Dirk Bathe
Dirk Bathe

08.11.2016

"World Vision" zur UN-Klimakonferenz in Marrakesch "Wald ist Supermarkt der Armen"

In Marrakesch wird gerade über die Umsetzung des Klimaschutzplans beraten. Dirk Bathe vom christlichen Hilfswerk "World Vision" warnt im domradio.de vor den verheerenden Folgen, wenn kein Umdenken stattfindet.

domradio.de: In Paris ging es darum, die gefährliche Erderwärmung auf "deutlich unter zwei Grad" zu begrenzen. Wie sehen die konkreten Schritte aus, mit denen das geschafft werden kann?

Dirk Bathe (Medienreferent, World Vision): In Paris hat man sich darauf geeinigt, einen Fahrplan zu entwickeln. Dieser Fahrplan sieht vor, dass man zunächst einmal weniger erreichen will - nämlich weniger Erderwärmung, weniger Ausstoß von Gasen. Es muss weniger Dinge geben, die dazu führen, dass es überhaupt zu Umwelt- und Luftverschmutzung kommt, die dazu beitragen, dass sich das Klima weltweit erwärmt. Das bedeutet in erster Linie natürlich die Reduzierung von Produktion, zum Beispiel von Abgasen durch den Verkehr. Dazu gehört auch die Reduzierung der berühmten Wiederkäuerbestände und der internationalen Fleischproduktion. Diese trägt nicht unerheblich dazu bei, dass das Klimagas CO2 und Metangase sich entwickeln. Auf der anderen Seite bedeutet es die Umstellung des Ressourcenverbrauchs, wie zum Beispiel von Kohle auf erneuerbare Energien.

domradio.de: Ihr Hauptthema ist der Kampf gegen Armut. Wieso hat der auch ganz viel mit Umweltschutz zu tun?

Dirk Bathe: Das ist in der Tat sehr eng miteinander verknüpft. Wir sagen gerne: "Der Wald ist der Supermarkt der Armen." In unseren Projekten vor allem im afrikanischen Raum, aber auch in Süd- und Lateinamerika sowie im südostasiatischen Raum, setzen wir sehr stark auf natürliche Wiederbegrünung. Die Methode heißt abgekürzt FMNR (Farmer Managed Natural Regeneration).

Das hört sich sehr kompliziert an, ist aber eigentlich ganz einfach: Ein Kollege von uns hat schon vor vielen Jahren entdeckt, dass unter der Erde in gerodeten, verwüsteten Bereichen immer noch Wurzelausläufer heimischer Baumarten existieren, die Schößlinge treiben. Diese Schößlinge schützt man vor Viehfraß, vor Verdorren, beschneidet sie ganz gezielt, damit kräftige Bäume entstehen. Diese Bäume, zum Beispiel in einem bestimmten Rhythmus auf Feldern verteilt, sorgen dafür, dass Feuchtigkeit im Boden gehalten wird, dass der Boden über Blätter und Früchte gedüngt wird, aber auch beschattet wird. Das erhöht die erzielten Ernteerträge. So haben wir auf der einen Seite eine gesündere Umwelt, auf der anderen Seite aber auch ein besseres Einkommen und somit Möglichkeiten, die Armut zu bekämpfen.

domradio.de: "World Vision" arbeitet daher direkt mit Bauern zusammen. Was können Sie konkret tun, um sie zu unterstützen?

Dirk Bathe: Wir können Sie zum einen ausrüsten, zum Beispiel mit dürretolerantem Saatgut. Das ist auch etwas, was jetzt weltweit gefordert wird, dass so etwas wesentlich stärker eingesetzt wird. Das meint nicht gentechnisch manipuliertes Saatgut, sondern dass man sich einfach darauf besinnt, welche Getreidesorten, Knollen und Wurzelgemüse es hier früher gab und diese wieder verstärkt einsetzt.

Dadurch erzielt man einen geringeren Wasserverbrauch, was ein wichtiges Stichwort ist: Man kann auch durch natürliche Regenrückhaltebecken - das heißt beispielsweise in hügeligen Gegenden, wo Wasser normalerweise sehr schnell abfließt - dieses Wasser in Zisternen auffangen und es dazu gebrauchen, Felder zu bewässern. Wenn keine Dieselpumpen eingesetzt werden müssen, werden auch keine Abgase durch die Dieselmotoren verursacht, was ein weiterer Aspekt für den Umweltschutz ist.

domradio.de: Und diese Projekte stellen Sie auch in Marrakesch vor. Setzen Sie persönlich Hoffnung in das, was in Marrakesch gerade besprochen wird?

Dirk Bathe: Wir sind unverbesserliche Optimisten. Natürlich setzen wir Hoffnung darauf. Es ist auch so, dass weltweit immer stärker anerkennt wird, dass wir uns für den Erhalt der Schöpfung, den Erhalt der Umwelt einsetzen müssen. Viele Staaten haben das inzwischen erkannt. Die vier großen Klimagiganten, USA, China, Brasilien und Indien, haben das Klima-Abkommen schon ratifiziert. Sie müssen es zwar noch mit Leben ausfüllen, aber ich denke, das wird früher oder später geschehen.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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