie das mit Sorge?

Sternberg: Es ist nicht meine Aufgabe, jetzt hier eine Äußerung zu tun, ob eine demokratische oder eine republikanische Politik in den USA die Richtigere ist. Ich bin weit davon entfernt, zu glauben, dass grundsätzlich republikanische Politik falsch wäre. Das ist nicht meine Rolle, das zu beurteilen. Ich denke, spannender ist für uns: Welche Auswirkungen hat das im internationalen Zusammenhang? Da denke ich, ist die amerikanische Außenpolitik so etwas wie eine Staatsräson, die dann vielleicht einiges verhindern kann. Die Vorstellung, dass es hier zu einem Schulterschluss zwischen Trump und Putin kommen könnte, zwischen dem dann Europa stünde, ist allerdings so schrecklich, dass man sie sich gar nicht vorstellen mag.

domradio.de: Als ZdK-Präsident agieren Sie ja an der Schnittstelle zwischen Religion und Politik. Was meinen Sie: Wie sollten Europas Politiker jetzt mit diesem künftigen US-Präsidenten umgehen?

Sternberg: Selbstverständlich macht man das so, wie man das in demokratischen Verhältnissen macht: Das ist ein demokratisch gewählter Präsident und damit werden Gespräche mit dem geführt, damit wird gehofft, dass man ihn von dem überzeugen kann, was wichtig ist. Ich denke, das wird in einem Verfahren ablaufen müssen, das demokratischen Gepflogenheiten entspricht. Da frage ich mich, ob wir nicht auch vielleicht ein Stück Dämonisierung in den letzten Wochen erlebt haben. Denn was zum Beispiel bei uns kaum überkam, war, welch große Ablehnung Hillary Clinton in Amerika als Repräsentantin eines Establishments erfährt, von der hier kaum eine Rede war. Hillary Clinton wurde dargestellt, als sei sie eine relativ unangefochtene Kandidatin. Aber wenn man mit Amerikanern spricht, sieht das sehr anders aus. Sie wird als Vertreterin eines Establishments wahrgenommen, das übrigens auch in Deutschland immer stärker den Widerstand von Menschen erfährt, die den Eindruck haben, als gäbe es da eine politische Klasse oder eine politische Kaste, die alle dasselbe denken. Große Koalitionen haben zum Beispiel eine solche Tendenz, die Ränder stark zu machen. Im Umkehrschluss heißt das Erstarken der Ränder wiederum, dass kaum etwas anderes übrigbleibt, als Große Koalitionen.

domradio.de: Befürchten Sie denn, dass  sich durch den Sieg dieses Populisten Trump in den USA auch die Populisten Europas gestärkt sehen, à la Le Pen, Petry und so weiter?

Sternberg: Es gibt natürlich da Ähnlichkeiten, erschreckende Ähnlichkeiten. Nur es sind natürlich schon gewaltige Unterschiede, denn Donald Trump ist ein Kandidat, der sich zwar gebärdet hat wie Marine Le Penn oder wie auch hier die ja immer noch nicht richtige Partei der AfD. Das sind aber doch drei so unterschiedliche Größen, dass die Republikaner in den USA nicht mit der AfD in Deutschland verglichen werden können. Die AfD ist weiterhin eine Sammelbewegung von Protestlern, von denen man nach wie vor nicht weiß, wohin die eigentlich mal gehen wird, ob die sich überhaupt zu einer ernst zu nehmenden Partei konstituieren werden. Das wird man alles einmal sehen müssen. Da ist natürlich die Republikanische Partei etwas völlig anderes in den USA.

domradio.de: Papst Franziskus liegen ganz besonders die Migranten am Herzen, Trump sind sie ein selbsterklärter Dorn im Auge. Im Wahlkampf hat er Mexikaner pauschal als Verbrecher diffamiert und den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko angekündigt. Schlechte Zeiten in Sicht also - gerade für die Schwachen der Gesellschaft in den USA - wie sehen Sie das?

Sternberg: Nicht nur die Schwachen, dass überhaupt ganze Gruppen, dass ganze Bevölkerungsgruppen abgelehnt werden und pauschal verdächtigt werden, ist ungeheuerlich. Das sind aber nicht nur die Hispanics, das sind auch vor allen Dingen die Muslime. Dass da eine ganze Weltreligion einfach grundsätzlich in den Verdacht gestellt wird, sie würden - wie er das genannt hat - "uns hassen", ist natürlich ein großer Unfug und macht in einer Debatte heiß, die auch in Deutschland zum Teil undifferenziert geführt wird. Da müsste man mit Differenzierung gegenhalten, man müsste deutlich machen, dass solche Gruppenpauschalierungen noch nie gestimmt haben.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(dr)

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